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Etappe 1 des Adlerwegs: Kaiserlicher Auftakt

29. Mai 2012 | Peter Freiberger/bergleben.de

News Regionen: Österreich, Kitzbüheler Alpen, Tirol

Der Adlerweg führt entlang der Wände des Wilden Kaisers.

Der Adlerweg führt entlang der Wände des Wilden Kaisers.

Copyright: Tirol Werbung/Klaus Kranebitter
Für einen gebürtigen und gelernten Tiroler Oberländer spielt das Unterinntal eigentlich nur eine Nebenrolle. Und wie oft von den Bergparadiesen in dieser Gegend auch gesprochen und geschrieben wurde, als Oberländer trennte mich immer eine gewisse Distanz von den Gipfeln und Bergregionen östlich der Alpenmetropole Innsbruck. Der Wilde Kaiser mag in der allgemeinen Betrachtung tatsächlich wild und atemberaubend schön sein - mit der Oberländer Brille auf dem Kopf sieht man diese Attribute deutlich abgeschwächt ...

Die Hauptroute des Tiroler Adlerwegs, dessen Verlauf den Schwingen eines Adlers gleicht, fängt allerdings im „tiefsten“ Unterland an. So galt es für mich quasi Neuland zu entdecken. Eine reizvolle Aufgabe.

Mitte Juni, 8 Uhr früh, Treffpunkt Rummlerhof oberhalb von St. Johann. Klaus ist auch gerade angekommen. Der Fotograf begleitet mich zunächst ein paar Tage. Immer angenehm, wenn potentielle Entdecker nicht allein unterwegs sein müssen.

Unterländer Gastfreundschaft

Der Rummlerhof, ein herrlicher Bauernhof mit angeschlossenem Wirtshaus, in den Wiesen und am Rande des „Koasas“ gelegen, hat an diesem Tag eigentlich geschlossen. Der Wirt serviert uns dennoch einen Kaffee in der prächtigen Stube. Tiroler Gastfreundschaft, wie man sie nicht immer erlebt.

Die Uhr zeigt 9 Uhr. Mit allen Recherchen und Fotoarbeiten haben wir etwa sieben Stunden Gehzeit eingeplant, ehe wir das Ziel der ersten Etappe, die Gaudeamushütte erreichen würden. Bleibt also wenig Spielraum, lange mit dem Start zu warten.

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Adlerweg Tirol - © Tirol Werbung/Klaus Kranebitter
Adlerweg Tirol - © Tirol Werbung/Klaus Kranebitter
Adlerweg Tirol - © Tirol Werbung/Klaus Kranebitter
Adlerweg Tirol - © Tirol Werbung/Klaus Kranebitter

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Ein merkwürdiges Gefühl schleicht über mich beim Losgehen. Ich spüre, dass etwas ganz Neues beginnt. Ich weiß, dass ich in den nächsten Wochen und Monaten genau das machen kann, was mir besonders gut liegt, was mir besonderen Spaß bereitet: Dahinwandern, die Natur spüren. Sehen, Fühlen und entdecken, was andere womöglich gar nicht wahrnehmen. Nun wird tatsächlich mein Hobby zum Beruf. Glückspilz!

Ich vermag mir in diesen Stunden gar nicht vorzustellen, dass sich das Ende der Reise am anderen Ende Tirols befindet. Schafft man es tatsächlich, zu Fuß über Gipfel, Rücken, Wälder und Wiesen das Land zu durchqueren? In gut 30 Tagen? Mal schauen.

Wir suchen unsere Route zwischen ein paar Häusern hindurch, tauchen ein in einen wunderbaren Wald, Klaus sucht und findet die ersten Fotomotive. Ich suche hingegen die richtige Route. Manchmal mit Erfolg. Suchen, falsch gehen, wieder zurück - ein Spiel, das sich über den Sommer hinweg x-fach wiederholen sollte. Und in den Jahren darauf seine Fortsetzung erfahren wird.

Der liebliche Niederkaiser

Wir befinden uns am Niederkaiser, den man den kleinen Bruder des Wilden Kaisers nennen könnte. Lieblich scheint mir die Gegend hier. Ganz anders als in meinem eigentlichen Revier, den Stubaier oder Ötztaler Alpen. Lieblich - und sehr schön.

Unsere Route führt durch Wiesen und Wälder, eine Höhle soll der erste von mehreren markanten Punkten auf der Tour sein. So orientieren wir uns an der Bezeichnung „Diebsöfen“. Keine Sorge - wir sind auf dem richtigen und natürlich auch auf dem rechten Weg. In dem so seltsam genannten Höhlengebilde versteckten einst Schmuggler ihre „Waren“.

