Deutsch

Der Adlerweg in Osttirol: Von der Sajathütte zur Essener-Rostocker

6. Juli 2012 | Peter Freiberger

Blick auf den Großvenediger

Blick auf den Großvenediger

Copyright: Tirol Werbung/Peter Freiberger
Auf der Sajathütte angekommen, fängt es zu regnen an. Es gießt bald in Strömen. Was steht also an? Absteigen und bei besserem Wetter wiederkommen. Gesagt, getan ...

So sitze ich früh morgens im Bus, der mich von Innsbruck nach Matrei in Osttirol bringen soll. Dort wird es dann umsteigen heißen, um mit einem anderen Bus nach Prägraten am Großvenediger zu gelangen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, noch am selben Tag zur Sajathütte aufzusteigen und dann weiter hinüber zur Johannishütte zu wandern. Kurz vor Mittag treffe ich am Ausgangspunkt in Prägraten ein.

Blick auf die Sajathütte, dem Schloss über Prägraten  - © Tirol Werbung/Peter Freiberger

Blick auf die Sajathütte, dem Schloss über Prägraten

Copyright: Tirol Werbung/Peter Freiberger


Auf zum 'Schloss'

„Schloss über Prägraten“ wird die Sajathütte genannt, die einer Burg ähnelt. Vor Jahren hatte eine Lawine die alte Hütte praktisch vollständig zerstört. Beim Neubau wurde nicht gekleckert sonder richtig geklotzt. Überdimensionale Schutzhäuser mag ich zwar generell nicht besonders, ich freue mich aber auf den Komfort in der Sajathütte. Zunächst mache ich im Wald ordentlich Tempo, denn die Zeit drängt. Subjektiv gesehen bin ich ja bereits viele Stunden unterwegs, ich kann mir gar nicht vorstellen, heute noch das Ziel bei der Johannishütte zu erreichen.

Zeitdruck verleiht Flügel. Es ist meine zweite Saison auf dem Adlerweg, die Kondition passt perfekt, ich fliege beinahe nach oben. Ebenfalls subjektiv gesehen.
Ich wusste es ja, dass es sich bei dem Schutzhaus tatsächlich beinahe um ein „Schloss“ handelt. Bei dem grandiosen Wetter, das mich heute begleitet, wirkt die Sajathütte (2.575 m) freilich abermals imposanter. Egal - ich genieße den Zwischenstopp und das kühle Bier auf der Terrasse.

Majestät Großvenediger

Die Sajatscharte ist es in erster Linie, was mich von der Johannishütte im gegenüberliegenden Tal trennt. Der Steig hinauf erweist sich als steil und mühsam. Die rund 200 Höhenmeter bis nach oben kosten ordentlich Kraft. Jenseits quere ich steile Flanken und wandere über dem Johannistal einwärts. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit gilt es unbedingt mitzubringen auf dieser Etappe zwischen den beiden Hütten. Jedenfalls bietet sich ein grandioses Panorama, bei dem bald der Großvenediger, die „weltalte Majestät“ die Hauptrolle spielt. Er drängt sich im Norden unübersehbar ins Blickfeld. Eine imposante Aussicht, die sich da auftut. Ich genieße sie.

Blick auf den Großvenediger  - © Tirol Werbung/Peter Freiberger

Blick auf den Großvenediger

Copyright: Tirol Werbung/Peter Freiberger


Dann heißt es, sich davon losreißen und hinab zur Johannishütte (2.116 m). Der Kalender zeigt Hochsommer, ich komme lange vor Einbruch der Dunkelheit an. Der Hunger ist groß, die Köstlichkeiten aus der Hüttenküche munden. Die Dunkelheit lässt sich weiter Zeit.
Das will ich nützen und weiter taleinwärts Richtung Venediger gehen. Ohne Rucksack, Proviant. Einfach zum Spaß. Bloß die Natur und die grandiose Bergwelt der Venedigergruppe genießen - ohne wenn und aber.

Mutterseelenallein wandere ich dahin, regelrecht und im wahrsten Sinn des Wortes über Stock und Stein. Die kalte Gletscherwelt rückt Schritt für Schritt näher, das Bergerlebnis wird mit jedem Schritt und jeder Minute tiefer und intensiver. Der Genuss steht im Vordergrund, doch die Nacht scheint langsam aber sicher die Überhand zu bekommen. Also losreißen von dieser Szenerie und wieder zurück zur Hütte. Dort komme ich überglücklich an. Mir fällt ein, dass ich noch am Morgen in Innsbruck jenseits des Felbertauens gewesen war.

