In der ersten Folge unseres Themenspecials zum Thema Klettersteiggehen und Klettersteige haben wir zusammen mit Klettersteigpapst Eugen E. Hüsler einen Blick auf die Vergangenheit des Sports geworfen. Daneben stand im Mittelpunkt, was ein Klettersteig überhaupt ist, welche Schwierigkeitsgradskalen es gibt und wie sich die touristische Nutzung entwickelt hat. In dieser zweiten Folge wollen wir nun wichtige, praxisbezogene Themen für Klettersteiggeher behandeln - von den Sicherungsfragen, objektiven und subjektiven Gefahren bis hin zur Tourenplanung.

Die richtige Sicherungstechnik im Klettersteig

Im Einstieg in die zweite Folge klären wir die absolute Basis für Klettersteigler - die Sicherungstechnik. Die Technik der Sicherung ist relativ simpel, muss aber vom Bergsportler in einem Klettersteig ohne Nachzudenken und auch in schwierigen Situationen absolut problemlos angewendet werden können. Denn ein Fehler kann tödlich enden. Neulingen im Klettersport, die den Einstieg über das Klettersteiggehen finden möchten, empfiehlt sich daher zur Erlernung der Sicherungstechnik, des Umgangs mit der Ausrüstung und der Grundlagen ein Besuch eines Klettersteigkurses. Was euch in einem solchen Kurs, der zum Beispiel vom Deutschen Alpenverein, Bergführerbüros, der Klettersteigschule in Berchtesgaden oder wie hier im Video vom DAV Summit Club angeboten wird, erwartet, seht ihr im folgenden Clip.



Der richtige Umgang mit der Ausrüstung im Klettersteig ist sehr wichtig. Im späteren Verlauf dieser zweiten Special-Folge lest ihr, welche Ausrüstungsgegenstände ihr in jedem Fall benötigt. Und das sind mehr als der für die Sicherung im Klettersteig notwendige Klettergurt und das Klettersteigset.

Immer ein Karabiner eingeklinkt

Um euch mit eurem Klettersteigset, dass auf der einen Seite fest mit dem Klettergurt verbunden ist und am anderen Ende zwei Karabiner aufweist, am Stahlseil des Klettersteigs mit geringstmöglichen Risiko abzusichern, solltet ihr ein paar Regeln beachten. Die wichtigste erklärt Korbinian Rieser vom Bundeslehrteam des Deutschen Alpenvereins und Leiter der Klettersteigschule in Berchtesgaden: "Grundsätzlich muss ich immer sicherstellen, dass ich beide Karabiner meiner Sicherung einhänge - also dass eine Redundanz gegeben ist."

Da das Stahlseil alle paar Meter aber im Fels verankert ist, muss man sich hier zunächst aus und hinter der Verankerung wieder einklinken. Dabei sollte die Grundregel niemals verletzt werden: Erst muss der vordere Karabiner aus- und wieder eingeklinkt werden, erst wenn dieser Vorgang abgeschlossen ist, darf der zweite Karabiner aus- und wieder eingeklinkt werden. Dieses Prozedere ist auf Dauer natürlich ziemlich fordernd und nervig, wenn man alle paar Meter die Karabiner umhängen muss - ihr solltet aber, wenn auch nur eine minimale Sturzgefahr vorhanden ist, nicht darauf verzichten. Beim Umhängen solltet ihr gerade in steilen Passagen darauf achten, dass ihr einen sicheren Stand habt und nicht die Gefahr eines Sturzes besteht, wenn der erste Karabiner gerade ausgeklinkt wird.

Experte Rieser gibt die Maxime aus: "Oberste Prämisse in einem Klettersteig sollte sein, nicht zu stürzen. Gurt und Klettersteigset sollte man als Notfallausrüstung verstehen und das Klettersteiggehen nicht vergleichen mit dem Sportklettern, wo das Stürzen ins Seil einfach zum Alltag dazugehört. Beim Klettersteig sollte das nicht passieren, weil es in der Regel gefährlich ist und zu Verletzungen führen kann.“ Klar ist: Fällt man in einem Klettersteig, kann es zu tiefen Stürzen und zu harten Anschlägen an der Wand kommen. Man sollte daher Stürze auf jeden Fall vermeiden und sich an jeder Seilverankerung diese genau anschauen - schließlich hat man keine Garantie, dass die Verankerung einwandfrei gesetzt ist und einen möglichen Sturz hält. Fixpunkte oder Seile können durch Steinschlag, Wettereinflüsse und Rost beschädigt werden, daher empfiehlt es sich, die Eisenwege nicht als solche zu betrachten und zu nutzen, sondern wo es geht frei zu klettern und das Stahlseil nur als Absicherung zu nutzen. "Als Bergführer haben wir auch immer ein Seil dabei, um in schwierigen Passagen von oben sichern zu können, wenn es nötig ist", sagt Rieser und rät dies auch anderen Klettersteiglern.

Weitere Tipps zur Sicherung im Klettersteig

Für die Sicherung im Klettersteig gibt es noch weitere nützliche und wichtige Hinweise, die man beachten sollte. Vor allem die Sicherheitsausrüstung sollte man vor jeder Tour ausgiebig überprüfen: Habe ich den Gurt richtig angezogen? Ist der Klettersteigset richtig befestigt und sind alle Knoten korrekt?

Korbinian Rieser kennt das Problem, dass Klettersteiggeher manchmal unüberlegt und unvorbereitet in eine lange Tour einsteigen: "Man sollte das richtige taktische Verhalten im Klettersteig kennen. Also zum Beispiel, wie ich mich ausruhe und selbst sichere, wenn mich beispielsweise in einer steilen Leiterpassage zwischen zwei Fixpunkten die Kräfte verlassen." Dann kann man sich nämlich einfach in einer Leitersprosse bzw. Eisenstrebe klinken und kurz die Arme entspannen.

Grundsätzlich ist es ratsam, die Fallhöhe so klein wie möglich halten, ohne auf Teufel komm raus in einer unbequemen oder anstrengenden Position die Karabiner umhängen zu wollen. Auch wichtig: Immer nur ein Klettersteiggeher sollte sich zwischen zwei Sicherungspunkten befinden - ansonsten besteht die Gefahr, dass der untere bei einem Sturz mitgerissen wird und dann auf den Fixpunkt extrem hohe Kräfte wirken. Dabei sollte man auch die Falltiefe im Auge haben: Stürzt ein Kletterer, dann fällt er am letzten Fixpunkt vorbei, bevor er gebremst wird. Daher solltet ihr mit Umhängen solange warten, bis der vor euch Kletternde sich über den nächsten Sicherungspunkt einklinkt hat.

Für weitergehende Hinweise zum Sicherungsverhalten lohnt sich der Kauf eines Klettersteigratgebers, wie ihr sie zum Beispiel in unseren Buchtipps findet.


Hier geht´s weiter in der zweiten Folge des Klettersteigspecials!!