Eine Tunnelbahn. Ausgerechnet. Seit dem Jahr 2000, dem Unglücksjahr von Kaprun, als viele Menschen in einer Gletscherbahn ums Leben kamen, fühle ich mich bei solchen Fahrten nicht mehr so richtig wohl. Das Herz klopft etwas lauter als gewohnt. Aber nichts weist darauf hin, dass mit der Bahn, die mich gleich über knapp fünf Kilometer und 1000 Höhenmeter durch den Berg transportieren wird, irgendetwas nicht stimmt. Ich befinde mich an der Talstation des Mölltaler Gletschers im schönen österreichischen Bundesland Kärnten und warte darauf, dass es los geht. Es ist Ende Oktober, hier unten ist noch nicht viel zu sehen von Winter. Lediglich die Aussicht auf die Bergspitzen und die mit Skiern und Snowboards ausgerüsteten Wintersportler lassen vermuten, dass man nach der Fahrt mit der Standseilbahn "Mölltaler Gletscher Express" und einer Gondelfahrt in der 6er-Gondel "Eissee" in einer schneereichen Winterwelt ankommt.

Schnee am Ende des Tunnels

Langsam fängt die Standseilbahn an, sich zu bewegen. Geschwätziges Treiben, voller Vorfreude tummeln sich Groß und Klein, Anfänger und Profis, Ski-Kaderfahrer, Trainer und Betreuer in den Abteilen der Bahn. So richtig wohl ist mir immer noch nicht, doch als ich sehe, wie entspannt hier alle sind, atme ich aus und werde langsam ruhiger. "Alles halb so wild", denke ich mir und bin gespannt, was mich am Ende des Tunnels erwartet. Kurzentschlossen habe ich mich auf den Weg in das Mölltal gemacht, um einen Skitag auf dem Gletscher einzulegen. Mit dem Skigebiet habe ich mich nicht lange beschäftigt, völlig unvorbereitet schnappte ich mir meine Ski, Klamotten und Rucksack und stehe nun hier in der Bahn. Im Tal unten war es ziemlich warm gestern Abend, ob oben genug Schnee liegt?

Schneebedeckte Gipfel

Ein Licht am Ende des Tunnels! Der Mölltaler Gletscher Express fährt langsam in die Bergstation ein, schon befinden wir uns auf 2.234 Metern über dem Meer. Türen auf, der Menschenstrom drängt mich nach oben, vorbei am Aprés-Ski Pilz, wo gerade die ersten Vorbereitungen für den Tag getroffen werden und später die tägliche Party über die Bühne gehen wird, hinein in die Talstation der 6er-Gondelbahn. "Schnee scheint es zu haben", denke ich mir, als ich gerade noch einen kurzen Blick auf die umliegenden Berge erhaschen kann, die bei strahlend blauem Himmel ihre schneebedeckten Gipfel in den Himmel strecken.

Überwältigt von der Gletscherpracht

Drei Minuten später sitze ich mit einem älteren Ehepaar aus Tschechien oder Slowenien, so genau kann ich das nicht feststellen, in der gemütlichen Gondel. Letzte Vorbereitungen, eincremen, Schuhe zu, Brille sauber machen. Ein freudiger Schauer überfährt mich, als der Blick über den Weißsee und den Hochwurtenspeicher auf den Gipfel des Weißseekopfes fällt - was für ein Tag! Als ich aus der Gondel steige und trotz Sonnenbrille mit zusammengekniffenden Augen in 2.800 Meter Höhe ins Freie trete, ist der Panoramablick auf den Gletscher überwältigend: Auf der circa einen Kilometer breiten Südwestseite des Schareck, dem Hauptbereich des Gletschergebietes, finden sich drei breite Pisten (zwei blaue, eine rote) - perfekt präpariert und bereit, von meinen Skikanten durchpflügt zu werden.

Gletscherjet

Schnell springe ich in meine Ski und fahre das kurze Stück zum Einstieg in den Gletscherjet, einer schnellen und modernen Sechser-Sesselliftbahn, hinunter. Diese bringt mich in wenigen Minnuten zum höchsten Punkt des Gebiets. Beinahe zu schnell ist man dort oben auf 3.122 Metern angekommen, gibt es doch unterwegs jede Menge zu sehen: Man schaut auf die Skifahrer unter sich, wirft den Blick hinüber zu den Kaderathleten, die sich ihre Slalom- und Riesenslalomkurse aufgebaut haben, links unter mir ein breites, befahrbares Schneefeld, das allerdings direkt an den Gletscher grenzt und in welches man somit nur mit viel Erfahrung und äußerstes Vorsicht einfahren sollte.