Klaus fotografiert mich vor der Höhle, samt meinem riesigen Rucksack. Darin befindet sich freilich ausschließlich legaler Inhalt! Der Pfad führt uns ein ganz kurzes Stück durch die Höhle hindurch. Nicht einmal für einen Klaustrophobiker ein Problem!

Menschen mit Höhenangst würden jedoch kaum die Wände hinter dem Schleierwasserfall empor klettern. Der stellt unsere nächste Zwischenstation dar. Dort lässt es sich ganz bequem zwischen Wand und Wasserfall hindurchspazieren. Nicht so einfach haben es die (toll)kühnen (Frei)kletterer. Die Huber-Buam sind leider grad nicht in der Wand. Schade. Für die wären die Routen hier freilich eher Spielwiese denn tollkühnes Abenteuer.

Auf- und ab verläuft diese erste Etappe des Adlerwegs. Klaus und ich können uns inzwischen ein wenig besser orientieren und erreichen bald wundervolle Almhütten. Wir lassen den Niederkaiser zurück und schreiten Schritt für Schritt auf den „echten“, den Wilden Kaiser zu. Ackerl- und Maukspitze zeigen sich uns.

„Endlich richtige Berge“, sage ich und lasse den 3000er-verwöhnten Oberländer durchklingen. Klaus, nicht nur Fotograf, sondern auch Bergführer sowie hervorragender Kletterer, lacht. Im Gegensatz zu mir Nichtkletterer hat er eine Ahnung, welche außergewöhnliche Herausforderungen auf Kletterer im Koasa warten.

Der Adlerweg führt entlang der Wände des Wilden Kaisers.  - © Tirol Werbung/Klaus Kranebitter

Der Adlerweg führt entlang der Wände des Wilden Kaisers.

Copyright: Tirol Werbung/Klaus Kranebitter


Am Brennenden Palven, mit knapp 1600 Metern höchster Punkt der Etappe und letzter sowie bester Aussichtspunkt vor dem Abstieg hinunter zur Gaudeamushütte, zeigen sich die Dreitausender der Hohen Tauern und der Zillertaler Alpen. Und am Brennenden Palven befindet sich auch etwas Einzigartiges für die Tiroler Berge. Der 1952 verstorbene Bergsteiger Much Wieser hat sich diesen wundervollen Platz für seine letzte Ruhestätte ausgesucht. Da würde wohl jeder in Frieden ruhen.

Der Blick vom Palven aus der Kletterwelt und den lieblichen Grasbergen der Gegend in die Welt der Eisriesen hat symbolischen Charakter für den Adlerweg. Berge und Gipfel unterschiedlichster Höhen, Gesteinsarten, Schwierigkeitsgrade warten auf den Schwingen des Adlers. Eine unglaubliche Vielfalt liegt vor mir, Langeweile wird da wohl keine aufkommen.

Wir starten den Endspurt zur Gaudeamushütte. Alle Recherchearbeiten eingerechnet, sind wir jetzt bereits deutlich länger als 6 Stunden unterwegs. Hunger und Durst treiben uns hinab, knapp vor dem Ziel stoppe ich aber jäh. Wir stehen vor der Freiberghütte. Welche Ehre für mich!

Freiberghütte und Freiberger Alm

Nur in Südtirol empfand ich einst mehr Ehre, als ich in der Freiberger Alm, mit der mich leider bloß der Name verbindet, ein Bier genoss! Klaus schießt ein Foto von mir vor der privaten Hütte für den privaten Gebrauch.

Ankunft bei der Gaudeamushütte in gut 1.200 Meter Höhe. Das AV-Schutzhaus ähnelt einem Berggasthaus für Wanderer. Klar - wir befinden uns ja in lieblichem Gelände und geringer Höhe. Die schwierigen Brocken für Alpinisten und Kletterer lauer oberhalb in den Kaiserwänden. Die interessieren uns heute nach rund 7 Stunden jedoch nur mehr aus der Ferne. Und der Adlerweg zieht von der Gaudeamushütte dann ja sowieso unterhalb der Kaiserwände nach Kufstein hinunter.

Der Auftakt hat richtig Spaß gemacht. Jetzt freue ich mich riesig auf mehr und mein „neues“ Leben im Sommer auf dem Adlerweg.


Eckdaten Etappe 1 Hauptroute:


Gehzeit: rund 5 1/2 Std.
Höhenmeter: rund 900 Hm Aufstieg, rund 450 Hm Abstieg
Entfernungskilometer: rund 9 km

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