Die Attraktivität von Wintersport ist in Deutschland ungebrochen. So lautet das zentrale Ergebnis der Grundlagenstudie „Wintersport Deutschland 2018“. Der Abschlussbericht wurde am Dienstag von Prof. Dr. Ralf Roth von der Deutschen Sporthochschule Köln im Rahmen des Dein Winter. Dein Sport. Symposiums auf der ISPO Munich präsentiert. Im Anschluss diskutierte Roth mit Wolfgang Pohl (Präsident Deutscher Skilehrerverband DSLV), Andy Schimeck (Präsident Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie & Geschäftsführer Marmot Europe), Christophe Weissenberger (CEO uvex sports group) sowie den Dein Winter. Dein Sport. Paten Anke Wöhrer und Bene Mayr unter dem Titel „ONSNOW erleben – ONLINE kommunizieren.“ über die Ergebnisse. Zudem stand die Frage im Fokus, was alle am Wintersport beteiligten Branchen gemeinsam tun können, um Menschen weiterhin für ein aktives Leben in der Natur zu begeistern.

„Die Ergebnisse stimmen uns sehr positiv“, sagte DSLV-Präsident Pohl. „Die Menschen haben Lust auf Schneesport und üben ihn aus. Es gibt keinen Grund, uns zu verstecken oder selbst klein zu machen.“ Die Erfolgsmeldungen des Sportfachhandels sowie der Hersteller in den vergangenen Wochen bestätigen das Potenzial, das der Wintersport in Deutschland hat. „Durch den guten Winterstart hat sich die Situation bei vielen entspannt“, sagte Pohl.

Für gute Stimmung dürften auch die Ergebnisse der repräsentativen Studie sorgen. Unter der Leitung von Prof. Roth hat die Deutsche Sporthochschule Köln im Auftrag der Stiftung Sicherheit im Skisport 5.000 Menschen befragt und umfangreiche Basisinformationen ermittelt. „Wintersport Deutschland 2018“ liefert eine Bestandsaufnahme und bietet Einblicke in das Sport- und Reiseverhalten der Verbraucher.

Fast 28 Mio. Wintersportler in Deutschland

Trotz demographischen Wandels, gesellschaftlicher Veränderungen und Klimavariationen – die Zahl der deutschen Wintersportler ist auf einem stabil hohen Niveau. 27,7 Mio. Deutsche haben Erfahrung in unterschiedlichen Wintersportaktivitäten. Zudem können sich von den sportlich aktiven Deutschen, die bislang keinen Wintersport betreiben, 30 Prozent vorstellen, dies künftig zu tun.

„Wintersport hat nichts an seiner Attraktivität und Anziehungskraft verloren“, folgerte Roth. Es zeige sich dabei ein Trend, über die Lebensspanne mehrere verschiedene Schneesportaktivitäten auszuüben – je nach Lust und Laune sowie nach äußerlichen Rahmenbedingungen. Im Schnitt übt jeder wintersportaffine Bundesbürger 2,2 Schneesportarten aus. Von Ski Alpin über Langlaufen und Snowboarden bis hin zum Schlittenfahren, Tourengehen, Schneeschuh- oder Winterwandern. Zur Verdeutlichung haben Prof. Roth und sein Team als neuen Kennwert die „Wintersport-Tage“ (wintersportdays) erhoben und zusätzlich die Hauptsportart abgefragt. Danach verbringen die Deutschen in Summe pro Jahr über 300 Mio. Tage mit Wintersportaktivitäten. Durchschnittlich ist der deutsche Wintersportler pro Jahr 14,6 Tage draußen aktiv. Stark gestiegen ist die Zahl der Langläufer: Für 5,82 Mio. deutsche Bürger ist Skilanglauf bereits ihre Hauptsportart, 5,7 Mio. waren 2017 auch tatsächlich aktiv. An der Spitze bleibt dagegen Ski Alpin. 8,15 Mio. Deutsche betreiben hauptsächlich Ski alpin, 7,4 Mio. waren 2017 aktiv. Snowboard ist insgesamt rückläufig und wird fast ausschließlich von jüngeren Altersgruppen als Hauptsportart betrieben.

Bemerkenswert ist die Diskrepanz zwischen den hohen Wintersport-Partizipationswerten und der Nachfrage im Sportfachhandel. „Man kann die Nachfrage nicht aus Verkaufszahlen ableiten“, betonte Roth. „Fakt ist, dass die Hersteller nicht mehr voll umfänglich von der hohen Skisportnachfrage partizipieren wie früher.“ Dafür gebe es unterschiedliche Gründe. „Es ist zum Beispiel für die Aktiven nicht mehr so wichtig, alle zwei bis drei Jahre neue Skier zu kaufen.“ Die Sharing Economy mit einem steigenden Anteil des Verleihgeschäfts, eine lange Nutzungsdauer, Ausgabeverlagerung in die Zielgebiete, multifunktionale Bekleidung sowie ein starker Second-Hand-Markt im Wintersport tragen ihr Übriges zu dieser Entwicklung bei.

DSLV-Präsident Pohl fordert mehr Kooperationsbereitschaft

Um die vorhandenen Potenziale zu nutzen, sieht DSLV-Präsident Pohl vor allem zwei Faktoren als entscheidend. „Einerseits müssen die Hersteller innovative und hochwertige Produkte entwickeln. Andererseits müssen sie viel entschlossener in Netzwerken zusammenarbeiten. Das wurde bislang eher vernachlässigt.“ Handlungsbedarf sieht er vor allem in Kooperationen mit Tourismusdestinationen, Bergbahnen sowie Skischulen und Vereinen. Eben dort setzen der Deutsche Skilehrerverband, der Deutsche Skiverband und Snowboard Germany mit der gemeinsamen Initiative Dein Winter. Dein Sport. an. „Wir sind alle viel zu oft von Verkaufszahlen getrieben und beschäftigen uns zu wenig damit, unsere Kräfte und Möglichkeiten zu bündeln und für das gemeinsame Interesse einzusetzen“, sagte Pohl. Zentrale Aufgabe für die gesamte Branche sei es Kinder, Jugendliche und Erwachsene für ein aktives Leben in der Natur zu begeistern.

Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die prominenten Paten als aufmerksamkeitsstarke Kommunikatoren. Stellvertretend für die über 40 aktiven und ehemaligen Spitzenathleten, die Dein Winter. Dein Sport. unterstützen, waren Snowboarderin Anke Wöhrer und Freeskier Bene Mayr zu Gast auf der ISPO. „Ich möchte über meine Bilder und Videos den Menschen dieses unbeschreibliche Gefühl der Freiheit in den Bergen vermitteln“, sagte Mayr. Niemand müsse den Sport so extrem betreiben wie er als Freeskier, „aber das Gefühl am Gipfel zu stehen, dieser Blick über die Berge, die klare kalte Luft und das Element Schnee sind einfach einzigartig.“ Davon zu berichten – heutzutage vorzugsweise über soziale Medien – ist das Eine, den Sport tatsächlich auszuüben und die Natur zu erleben das Andere, findet Wöhrer. „Ich kann jedem nur empfehlen, sich warm anzuziehen, rauszugehen und aktiv zu sein. Egal, was man im Schnee macht, es gibt nichts Schöneres.“ Mayr und Wöhrer sind sich bewusst, dass sie eine Vorbildrolle einnehmen. „Wir Sportler, aber auch die Verbände und alle am Wintersport Beteiligten sind gemeinsam gefordert, die Menschen an die Hand zu nehmen und ihnen die faszinierenden Sportmöglichkeiten zu zeigen, die der Winter zu bieten hat.“