Wintersportfreunde mussten sich während der langen Sommermonate des Jahres 2018 in Geduld üben, aber nun ist die kommende Skisaison 2018/2019 wieder in greifbarer Nähe. Die Temperaturen gehen langsam nach unten und bald wird es mit den ersten Schneefällen in den Bergen wieder durchgehend geöffnete Pisten geben.

Auf dem Weg in die Skigebiete Europas lässt sich in aller Regel das Thema Maut nicht vermeiden, denn die allermeisten Wintersportler reisen per Auto an. Ein Blick auf die unterschiedlichen Mautsysteme lohnt sich. So lässt sich Ärger vermeiden und Zeit sparen, damit das Vergnügen auf der Piste nicht getrübt wird.

 

Wer in Deutschland bleibt, muss sich meist noch nicht mit der PKW-Maut befassen, auch wenn das Thema nach wie vor auf der politischen Agenda ist. Wenn man der Politik Glauben schenkt, kommt die Infrastrukturabgabe, wie die Straßengebühr offiziell bezeichnet wird, in einigen Jahren verpflichtend als eine Art elektronische Vignette. Der momentane Stand ist, dass die deutsche PKW-Maut nicht vor dem Jahr 2020 eingeführt wird. Wenn es aber dann soweit ist, werden sich die Kosten nach der Euro-Emissionsklasse, dem Fahrzeug-Hubraum sowie der gewählten Nutzungsdauer richten.

Doch auch in Deutschland kann es bereits jetzt vorkommen, dass Wintersportler für kleine, privat betriebene Straßen zur Kasse gebeten werden. Auf dem Weg ins Skigebiet Sudelfeld in Bayern gibt es die Tatzelwurmstraße, die in Brannenburg beginnt. Eine einfache Fahrt kostet hier 3 Euro, die Gebühr wird bar bezahlt.


Österreich dagegen hat seit 1997 eine durchgehende Vignettenpflicht für Autobahnen und Schnellstraßen. Und entgegen anderslautender Gerüchte gibt es auf Autobahnen nach den Grenzübergängen keine mautfreien Abschnitte mehr. Bis Dezember 2013 gab es etwa eine gebührenfreie Strecke zwischen dem Grenzübergang Kiefersfelden bis zur österreichischen Ausfahrt Kufstein-Süd, doch auch dieser Abschnitt ist nun von der Vignettenpflicht betroffen.

Wer arglos dort ohne „Pickerl“ auf der Autobahn über die Grenze fährt, riskiert Ersatzmauten, wie die Bußgelder im österreichischen Behördendeutsch heißen. Für normale PKW beläuft sich diese auf 120 EUR, liegt eine Manipulation der Vignette vor, werden 240 EUR fällig. Die Ersatzmaut gilt dann für den Tag, an dem man erwischt wurde und für den Folgetag.

Nicht von der Österreich-Vignette abgedeckt sind sogenannte Sondermautstrecken, Beispiele dafür sind etwa die Brennerautobahn oder der Arlbergtunnel. Hier werden separate Gebühren fällig. Zu zahlen sind diese entweder vor Ort oder per Vorausbuchung.
Bereits seit November 2017 gibt es in Österreich – parallel zum gedruckten Pickerl – eine Digitalvignette, die nur noch online zu buchen ist. Von den Preisen und Gültigkeiten her unterscheidet sich die Digitalvignette nicht von der gedruckten Variante, auch sie gibt es für zehn Tage (9 EUR), zwei Monate (26,20 EUR) sowie für ein Jahr (87,30 EUR).
Doch wer die österreichische Vignette online buchen will, muss Acht geben: Der erste Tag der Gültigkeit kann bislang erst 18 Tage nach der Buchung sein. Unternehmer aber sind von dieser Regelung ausgenommen und können somit die online gebuchte Vignette sofort verwenden.

 

Die Skigebiete der Schweiz locken mit landschaftlicher Schönheit und weitgehend sicheren Schneeverhältnissen. Doch auch die Eidgenossenschaft hat eine Vignettenpflicht auf allen Nationalstraßen der Kategorie 1 und 2, das betrifft sämtliche Autobahnen. Die Schweizer Vignette gibt es nur mit einer Gültigkeit von einem Jahr. Allerdings sind immer der Dezember des Vorjahres wie der Januar des Folgejahres mit eingeschlossen, so dass sich die gesamte Gültigkeit auf insgesamt 14 Monate beläuft. Grundsätzlich liegt der Preis der Schweiz-Vignette bei 40 CHF. Bedingt durch Schwankungen der Wechselkurse ändert sich der Euro-Preis geringfügig immer wieder. Zuletzt stieg er zum 1. Oktober 2018 leicht von 35,75 EUR auf nun 36,50 EUR. Nicht von der Vignette abgedeckt sind der Große-Sankt-Bernhard-Tunnel, der vom Schweizer Kanton Wallis aus ins italienische Aostatal führt, sowie diverse Autoverladungen.

