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Tourentipp für Klettersteigfans: Der Eisenweg auf den Sulzfluh im Rätikon

1. Oktober 2012 | bergleben.de

News Regionen: Graubünden, Schweiz, Davos Klosters, Graubünden

Tourentipp für Klettersteigfans: Der Eisenweg auf den Sulzfluh im Rätikon- ©bergleben.de/Sebastian Lindemeyer

Abstieg auf der Nordseite des Sulzfluh. Von hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Entweder wählt man den direkten Weg nach Partnun (ca. 2 Std.), läuft über die Tilisunahütte (3 bis 3,5Std.) zum Ausgangspunkt oder wählt den Weg in die Lindauer Hütte, die wie

Copyright: bergleben.de/Sebastian Lindemeyer
Wer nach Mitte September in die hochgelegenen Alpen fährt, um dort einen Klettersteig zu gehen, der muss etwas Glück haben. Vor allem, wenn der Steig bis auf über 2.800 Meter hinauf geht. Unser Autor hatte das Glück. Bei seinem Trip nach Graubünden in die Schweiz erlebte er einen Bergsporttag der Superlative.

Spätsommer im Rätikon

Die Bedingungen hätten kaum besser sein können am Sulzfluh in der spektakulären Gebirgskette des Rätikons. Als wir am Abend vor unserer beeindruckenden Tagestour in das Tal einfahren, unser Auto hinauf durch St. Antönien bis nach Partnun quälen und vor dem Gasthaus Sulzfluh Halt machen, begrüßt uns bestes Spätsommerwetter. Früh finden wir uns nach einem sehr leckeren abendlichen Mahl in der urgemütlichen Stube des Gasthauses von Ernst Flütsch in unseren Betten ein. Aber nicht ohne dem unglaublichen Sternenhimmel eines langen Blickes gewürdigt zu haben - schon der Anblick dieses Naturschauspiels entschädigt für die lange Anreise aus dem Westen Deutschlands. Denn dort bekommt man selbst in der dunkelsten Gegend solch eine Präsenz der unzähligen Sterne unseres Universums nicht geboten.

Idyllisch führt der Weg zum Einstieg des Sulzfluh Klettersteigs. Von hier sind es noch etwa 30min zum Beginn der Kletterei.  - © bergleben.de/Sebastian Lindemeyer

Idyllisch führt der Weg zum Einstieg des Sulzfluh Klettersteigs. Von hier sind es noch etwa 30min zum Beginn der Kletterei.

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Steil hinauf zum Einstieg

Am Morgen brechen wir früh auf. Um halb neun sind wir auf dem Weg zum Einstieg des Sulzfluh Klettersteigs. Spät im September zeichnet sich keine Wolke am Himmel ab und auch wenn es noch sehr frisch ist, wissen wir, dass uns ein toller Tag erwartet. Von Partnun aus geht es vorbei am Gasthof "Alpenrösli" steil hinauf in Richtung Rätikon - der Weg ist nicht zu verfehlen, er ist gut beschildert. Und schließlich überragt die beindruckende Südwand des Sulzfluh das gesamte Tal. Eineinhalb Stunden soll der Weg bis zum Klettersteig dauern. Für Tagesgäste, die auf einem tiefer liegenden Parkplatz parken müssen, etwa eine Viertelstunde länger. Gemütlichen Schrittes, am Anfang einer doch recht langen Tour sollte man Kraft sparen, haben wir nach etwa 80 Minuten die knapp 500 Höhenmeter zum Einstieg zurückgelegt. Die letzten 100 Höhenmeter geht es dabei in steilen Serpentinen über ein Geröllfeld - eine anstrengende Angelegenheit. Die Sonne heizt uns langsam richtig ein und nach einer gemütlichen Rast und dem Anlegen des Sicherungsequipments geht es dann endlich los.

