In den vergangenen Jahren hat sich Snowboarden rasant weiterentwickelt. Neue Technologien, wie die Rocker Boards, ermöglichen mehr Speed und extremere Airs, nicht nur die Parks werden professioneller - auch die Protagonisten einer immer noch jungen Boardkultur. Längst haben auch die Snowboarder das Freeriden für sich entdeckt und sind mit Splitboard unterwegs im Backcountry. Ganz egal welcher Neigung und Philosophie man folgt, die Basis ist neben Spaß die perfekte Beherrschung des Snowboards unabhängig von Gelände und Wetter. Wir haben Matthias Beier, Lehrbeauftragten des DSLV und staatlich geprüfter Snowboardlehrer, getroffen und uns mit ihm über die Faszination des Snowboardens und die neue Lehrphilosophie unterhalten, die Anfängern den Einstieg erleichtert und auch Ambitionierten langfristig mehr Spaß bringt.

 

Seit wann fährst du eigentlich Snowboard?

Puhh, lange her. Ich fahre seit 1991 und habe ungefähr zehn Jahre später meine Ausbildung zum staatlich geprüften Snowboardlehrer gemacht.

 

Bist du denn zuvor auch Ski gefahren?

Ja, schon, wie bei fast jedem Knirps, der in der Nähe der Berge aufwächst, haben auch meine Eltern mich eines Tages auf zwei Bretter gestellt und in den Skikurs gesteckt.

 

Hast du dir dann Snowboarden damals selbst beigebracht?

Klar! Es gab ja kaum jemanden, der wusste wie man am besten damit anfängt, learning by doing and trial and error, waren das Motto. Ich habe damals mit einigen Freunden zusammen ein paar Bretter aufgetrieben und wir haben einfach losgelegt. War zwar chaotisch, aber ein riesiger Spaß.

 

Wo liegt heute dein Schwerpunkt im Snowboarden, mehr Freestyle oder eher im Freeriden?

Mittlerweile liegt mein Schwerpunkt eher im Freeriden. Das Surfen im Powder ist einfach unbeschreiblich schön. Mit dem Splitboard im Backcountry unterwegs sein und sich schöne Hänge und Lines aussuchen. Unbeschreiblich. Natürlich fahr ich auch gerne Freestyle und gehe ab und an mal in den Park oder Jibben auf der Piste. Im Allgemeinen gehe ich Snowboarden, wo und wie die Situation (Schnee, Wetter, Arbeit) es gerade zulässt. Ich fühle mich in jedem Terrain daheim und die Abwechslung ist schließlich immer eine Bereicherung.


Wie bist Du auf die Idee gekommen, dass du Snowboardlehrer werden möchtest?

Die erste Snowboardschule in Lenggries hat uns als Homies mitgezogen – meine Freunde haben dort unterrichtet und wir waren immer zusammen am Berg. Ich bin da also eher irgendwie reingewachsen.

 

Und was machst Du dann im Sommer, um im Winter deiner Leidenschaft nachzugehen?

Ich habe im Winter eine Snowboardschule in Lenggries, da bin ich auch im Sommer mit der Organisation und Vorbereitung ziemlich beschäftigt. Nebenbei mache ich noch einen marokkanischen Zeltverleih, das läuft recht gut im Sommer. Ich hab mein Hobby zum Beruf gemacht und das Schöne ist: Es macht immer noch Spaß! In den letzten zwei Jahren haben meine Kollegen und ich auch Bücher über Snowboarden geschrieben, wie den neuen DSLV Lehrplan Snowboard (BLV Verlag) und das erst kürzlich erschienene Outdoor Praxis Snowboard (Bruckmann Verlag). So kann ich mein Wissen und meine Erfahrungen prima weitergeben, um den Nachwuchs und möglichst viele Menschen für das Snowboarden zu begeistern.

 

Ich erinnere mich noch gut an meinen Grundstufenlehrgang, es war Mitte der 90er. Was hat sich seither fahrtechnisch und didaktisch beim Snowboarden verändert?

Es hat sich eine Menge geändert, das System ist vor allem offener geworden. Die Ausgangssituationen sind heute andere. Das fängt beim Material schon an: Alleine die Rockertechnologie, die sich stark auf die Fahrtechnik auswirkt oder die neuen Methodik des Unterrichts. Ein offenes Loop-System bietet mittlerweile ein situationsgerechtes Unterrichten. Snowboarden war von seinem Ansatz immer schon sehr offen und ist es auch bis heute geblieben.

