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Tipps zur Tourenplanung: Welcher ist der richtige Klettersteig für mich?

20. März 2012 | bergleben.de

Tipps zur Tourenplanung: Welcher ist der richtige Klettersteig für mich? - ©bergleben.de

Blick auf den Einstieg des Klettersteigs Sulzfluh

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Vor dem Start auf die Klettersteigtour solltet ihr euch gut vorbereiten. Dazu gehört eine ausgiebige Tourenplanung und Recherche - wie ihr die richtige Tour auswählt und was ihr im Vorlauf beachten solltet, lest ihr hier.

Die Wahl des Klettersteigs

 

"Das Ziel, was ich auswähle, sollte meinen Fähigkeiten auf jeden Fall entsprechen. Man darf sich und seine Fähigkeiten nicht überschätzen. Man muss wissen, wie lang die Tour ist, wie schwer sie ist, wie lang der Zustieg ist, wie man wieder runter kommt", sagt Korbinian Rieser, Bergführer und Leiter der Klettersteigschule in Berchtesgaden. Viele wichtige Punkte hat Rieser damit schon angesprochen.

Die Selbstüberschätzung als Gefahrenquelle haben wir schon im vorangegangenen Teil thematisiert. Schon bei der Tourenplanung sollte man also seinen persönlichen Fitnesszustand, gesundheitliche Einschränkungen, allgemeine psychische und physische Verfassung sowie die technischen Fähigkeiten mit den Anforderungen der geplanten Tour abgleichen. Dabei sollte man als Anfänger natürlich nicht direkt in einen als schwer bewerteten Klettersteig einsteigen - selbst dann nicht, wenn man vielleicht ein guter Sportkletterer ist, mit langen Bergtouren aber wenig Erfahrung hat. Insbesondere die konditionellen Anforderungen gilt es nämlich zu beachten: Bin ich in der Lage, über mehrere Stunden konstant zu klettern? Ermüde ich vielleicht nach einer Stunde? Dann ist ein kurzer Klettersteig die bessere Wahl als ein anspruchsvoller Steig über viele hundert Höhenmeter. Für die Bewertung des Klettersteigs und potentiellen Gefahrenquellen solltet ihr euch zudem einen Klettersteigführer zulegen, Tourenbeschreibungen in Fachmagazinen oder auf Online-Plattformen studieren, eine topografische Zeichnung des Steigs vorliegen haben oder Kartenmaterial ansehen - je mehr Informationen ihr sammeln könnt, desto besser seit ihr vor Ort vorbereitet.

Bilder & Videos

Klettern in Graubünden: Ein Tag mit Traumjobberin Andrea und Profikletterin Nina Caprez - © bergleben.de
Hindelanger Klettersteig - © flickr_nikolay kuebler
Klettersteig Mittenwald - © R. Pohmann
Impressionen vom Klettersteig Flims - © Weisse Arena Gruppe

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Wetterverhältnisse checken!


Hat man ein passendes Ziel gewählt, weiß Bescheid, wie lang der Steig ist und wie lange man im Normalfall für Zustieg, Durchstieg und Abstieg benötigt, steht die unmittelbare Tourenplanung bevor. Dazu zählt neben der Kenntnis von alternativen Ausstiegsmöglichkeiten, schwierigen Stellen sowie markanten Wegpunkten (Kontrolle der Zeitplanung!) auch die ausführliche Information über die Wetterverhältnisse am Tourtag. Korbinian Rieser erklärt, worauf es ankommt: "Das Wetter muss natürlich passen! Gerade jetzt im Frühling muss man schauen, wie es mit dem Schnee aussieht. Manche Bergsportler meinen, im Frühling mal schnell einen Klettersteig gehen zu können - und plötzlich stehen sie im Schnee. Auch die Exposition sollte man kennen, also in welche Himmelsrichtung der Klettersteig ausgerichtet ist. Im Sommer kann es zum Beispiel sein, dass man in einer Südwand bei 30 Grad im Schatten hängt, das kann dann auch unangenehm werden." Wichtig: Besorgt euch einen zuverlässigen örtlichen Wetterbericht und überprüft mit den heutigen technischen Möglichkeiten (zum Beispiel mit internetfähigen Handys) direkt vor dem Einstieg in den Steig erneut die aktuellen Informationen. Dabei ist auch die richtige Interpretation des Berichts wichtig - wenn ihr mit den spezifischen Ausdrücken nichts anfangen könnt, lasst euch diese am besten von Bergführern in einem Kurs erklären. Auch die Natur gibt Hinweise auf eine mögliche Wetterverschlechterung. „Wenn man einen Höhenmesser dabei hat, sollte man abends und morgens einen Blick darauf werfen“, empfiehlt Bergwanderführerin Steffi Adler. „Steigt die Anzeige über Nacht deutlich an (um ca. 30 Höhenmeter), ist der Luftdruck gefallen, was auf eine Kaltfront und schlechtes Wetter hindeutet.“ Dies gilt es bei der Tourenplanung zu beachten. Andere Warnzeichen der Natur sind ein besonders starkes Morgenrot und die typischen Ambosswolken: Türmen sich die Wolken nach oben und breiten sie sich an der Spitze ähnlich wie ein Amboss aus, deutet das auf ein drohendes Gewitter hin. Auch die auseinander gezogenen Zirruswolken (Federwolken) sind Anzeichen für kommendes schlechtes Wetter.

Eventualitäten einplanen


Bei der Tourenplanung werden oft Fehler gemacht. So gehen viele Bergsportler bei der Planung vom bestmöglichen Fall aus: Sonnenschein, gute Verhältnisse, topfitte Tourteilnehmer, beste Sicherung, keine Unfälle. Das ist ein Fehler, der später am Berg zu großen Schwierigkeiten führen kann. Ihr solltet im Vorlauf nicht unbedingt den Teufel an die Wand malen und immer vom Schlimmsten ausgehen, aber potentielle Verzögerungen großzügig einplanen: Pausen im Steig, Verletzungen, Regen, Stau oder entgegenkommende Gruppen - all das kann viel Zeit kosten und euren Zeitplan durcheinanderbringen. Plant daher immer mehrere Stunden Zeitpuffer ein und startet auf eine nominell achtstündige Tour nicht erst um 11 Uhr. Denn das kann verheerende Folgen haben.

Welche Ausrüstung ihr auf eurer Tour mitführen solltet, wie man mit Kindern im Klettersteig umgeht, Grundlagen zur Geh- & Klettertechnik und Tipps zum Verhalten in Notsituationen - das sind die Themen im dritten Teil unseres Klettersteig-Specials. Freut euch drauf!

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