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Objektive und subjektive Gefahren im Klettersteig

20. März 2012 | bergleben.de

Objektive und subjektive Gefahren im Klettersteig- ©Eugen Hüsler

Eugen Hüsler - der Klettersteigpapst in Aktion

Copyright: Eugen Hüsler

Wer im Klettersteig unterwegs ist, der sollte sich der Gefahren bewusst sein. Vor allem im alpinen Gelände, durch das sich die meisten Vie Ferrate Richtung Gipfel schlängeln, haben Unwissende und Unvorsichtige nichts zu suchen. "Ein großer Faktor ist das Unterschätzen. Die Menschen machen sich einfach keine Gedanken darüber, was passieren kann", sagt Bergführer Korbinian Rieser. "Viele denken: 'Da ist ein Stahlseil, vielleicht ein paar Leitern - ich geh einfach hoch und fertig.' Ganz so einfach ist es aber oft nicht."

Tourenplanung beste Gefahrenvermeidung


Für Rieser steht am Anfang aller Gefahrenvermeidung die Planung: "Wichtig ist zunächst, dass man eine umfassende Tourenplanung macht. Dadurch lassen sich viele Gefahren bereits vor der Tour minimieren", sagt der Vater von zwei Söhnen. Mehr zur Tourenplanung und zur Auswahl des richtigen Klettersteigs lest ihr im folgenden Text dieser zweiten Folge. Auch Klettersteigpapst Eugen E. Hüsler kennt sich mit Gefahren in Klettersteigen ganz genau aus. "Mehr als einmal hat mich ein Gewitter zu Tode erschreckt. Und am Schafreuter wäre ich um ein Haar von einem Steinbrocken erschlagen worden - das war allerdings auf einem Wanderweg."

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Eugen Hüsler - der Klettersteigpapst - © Eugen Hüsler
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Klettern in Graubünden: Ein Tag mit Traumjobberin Andrea und Profikletterin Nina Caprez - © bergleben.de
Klettern in Graubünden: Ein Tag mit Traumjobberin Andrea und Profikletterin Nina Caprez - © bergleben.de

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Die größten Gefahrenquellen auf Tour


Für Hüsler sind Selbstüberschätzung, schlechte Ausrüstung, Wetter und Steinschlag die entscheidenden Gefahrenquellen. "Wer seine Grenzen kennt, gut ausgerüstet ist, die Wetterentwicklung beobachtet und den Helm rechtzeitig aufsetzt, kann das Risiko minimieren. Aber ganz ohne Gefahr ist keine Bergtour, so wenig wie die Fahrt ins Gebirge. Und ein Hauch von Abenteuer erhöht ja durchaus den Reiz, das wissen wird doch“, sagt der erfahrene Berggänger. Ein großes Thema ist sicherlich die Selbstüberschätzung: Oftmals wird die Schwierigkeit in Verbindung mit der Erschöpfung nach mehreren Stunden im Aufstieg unterschätzt. Wichtig ist, dass man, wenn man in einen Klettersteig einsteigt, sich 100% sicher ist: Technisch, konditionell, in Bezug auf die Ausrüstung, Verpflegung und die Gesamtsituation bin ich den Anforderungen gewachsen und habe keine Probleme, den Klettersteig bis zum Ausstieg zu bewältigen. Eine Umkehr im Klettersteig ist oftmals schwierig bis unmöglich. Nur wenn man ein Seil dabei hat und weiß, wie man sich gefahrlos abseilt, ist man auf der sicheren Seite.

Achtung: Wetterumstürze und Steinschlag


Zwei Gefahren, denen man mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert ist, sind das Wetter und Steinschlag. Unerwartete Wetterstürze kann es in den Bergen immer wieder geben, umso wichtiger ist die ausgiebige Auseinandersetzung mit der örtlichen Wettersituation. Auch Bergführer Rieser weiß: „Eine große Gefahr ist das Wetter. Wenn einen im Klettersteig ein Gewitter überrascht, ist das extrem unangenehm.“ Sollte euch aller Tourenplanung zum Trotz einmal ein Gewitter überraschen, gibt es mehrere Dinge zu beachten: Wenn möglich solltet ihr Drahtseile und Eisenleitern meiden, denn diese fungieren quasi als Blitzableiter. Auch das Verkriechen in Überhänge oder Nischen solltet ihr tunlichst unterlassen: Schlägt wirklich der Blitz ein, wirkt ihr in diesem Fall als Kurzschlussbrücke. Am besten haltet ihr die Füße zusammen, stellt euch auf eine isolierende Unterlage und hofft auf schnelles Abziehen des Gewitters. Mehr dazu, wie ihr schon bei der Tourenplanung Gewittergefahr erkennt, lest ihr im nächsten Special-Teil. Kann man das Wetter meist noch recht gut voraussagen, ist man gegen Steinschlag kaum gefeit. Ein zertifizierter Kletterhelm ist auf Klettersteigtour daher unverzichtbar, selbst wenn die Tour leicht erscheint. Sobald ihr euch im Gebirge bewegt, können jederzeit Steine von oben zu gefährlichen Waffen werden. Vor allem in gut besuchten Klettersteigen solltet ihr darauf achten, euch möglichst nicht direkt unter vorsteigenden Bergsportlern aufzuhalten - meist werden Steinschläge von Kletterern oder Tieren ausgelöst. Aber auch wenn ihr alleine am Berg unterwegs seid, sollte Blick und Gehör stets aufmerksam sein. Grundsätzlich gilt: Wer sich im Klettersteig bewegt, sollte so gut es geht dafür Sorge tragen, dass er keine Steine löst und unaufmerksam Steinschlag hervorruft.

Klettersteige sind nicht immer gut gewartet

 

Wir haben schon angedeutet, dass man sich in Klettersteigen nicht blindlings auf das Sicherungsseil verlassen sollte. Es kommt schon mal vor, dass Seilklemmen defekt oder durchgerostet sind, Klebeband rostige und poröse Stellen überdeckt oder Gewindeenden hervorstehen. Solltet ihr schon beim Einstieg feststellen, dass die Sicherungen oder Seil nicht gut gewartet aussehen, könnt ihr davon ausgehen, dass es im weiteren Verlauf nicht gerade besser wird - und euch gut überlegen, ob ihr das Risiko wagen wollt. Manchmal kann eine frühzeitige Umkehr bei einem unguten Gefühl euch das Leben retten.

 

Hier geht´s weiter in der zweiten Folge des Klettersteigspecials!!

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