Die beste Möglichkeit, Notfälle auf der Klettersteigtour zu vermeiden, ist die ausgiebige Tourenplanung. Doch ganz ohne Gefahren bewegt man sich im Gebirge nie. Was macht man also im Notfall?

Sturz, Verletzung, Steinschlag

Vor einer Verletzung, einem Sturz oder gar einem Steinschlag ist man nie 100%ig gefeit - auch wenn man gut plant und konzentriert ist. Ausgerutscht und umgeknickt, Halt verloren und unglücklich gegen den Fels geprallt, einen Stein am Oberkörper abbekommen - das kann leider passieren. Aber was tun, wenn man sich 200 Meter über dem Einstieg und 200 Meter unter dem Ausstieg befindet? Gut vorbereitete Klettersteiggeher haben zur Erstversorgung ein Erste-Hilfe-Paket dabei sowie ein Seil und das nötige Abseil-Know-How parat, können sich und den Verletzten schnell abseilen und die Bergrettung alarmieren, die den Verunglückten am Einstieg entgegen nimmt. Die wichtigste Notrufnummer ist die 112, die in allen europäischen Ländern gültig ist. Alle Nummern findet ihr hier: http://www.alpenverein.de/dav-services/alpine-auskunft. Beim Notruf sind folgende Angaben wichtig:
1. Was ist passiert?
2. Wo ist es passiert?
3. Wer meldet?
4. Wann ist es passiert?
5. Warten auf Rückfragen
6. Das Wetter kommt als wichtiger Faktor noch hinzu.

Solltet ihr mit dem Handy kein Empfang haben (Tipp: Nehmt ein empfangsstarkes Gerät mit auf Tour!), versucht ihr am besten, das Handy auszuschalten, wieder anzumachen und anstatt der Pin-Eingabe direkt die 112 zu wählen. In Österreich ist es Rettungsorganisationen im Notfall gestattet, sich an den Mobilfunkbetreiber zur Feststellung des Standortes zu wenden - deswegen hier: Handy unbedingt eingeschaltet lassen. Gelingt es euch nicht, einen Notruf abzusetzen, müsst ihr auf das Alpine Notsignal zurückgreifen: Bergsteiger, die Hilfe benötigen, geben innerhalb einer Minute sechsmal in regelmäßigen Abständen ein sichtbares oder akustisches Zeichen. Nach einer Pause von einer Minute wird der Vorgang wiederholt. Die "Retter" antworten, indem sie innerhalb einer Minute dreimal in regelmäßigen Abständen ein entsprechendes sichtbares oder akustisches Zeichen zurückgeben.

Wettersturz und Gewitter

Es sollte und darf euch eigentlich bei einer ausreichenden Tourenplanung nicht passieren, man hört es jedoch immer wieder: Überraschende Wetterstürze, Gewitter oder jede Menge Schnee bringen Klettersteig-Geher in akute Notsituationen. Gerade im Hochgebirge sollten sich Sportler bewusst sein, dass auch im Frühsommer noch Schnee liegen und das Wetter sehr wechselhaft sein kann. Werdet ihr von einem Wettersturz überrascht, bleibt euch meist nichts anderes übrig, als den Regenguss oder gar Schneeschauer auszusitzen. Verkriecht euch so gut es geht (nicht bei Gewitter!), haltet euch gegenseitig warm und brecht so schnell es geht wieder auf. Ist dies nicht möglich, kann auch ein Biwak notwendig werden - daher gilt gerade bei einer Tour bei wolkigem Wetter die Maxime der guten Vorbereitung und Ausrüstung mit zusätzlicher Bekleidung, Biwaksack, Trinken und Essen in ausreichender Menge, ggf. Stirnlampe.

Bei einem Gewitter solltet ihr Kardinafehler vermeiden: Wenn möglich müsst ihr euch vom Stahlseil entfernen, dürft euch aber nicht in einer Spalte oder Nische verkriechen - es besteht die Gefahr, dass ihr zur Kurzschlussbrücke werdet. Ein Blitz sucht sich die kürzeste Strecke vom Einschlagpunkt zur Erde. Ein Mensch wird dabei in einem Höhleneingang oder einer Felsnische schnell zum elektrischen Leiter, den der Blitz zum Überspringen dieser Strecke nutzt. Die sicherste Position bei einem Gewitter ist im sogenannten Schattendreieck. Hierbei handelt es sich um ein gedachtes Dreieck von etwa 15 Meter Seitenlänge, angefangen etwa zwei Meter von der Felswand entfernt. Wer in diesem Bereich steht oder sitzt, der verringert die Gefahr, dass ein Blitz ihn streift. Die Grundregel aber lautet: Spricht der Wetterbericht von möglichen Gewittern, blast die Klettersteigtour ab!

Viele sinnvolle Hinweise zur Sicherheit in den Bergen, Sofortmaßnahmen und vieles mehr findet ihr auch in unserem Themenspecial "Sicherheit"!