Die zweite Folge unseres Specials über die Trendsportart Slacklinen setzt sich mit dem Thema Material auseinander. Was braucht man für diesen Sport, aus welchem Stoff sind die Slacklines gemacht und wie teuer ist die Anschaffung? Diese Fragen werden hier beantwortet!

"Was brauche ich zum Slacklinen?"

Aus der ersten Folge des Themenspecials wissen wir schon, dass man beim Slacklinen auf einem straff gespannten Band balanciert. Eine Slackline wird meistens zwischen zwei Bäumen aufgebaut und besteht aus wenigen Einzelteilen: das Wichtigste ist natürlich die Slackline selbst. Diese wird mit Karabinern oder Schäkel und speziellen Baumschlingen an den Bäumen (mindestens 20 Zentimeter Durchmesser) befestigt und mit einem Spannsystem (Ratsche oder Flaschenzug) auf die gewünschte Spannung gebracht.

Die Slackline

Unter Slacklinern gilt der Satz: "Jede Slackline ist anders"! Die Bänder unterscheiden sich in Durchhang (slack),
Elastizität (flex), Schwingungsverhalten (swing) und Oberflächenbeschaffenheit (grip). Diese Kenngrößen werden freilich dem Anfänger nicht unmittelbar bewusst. Je länger man sich mit dem Sport auseinandersetzt, desto eher lassen sich vor und Nachteile von den verschiedenen Materialien benennen und einordnen.

Es gibt grundsätzlich zwei Typen von Slacklines: Das Schlauchband und das Flachband! Zudem gibt es noch Sonderformen wie die "verdoppelte Leine", die aber hier nicht relevant werden.

Das Schlauchband

Das Schlauchband ist nicht so breit wie das Flachband und ein aus Polyamidfäden gewebtes flaches Band. Es ist dem Klettersport entliehen und die Originalform der Slackline. Das Schlauchband bietet aufgrund seiner Elastizität ein besseres Bewegungsgefühl als das Flachband. Durch die Dehnungseigenschaften (9 - 15 % Gebrauchsehnung) ist das wippen und schwingen leichter als beim Flachband, zudem stellt sich das Slacklinegefühl eher ein, da man tiefer durchhängt. Problem: Ab 25 Meter Länge muss das Schlauchband unter enorme Spannung gesetzt werden, weil man sonst in der Mitte durchhängt. Das kann gefährlich werden: Wenn die Leine zu straff gespannt wird und reißt, wird sie zur Peitsche, die schwere Verletzungen hervorrufen kann.

Das Flachband

Das Flachband ist aufgrund seiner geringeren Dehnungseigenschaft (2-4 %) leichter zu spannen als das Schlauchband. Zudem ist die Verletzungsgefahr geringer. Mit dem Flachband kann man sowohl besonders hart gespannte Sprungleinen als auch sehr lange "longlines" aufbauen.
Allerdings fühlen sich Flachbänder härter am Fuß an und reagieren etwas nervöser. Weil sie weniger Energie aufnehmen können, wackeln sie vor allem bei kurzen Leinen mit sehr hoher Frequenz, was zum Balancieren nicht so angenehm ist.

Die verschiedenen Spannsysteme

Um eine Slackline richtig nutzen zu können, muss man sie so spannen, dass sie nicht zu straff und nicht zu locker ist. Das kann man mit mehreren Spannverfahren erreichen. Die gängigsten sind Flaschenzugsysteme mit Band und Ratschensysteme.
Das Wichtigste bei den Spannmechanismen ist die Bedienerfreundlichkeit, die Sicherheit und die dauerhafte Haltbarkeit. Ein Spannen soll mit geringem Kraftaufwand möglich sein und das System darf auf gar keinen Fall nachgeben oder gar brechen und somit das Verletzungsrisiko erhöhen.

Flaschenzug

Der Ellington-Flaschenzug wurde beim Slacklinen nach dem Erfinder der Sportart, Jeff Ellington, benannt. Es ist eine der zwei gängigen Flaschenzugarten, die beim Slacklinen genutzt werden. Die Vorteile beim Flaschenzug (egal ob man
den Ellington-Flaschenzug, der mit einem zusätzlichen Karabiner und einem Kettenglied auskommt, oder den externen Flaschenzug mit Band nutzt) liegen darin, dass man längere Slacklines als mit einem Ratschensystem spannen kann, da die Muskelkraft durch das System besser genutzt werden kann. Zudem geht man auf der "reinen Slackline" - das heißt, dass die Schwingungseigenschaften nicht durch eine schwere Ratsche beeinflusst werden.

Ratschensystem

Alle kommerziellen Sets beinhalten Ratschen aus dem Industriebereich, wie sie bei Spanngurten benutzt werden. Zusätzlich zur oben beschriebenen Standardausrüstung benötigt man hier nur noch die Ratsche, die meist eine textile Schlaufe eingenäht hat. Die Anwendung ist relativ simpel: man fädelt die Leine bis zum Anschlag durch die Schlitzwelle und zieht erst per Hand so fest es geht. Dann beginnt man mit Ratschbewegungen die Leine zu spannen.
Bei Flachbändern funktioniert das Ratschensystem recht gut, auch mehrmaliges Nachspannen geht problemlos, wobei Schlauchbänder durch Ratschen nicht optimal gespannt werden können, da sie zu dehnungsfähig sind. Wichtig: Die Ratsche sollte genau auf die Breite des Bandes passen, da sonst die Leine schief gewickelt werden kann und an den Kanten beschädigt wird.

Ein spannendes Interview zum Thema Material lesen Sie hier.

Vieles mehr über die Trendsportart Slackline finden Sie auch auf der Internetseite www.alpinstil.de!

Quellen:
- Andreas Kroiß: "Der Trendsport Slackline und seine
Anwendungsmöglichkeiten im Schulsport", 2006
- www.wikipedia.de
- www.slackliner.de