 

Auch Slowenien ist für manche Wintersportfreunde attraktiv. Es locken Skigebiete mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis sowie mit relativ hohen Lagen über 2.000 Metern.
Auch Slowenien hat eine zeitabhängige Vignette. Die normale PKW-Vignette kostet für sieben Tage 15 EUR, für einen Monat 30 EUR und für ein ganzes Jahr 110 EUR. Doch Vorsicht: Wer mit einem Wohnmobil von über 3,5t in Slowenien unterwegs ist, muss die Maut seit 1. April 2018 verpflichtend mit der elektronischen Mautbox „DarsGo unit“ bezahlen, andere Möglichkeiten stehen hierfür nicht mehr zur Verfügung.

 

Anders als in Österreich oder der Schweiz verhält es sich in Italien: Wer zum Skifahren in die Dolomiten will, bezahlt auf der Autobahn Maut an beschrankten Mautstationen. Die Gebühr richtet sich nach tatsächlich zurückgelegten Kilometern. An der Mautstation angekommen, haben Autofahrer mehrere Möglichkeiten, um zu bezahlen: Neben Bargeld und Karte (Kreditkarte oder die Prepaid-Karte ViaCard) gibt es auch die Möglichkeit, die Maut elektronisch per Telepass zu bezahlen. Dabei handelt es sich um eine elektronische Mautbox, die an der Mautstation für eine bargeldlose Bezahlung sorgt. Die Box wird im Inneren des Fahrzeugs an die Windschutzscheibe angebracht. Mit Telepass ist es auch möglich, die entsprechend ausgewiesenen und reservierten Telepass-Spuren vor der Mautstation zu benutzen. Mit dem Telepass es auch möglich, in vielen italienischen Parkhäuser zu bezahlen, die sich auch in der Nähe von Skigebieten befinden können.

Manchen Skifahrer mag es in die Nähe von Mailand ziehen, schließlich gibt es auch in der unmittelbaren Nähe dieser Metropole Skigebiete, wie etwa Piani di Bobbio. Doch Achtung bei der Fahrt im Großraum Mailand: Dort gibt es seit einigen Monaten auf der Autostrade 36 das neuartige Mautsystem Free Flow, das ganz ohne Kassenhäuschen, Mautschranken und dergleichen auskommt. Auf der „Pedemontana“, wie die Autostrade 36 häufig auch genannt wird, erfassen Kameras die Kennzeichen der Autos. Doch die Strecke kann zur Falle werden für all diejenigen, die nichtsahnend darauf gelangen. Es erfolgt keine automatische Rechnungsstellung. Vielmehr müssen sich Fahrer selbstständig um die Bezahlung dieser Straßengebühr kümmern. Tun sie dies nicht, und sei aus nur aus Unwissenheit, können hohe Bußgelder die Folge sein. Entsprechende Hinweisschilder gibt es zwar, allerdings können diese im fließenden Verkehr leicht übersehen werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Maut für die Autostrade 36 zu bezahlen, etwa per Online-Registrierung (siehe pedemontana.com), an einer Autobahn-Servicestation, oder per Telepass, womit auch diese Mautgebühren elektronisch mit erfasst werden, so dass auch auf dieser besonderen Mautstrecke kein zusätzlicher Aufwand mehr erforderlich ist.

 

Das Mautsystem in Frankreich ähnelt dem in Italien, auch dort gibt es ein streckenabhängiges Mautsystem. Mautfreie Autobahnen gibt es zwar, doch diese sind dünn gesät: Sie befinden sich beispielsweise im Elsass, im Zentralmassiv auf der A75 oder in der Bretagne. Wintersportbegeisterte, die es nach Frankreich zieht, können also das Thema Autobahnmaut in aller Regel nicht vermeiden. Auch in Frankreich kann die Maut per elektronischer Mautbox bezahlt werden, diese heißt entweder Liber-t (für PKW) oder TIS-PL (für Fahrzeuge über 3,5t oder über 3m Höhe). Das Prinzip gleich dem in Italien: Vor den Mautstationen sind verschiedene Spuren für die unterschiedlichen Möglichkeiten der Bezahlung ausgewiesen. Die reservierte Spur für Mautbox-Nutzer hat die Beschilderung  mit einem kleine „t“, was für Télépéage steht. Seit dem Jahr 2016 gibt es in Frankreich Kommunen, die Umweltzonen („Zones à Circulation Restreinte“) mit der Pflicht zur Emissionsplakette Crit´Air haben. Crit´Air gibt es in sechs verschiedenen Kategorien und Farben, die sich unter anderem nach der Schadstoffmenge und der Energieeffizienz der Fahrzeuge richten.

Eine Umweltzone somit die Pflicht zu Crit´Air hat – neben vielen weiteren französischen Städten – auch der beliebte Wintersportort Grenoble. Wer ohne die Emissionsplakette in die Umweltzone fährt, muss mit Bußgeldern rechnen. Informationen zu Crit´Air gibt es bei der zuständigen französischen Behörde unter diesem Link: https://www.certificat-air.gouv.fr/de/.

 

Weitere Informationen zum Thema Mautboxen und Vignetten gibt es auf www.tolltickets.com.