Dr. Arne Göring ist Trendsportwissenschaftler an der Universität Göttingen und stellvertrender Leiter des Hochschulsports. Der begeisterte Kletterer und Outdoorsportler hat in seiner Dissertation das Thema "Risikosport" untersucht und die Trends im Sport lange beobachtet. Mountains2b sprach mit dem Experten über die Entwicklung des Slackline-Sports.

Das Interview:

Mountains2b: Herr Dr. Göring, warum ist Slacklinen zur Zeit so "trendy"?
Dr. Arne Göring: Das Besondere am Slacklinen ist, dass das Sportgerät leicht transportiert und aufgebaut werden kann. Die Slackliner sind also sehr mobil. Man kann zum Beispiel am Abend während des Sonnenuntergangs schnell die Slackline aufbauen und sich damit beschäftigen, oder das Sportgerät mit einer Gruppe im Park nutzen. Zudem ist es als relativ billige Trainingsform für Kletterer, die häufig darauf warten müssen, das die Wand wieder frei wird, sehr beliebt.



Mountains2b: Was ist das Besondere am Slackline?
Dr. Arne Göring: Das Slacklinen ist aus Sicht des Sportwissenschaftlers eine gute Übung, um das Koordinationsvermögen zu schulen. Insbesondere wird das Gleichgewicht, die Differenzierungsfähigkeit und auch eine spezielle Form der Reaktionsfähigkeit gefördert.
Außerdem entwickelt sich die Sportart immer weiter - hin zur Virtuosität. Es ist nicht mehr nur ein reines Gehen auf dem Band, sondern wie bei den meisten Trendsportarten eine Art Selbstverwirklichung in Form von Tricks und Styles. Durch die verschiedenen Slackline-Disziplinen wie High Line, Low Line oder Long Distance Line ist auch die für Trends typische Extremisierung und Abgrenzung der Trendsetter zu beobachten.

Mountains2b: Wird die Sportart bald den nächsten Schritt gehen - vom Trend zum etablierten, in die Sportlandschaft integrierten Sport?
Dr. Arne Göring: Da bin ich etwas skeptisch, denn das Slacklinen ist sehr anspruchsvoll und schwierig zu erlernen. Der "Otto-Normal-Sportler" tut sich schwer, sich überhaupt auf der Slackline zu halten. Das ist natürlich ein Problem, das ein Hindernis beim Zugang zu der breiten Masse darstellt. Allerdings ist die Etablierung im Schulsport als koordinative Einheit oder die Steigerung der Popularität durch die neuen Medien, beispielsweise in Form von Videos im Internet, durchaus vorstellbar.

Mountains2b: Vielen Dank für das Gespräch!