Ein Abend mit Bergfreunden

Es wird noch eine lange Nacht. Wir sitzen in der Küche, ein paar Bergführer und ich. Gesprächsthema ist der Großvenediger. Ich erfahre, wen die Bergführer bereits alles nach oben gebracht haben, höre von den Tücken und der Großartigkeit der Tour. Ich selbst war leider noch nicht oben. Aber die „weltalte Majestät“ steht für die nahe Zukunft auf dem Programm. Ich will den Großvenediger mit Sigi Hatzer, dem Chef der Venediger-Bergführer aus Prägraten machen.

Sigi fällt mir vor allem immer dann ein, wenn die Sprache auf die Essener-Rostocker-Hütte (2.207 m) kommt. Die befindet sich westlich der Johannishütte im Maurertal. Das 2.772 m hohe Türmljoch trennt die beiden Schutzhäuser. Auf dem Türmljoch war ich vor einigen Jahren mit Sigi gestanden - im Winter. Es folgte eine grandiose Firnabfahrt über steilste Flanken. Ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde. Außerdem haben wir damals ein paar Dreitausender zusammen mit den Skiern erstiegen, während wir auf der Essener-Rostocker-Hütte stationiert waren. Solche Erlebnisse verbinden.

Zu dem Schutzhaus verläuft jedenfalls die folgende Etappe in dieser Region von Osttirol. Der Steig empor zu dem Sattel zieht sich ein wenig, erst im allerletzten Abschnitt geht es zügiger und direkter hinauf. Dort oben erblickt man nicht nur eine neue Bergwelt mit abermals mächtigen Gletschern sondern auch unzählige Steinmännchen. Leider habe ich bis heute nicht recherchiert, wer die alle aufgestellt hat. Egal, ich wandere gemütlich jenseits hinunter Richtung Maurertal. Die beiden Simonyspitzen, die Dreiherrnspitze und die Gubachspitzen befinden sich vis-á-vis von mir. Erneut kehren Erinnerungen aus dem Winter zurück.

Spaziergang zum Simonysee

Ich überquere im Talboden den Maurerbach und spaziere nach Süden zur Essener-Rostocker-Hütte. Das alte, urige Steingebäude der Rostocker Hütte bildet einen Teil des AV-Stückpunkts, die neuere, angebaute Essener-Hütte, die Bergsteiger früher mit einer Kaserne verglichen, den anderen Teil. Doch keine Sorge: So schlimm wie in diesem Vergleich ist die Essener nicht. Und im Notfall könnte man immer noch hausintern zur Rostocker „flüchten“.
Die Uhr zeigt erst frühen Nachmittag, da nehme ich mir noch einen kurzen Abstecher zum Simonysee vor. Der liegt gerade einmal rund 150 Meter höher als die Essener-Rostocker, die Wanderung dorthin gleicht einem Spaziergang - selbst nach der Überquerung des Türmljochs. Ausspannen an dem Hochgebirgssee ist angesagt - freilich ohne Badevergnügen!

Bilder & Videos

Der Adlerweg in Osttirol - © Tirol Werbung/Peter Freiberger
Der Adlerweg in Osttirol - © Tirol Werbung/Peter Freiberger
Der Adlerweg in Osttirol - © Tirol Werbung/Peter Freiberger
Der Adlerweg in Osttirol - © Tirol Werbung/Peter Freiberger

Alle anzeigen



Der Abend vergeht dann rasch, das AV-Schutzhaus stellt sich als wesentlich gemütlicher heraus, als man ihm vielfach nachsagt. In meinem Zweibettzimmer, in dem ich wieder einmal allein und ohne schnarchenden Nachbar liegen darf, ruht es sich sehr angenehm. Das ist wichtig, denn am folgenden Tag habe ich mir noch einen Gipfel auf dem Adlerweg vorgenommen - das 2.749 Meter hohe Rostocker Eck.

Wieder einmal marschiere ich einsam empor, stehe völlig allein am Gipfel und umrunde schließlich absteigend den ganzen Berg, um wieder zur Essener-Rostocker zu gelangen.
Es bleibt genügend Zeit für den Abstieg durch das Maurertal nach Ströden im Virgental. Ich erinnere mich neuerlich an den Winter, als ich mit Sigi auf Skiern in der Gegend unterwegs war. Da entdecke ich sein Auto entlang des Wegs und erkenne in der Ferne ein paar Personen. Vermutlich turnt er gerade mit Bergbegeisterten in den Felsen herum.

In Ströden angekommen warte ich auf den Bus nach Matrei. Von Matrei aus will ich demnächst über die Berge Richtung Kärnten aufbrechen, wohin der Adlerweg einen kleinen Abstecher unternimmt. Einen ganz kleinen nur, zum Glück.
Heute geht es allerdings retour nach Nordtirol. Nicht über die Berge sondern unten durch. Gut, dass es den Felbertauerntunnel gibt.

Werbung

Skiinfo Ski & Schneehöhen App

Werbung

Werbung