 

Gibt es eigentlich noch viele Autodidakten oder ist das Verständnis bei Einsteigern für einen ordentlichen Snowboardkurs vorhanden?

Natürlich gibt es immer noch Autodidakten. Durch die Industrialisierung des Snowboardsports und das gewachsene Angebot an Snowboardschulen, sind diese jedoch mittlerweile bei den meisten Einsteigern der erste Anlaufpunkt. Eine gute Basis zu schaffen, auf der man seine eigenen Interessen und Fähigkeiten aufbauen kann, macht einfach Sinn. Der Einstieg mit einem Profi bedeutet auch schnelleren Lernerfolg und vor allem mehr Spaß – auch im zukünftigen Snowboarderleben.

 

Du hast auch eine Snowboardschule in Lenggries, gibt es noch Snowboarder mit Hardboots oder möchte manch einer tatsächlich noch auf einem Raceboard lernen?

Raceboards sind zum Glück Vergangenheit. Vereinzelt sieht man noch Hardbootfahrer am Hang, Die Wenigen lassen sich jedoch auch oft bekehren, da Softboots auf aktuellen Snowboards mehr Spaß  und Abwechslung bringen. Zudem ist’s einfach bequemer.

 

Snowboarden ist heute sehr vielschichtig, nach ein paar Jahren der Stagnation steigt das Interesse wieder. Gerade Freeriden und Touren im Backcountry wird immer beliebter. Wie siehst du diese Entwicklung und wo wird sich Snowboarden in der Zukunft einordnen?

Die Zukunft vom Snowboarden lässt sich nicht wirklich einordnen und schwer vorhersagen. Snowboarden ist immer noch jung und lässt sich nicht in Schubladen stecken. Aber genau das macht es aus. Freeriden und Touren mit dem Splitboard sind groß im Kommen und ich sehe das sehr positiv. Die Natur hautnah zu erleben und dabei weg vom winterlichen Massentourismus zukommen ist faszinierend.

 

Wird sich das Lehrwesen dieser Veränderung anpassen und hier auch mehr anbieten, wie z.B. richtige Tourenplanung, Risikomanagement und Freeride Camps?

Das Lehrwesen hat sich bereits angepasst. Seit diesem Jahr gibt es auch eine Ausbildung zum Freeride Guide. Der letztes Jahr erschienene DSLV Lehrplan Freeride zeigt ganz klar, dass das Lehrwesen den Trend schon lange erkannt hat und das Angebot für die Kunden bereits geschaffen ist. In unserem neuen Buch Outdoor Praxis Snowboarden sind alle Fassetten des Snowboardens mit eingeflossen, wie eben Touren mit dem Splitboard, Vorbereitung und das richtige Risikomanagement mit Lawinenkunde, usw. Das ganze Programm. Auch in unserer Snowboardschule bieten wir schon seit mehreren Jahren Freeride Camps mit Theorie und Praxis an.

 

Wenn jemand Snowboardlehrer werden möchte, wie läuft das ab, welche Voraussetzungen sollte er mitbringen?

Grundsätzlich sollte er snowboarden können, Lust haben mit Menschen zu arbeiten und den Willen, sein eigenes Snowboarden zu verbessern. Denn man lernt ja nie aus, egal auf welchem Level man fährt. Das sind wohl die wichtigsten Vorraussetzungen, um ein guter Snowboardlehrer zu werden.

 

Dein bevorzugtes Freeride Gebiet?

Das ist hier in der Nähe natürlich das Brauneck, da kenne ich jeden Winkel, und Hochfügen. Und natürlich immer dort, wo gerade der beste Schnee liegt.

 

Dein beliebtester Trick?

Der Backside 180.

 

Wer ist für Dich derzeit der beste Snowboarder?

Das sind alle Mädels und Jungs, die den größten Spaß am Shredden haben.

 

Was gibst Du deinen Schülern oder angehenden Snowboardlehrern mit auf den Weg, deine Philosophie?

Für Jeden ist was dabei, das Gebiet und Wetter spielen keine Rolle, man sollte die riesige Spielwiese ‚Berg und Natur’ nur richtig zu nutzen wissen. Rausgehen, anschnallen und rocken!

 

Matthias Baier steht seit 1991 auf dem Snowboard und ist seit 2003 staatlich geprüfter Snowboardlehrer sowie Mitglied im Ausbilderteam Snowboard des DSLV. Dabei ist er nicht nur Koordinator des Ausbilderteams und seit kurzem auch VDBS Freeride Guide, sondern ist auch Inhaber der Snowboardschule ‚Schneesturm’ im oberbayerischen Lenggries.