Die letzten Höhenmeter verlaufen über ein Geröllfeld - und dann hat man nach etwa einer bis eineinhalb Stunden den Einstieg erreicht  - © bergleben.de/Sebastian Lindemeyer

Die letzten Höhenmeter verlaufen über ein Geröllfeld - und dann hat man nach etwa einer bis eineinhalb Stunden den Einstieg erreicht

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Pausieren auf dem Bänkli

Als wir die recht schwierige Anfangssequenz überwunden, die Einstiegswand und den Obelixquergang hinter uns gelassen haben, ist der technisch anspruchsvollste Part schon bewältigt. Es wird nach oben zwar nicht viel leichter, aber auch nicht schwerer. Unter uns machen sich einige weitere Klettersteigler bereit für den Einstieg - jedes Jahr bringt es der Sulzfluh Klettersteig auf geschätzte 3000 Begehungen, obwohl er wegen der Höhe nur wenige Monate im Jahr gut begehbar ist. Wir aber haben ein perfekten Tag erwischt und steigen den wenigen Seilschaften hinter uns voraus. Griffiges Gestein, perfekte Absicherung, Schwierigkeiten im Rahmen von C-D in der Hüsler-Skala, wenig loses Gestein und eine Ausgesetztheit und Aussicht, die es so nicht in vielen Klettersteigen zu erleben gibt - wir sind begeistert vom Klettern am Sulzfluh. Nach einer knappen Stunde ist für uns Halbzeit: Die Erbauer des 2005 eröffneten Klettersteig-Juwels der Region haben auf etwa der Hälfte des Steigs ein Bänkli platziert - der perfekte Ort, um sich von der Kletterei zu erholen und das tolle Panorama zu genießen. Wir lassen drei sportlich-ambitionierte Kletterer vorbeiziehen und und unseren Blick schweifen. Hetzen wollen wir uns nicht, zu schön ist das Wetter und die Zeit droht auch nicht knapp zu werden.
Quergang im Klettersteig Sulzfluh  - © bergleben.de/Sebastian Lindemeyer

Quergang im Klettersteig Sulzfluh

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Gipfelglück und Fernsichterlebnis

Vom Bänkli sehen wir die drei Überholenden weiterziehen. Es geht nun nach einem langen Quergang nach links über viele Leitern und Tritte durch fast senkrechtes Gelände. Bevor wir weitere Bergsportler vorbeiziehen lassen müssen, brechen wir wieder auf. Allzu entspannt sollte man sich hier im alpinen Gelände nicht geben, schließlich steht nach der Ankunft am Gipfel auch noch ein längerer Abstieg auf dem Programm und die Gefahren in Vie Ferrate sollte man nie aus dem Gedächtnis verlieren. Wir überwinden die langen vertikalen Abschnitte, lassen Deichmann-Steg, Klagemauer, den Spendensammelkasten zur Erhaltung des Steigs und die Leiter-Brücke hinter uns und stehen nach circa zwei Stunden (normal: 2,5 Stunden) am Gipfelkreuz des 2.817 Meter hohen Sulzfluh. Ein großes, schwarzes Gipfelkreuz ziert den breiten Gipfel, den wir uns mit ein paar Wanderern teilen. Denn den Gipfel kann man auch von Norden, der österreichischen Lindauer Hütte oder der Tilisunahütte, erreichen. Vorbei an den Steinhaufen am höchsten Punkt des Sulzfluh blickt man von hier auf ein fantastischen Bergpanorama und die südschweizerischen und italienischen Alpen.

Abstieg auf der Nordseite des Sulzfluh. Von hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Entweder wählt man den direkten Weg nach Partnun (ca. 2 Std.), läuft über die Tilisunahütte (3 bis 3,5Std.) zum Ausgangspunkt oder wählt den Weg in die Lindauer Hütte, die wie  - © bergleben.de/Sebastian Lindemeyer

Abstieg auf der Nordseite des Sulzfluh. Von hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Entweder wählt man den direkten Weg nach Partnun (ca. 2 Std.), läuft über die Tilisunahütte (3 bis 3,5Std.) zum Ausgangspunkt oder wählt den Weg in die Lindauer Hütte, die wie