Eine Piste direkt am See


Oben auf dem Schareck angekommen, ist der Tag eigentlich schon perfekt. Ein unfassbarer Ausblick auf die karnischen Alpen auf der einen Seite, eine tolle Sicht auf die Salzburger Bergwelt auf der anderen Seite. Und die Schneebedingungen sind Ende Oktober perfekt! Skifahrerherz, was willst du mehr. Der Skitag beginnt, schnell habe ich die Schareck-Pisten abgefahren und mache mich auf zum neuen Alteck-Sessellift, der direkt am Ende des Hochwurtenspeichers startet. Ein toller Fotopunkt, denn wo hat man schon mal einen großen See direkt an der alpinen Skipiste? Vom Ende des Alteck-Lifts (2.751 M.ü.M.) kann man sich dann entscheiden, ob man die etwas anspruchsvollere Piste hinab zum Ausgangspunkt oder die entspannte Umgehung entlang der Bergkette wählt und im Anschluss mit der Panoramabahn Klühspies zurück zum Bergrestaurant Eissee liftet.

Facts zum Skigebiet


Für mich gilt es noch die Familienabfahrt zur Gondel Eissee-Gondelbahn zu erkunden, mehr Pisten haben leider so früh in der Saison noch nicht auf. Insgesamt weist das Skigebiet Mölltaler Gletscher aber immerhin eine Pistelänge von 71 Kilometern auf, davon sind 24 Kilometer leichte, 30,5 Kilometer mittlere und 16,5 Kilometer schwere Strecken. Durch die Höhe und das gut organisierte Schneekanonensystem (45 Stück gibt es hier) findet man fast über das gesamte Jahr hinweg beste Schneebedingungen vor. Zudem gibt es zahlreiche Variantenabfahrten und Spots für Freerider - wer sich aber ins Gelände begeben will, sollte sich einen orts- und fachkundigen Begleiter an seine Seite holen. Denn Gletschergebiete sind aufgrund von möglichen Spaltenstürzen nicht ungefährlich. Die Freestyler, ob mit Board oder Ski, finden im Winter am Schareck auch einen Boardercross, Jumps und eine Wellenbahn. Für die Fans des Nationalteams vielleicht eine spannende Zusatzinfo: Maria Höfl-Riesch, Felix Neureuther und andere deutsche Skigrößen schwingen sich ab sofort auf dem Mölltaler Gletscher für die kommende Wintersaison ein! Der Deutsche Skiverband (DSV) und das Kärntner Gletscher-Skiresort haben für die Deutsche Skinationalmannschaft Alpin eine diesbezügliche Vereinbarung getroffen.

Sonne tanken, schlemmen und genießen

Für mich aber steht den Rest des Tages Genuss und entspanntes Skifahren auf dem Programm: Auf der Sonnenterasse des Restaurants Eissee genieße ich den strahlend blauen Himmel, die unglaubliche Aussicht und die Köstlichkeiten aus der großen Bergküche. Ob Suppenbuffet, Germknödel und Kaiserschmarrn oder deftige Würstl und Schnitzel - für den kleinen und großen Hunger ist hier gesorgt. Und nach einem leckeren Kaffee und einer gemütlichen Nachmittagstour, bei der ich von Schareck bis zum Alteck alle Pisten noch einmal unter meine Ski nehme, geht es müde, aber mit einem Grinsen auf dem Gesicht, zurück ins Tal. Und jetzt habe ich auch vor der abschließenden Fahrt mit der Standseilbahn kein Herzklopfen mehr - denn nach diesem Skitag auf dem Mölltaler Gletscher kann ja gar nichts mehr schiefgehen.

Mit der Helmkamera konnte ich ein paar Impressionen des Tages auf dem Mölltaler Gletscher einfangen - hier ein paar Eindrücke des Tages in einem kurzen Video.

 

Anfahrt:
Ihr erreicht den Mölltaler Gletscher über die Tauernautobahn A 10, Autobahnknoten Spittal/Millstätter See “Ausfahrt Lienz” Lendorf, weiter über die Drautalbundesstraße über Möllbrücke-Obervellach FLATTACH (Mölltaler Gletscher). Von München kommend über Rosenheim > Kufstein > Kitzbühel > Pass Thurn > Felbertauernpass > Lienz über den Iselsberg ins Mölltal nach Winklern, von dort rechts abbiegen nach Stall bis Außerfragant > Flattach. Ca. 45 Minuten ab Lienz.


Mehr Infos zum Skigebiet Mölltaler Gletscher unter www.gletscher.co.at. Die aktuellen Schneehöhen auf dem Mölltaler Gletscher findet ihr hier.