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Unaufmerksam unterwegs

Nach einer halben Stunden brechen wir auf in Richtung Tilisunahütte, sind aber auf dem eigentlich gut markierten Weg zu unaufmerksam und verpassen den richtigen Abzweig. Denn nachdem wir durch die Schneereste auf der Nordseite des Sulzfluh gestapft sind, hätten wir uns etwas links halten müssen, anstatt dem Grat weiter zu folgen. So befinden wir uns irgendwann zwischen dem direkten Weg zum Partnunsee und zur Tilisunahütte und irren etwas orientierungslos umher. Doch zum Glück ist das Wetter perfekt, es ist noch früh und somit haben wir genug Zeit, uns über loses Geröll den Weg auf den nächsten Pfad zu suchen. Den finden wir auch bald und steigen über sehr steiles Gelände die Flanke hinab in Richtung Partnunsee.

Panorama im Rätikon: Unten rechts leuchtet der Partnunsee  - © bergleben.de/Sebastian Lindemeyer

Panorama im Rätikon: Unten rechts leuchtet der Partnunsee

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Höhlenerlebnis am Sulzfluh

Doch bevor wir den kleinen und eiskalten See erreichen, machen wir noch einen Abstecher. Am Sulzfluh lassen sich nämlich viele Höhlen entdecken - zum Teil reichen sie mehrere Kilometer in die Gebirgskette hinein! Sie zählen zu den längsten und tiefsten Höhlen der Alpen und sind Anlaufstelle für Höhlenforscher. In den 90er-Jahren fand man hier sogar Reste von großen Höhlenbären, die 1000 Kilo und mehr wogen - so erzählt es uns später Ernst Flütsch. Wir haben zum Glück eine Stirnlampe dabei und wagen uns etwa 100 Meter in eine Höhle hinein, in der es nasskalt, natürlich stockfinster und bedrückend ist. Ein spannendes Erlebnis ist eine kurze Wanderung durch die vom Wasser ausgehöhlten Stollen allemal, ich bin aber doch froh als wir wieder das Tageslicht erreichen und die letzten Höhenmeter hinab zum Partnunsee zurücklegen können. Um drei Uhr am Nachmittag halten wir unsere beanspruchten Füße in den See und lassen den Tourtag gemütlich am Seeufer ausklingen. Am Gasthaus Sulzfluh genehmigen wir uns, nachdem wir auch die letzte Viertelstunde Weg hinter uns haben, noch ein kühles Getränk und ein unterhaltsames Gespräch mit Wirt Ernst Flütsch, bevor wir dem Rätikon den Rücken zukehren und von dannen ziehen. "Was für ein Tag, was für eine tolle Tour", denke ich mir, als wir das Auto erreichen. Das wird nicht der letzte Besuch hier gewesen sein - eine unglaubliche Bergkette, nette Menschen, leckeres Essen, was will man mehr?

Informationen:

- Anfahrt: Von Bregenz bis nach Landquart, dort Richtung Davos/Klosters, in Küblis am Bahnhof links in Richtung St. Antönien, ca. 15km bis nach Partnun, Parkplätze ausgeschildert und kostenpflichtig! Von hier ca. 1,5 Stunden zum Einstieg Klettersteig
- Unterkünfte:
Berghaus Alpenrösli; Andreas Klötzli / F. Dumont, CH-7246 St. Antönien; Tel. +41 81 332 12 18
www.sulzfluh.ch/
Berghaus Sulzfluh; E. Flütsch / K. Meier, CH-7246 St. Antönien, Tel. +41 (0)81 332 12 13; www.sulzfluh.ch/
- Klettersteig: Höhe Einstieg 2360 m.ü.M; Höhe Gipfel 2817 m.ü.M; Höhendifferenz ca. 450 m; Klettersteiglänge ca. 750 m; Begehungszeit Klettersteig ca. 2 1/2 Std.; Schwierigkeitsgrad: Einige Stellen D, meist C; Wandexposition: Süd, Südost; Abstieg mind. 2,5 Stunden
- Mehr Infos unter www.klettersteigsulzfluh.ch/


Sebastian Lindemeyer

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