Michael Siegmund ist 27 Jahre alt, studiert Sport mit dem Schwerpunkt Training und Leistung an der Sporthochschule Köln und hat es mit seinem Hobby, dem Slacklinen, bis in die Sendung Wetten dass...? geschafft. Mountains2b sprach mit dem begeisterten Kletterer und Parkour-Sportler, der nach seinem Studium eine Ausbildung zum Stuntman machen möchte, über das Slacklinen und seinen Auftritt bei Deutschlands größter Fernsehshow.

Mountains2b.com: Wie bist du zum Slacklinen gekommen?
Michael Siegmund: Ich habe mit einer Freundin mit dem Sportklettern begonnen und in einen Magazin ein Bild von einer Kletterin gesehen, die auf einem Seil balancierte. Da kam mein Ehrgeiz und sagte: was die kann, kann ich auch!
Ich hatte damals noch keine Ahnung, dass es Slacklinen als Sport gibt, ich wollte nur auf nem Seil laufen können. Also habe ich mir zwei Schwerlastanker in mein WG-Zimmer gebohrt und ein Statikseil mit einem aus Klettermaterial gebasteltem Flaschenzug gespannt. So hatte ich meine erste, wenn auch nur knapp drei Meter lange Line.

Mountains2b.com: Wie entstand die Idee, sich bei "Wetten dass...?" zu bewerben?
Michael Siegmund: Die kurze Line im Zimmer blieb für mich immer ein beliebtes Trainingsmittel. Irgendwann habe ich mich abends auf dem Seil mal ausgezogen und da kam mir der Gedanke ob das nicht vielleicht was für "Wetten dass..?" wäre. Also habe ich die Idee entwickelt, die Line quasi als Wäscheleine zu nehmen und mich drauf anzuziehen. Erst als ich so etwa jeden zweiten Versuch geschafft hatte, habe ich es auf Video gebannt und an das ZDF geschickt. Es kam auch relativ bald ein Anruf man würde das durchaus nehmen, wolle sich das aber vorher noch mal live ansehen. In meinem Schwimmverein habe ich es dann einer Frau von "Wetten dass..?" erfolgreich vorgeführt. Die zeigte sich recht beeindruckt und sagte mir mündlich bereits zu. Ein paar Tage später kam dann aber schriftlich eine Absage,

Mountains2b.com: Wie kam es dann trotzdem zu dem Auftritt?
Michael Siegmund: Ich hatte meine Enttäuschung schon fast wieder überwunden als ich Anfang März 2006 einen Anruf bekam, ob ich in der nächsten Sendung am 1. April doch kommen könnte. Vollkommen baff sagte ich zu. Bereits Mittwoch vor der Sendung reiste ich nach Halle (Saale) und der Weg ging vom Flughafen direkt in die Halle, um mein Set zu begutachten. Der Bühnenbauer hatte saubere Arbeit geleistet. Da stand ein auf Rollen gelagertes Stahlgerüst mit ner Slackline zwischen zwei Türmchen und dicken Matten drunter. Eine neue Erfahrung für mich, weil ich vorher noch nie auf dieser Höhe von über zwei Metern gelaufen war.

Mountains2b.com: Wie war die Sendung für dich?
Michael Siegmund: Erstmal muss ich anmerken, das ich bei den zahlreichen Proben, die ich machen konnte, es nur zweimal geschafft habe, mich komplett anzuziehen. Die letzten Stunden vor der Sendung habe ich mit Yoga und Meditation verbracht, um die Nervosität abzulegen. Mit Erfolg! Ich war so konzentriert, dass ich nicht ein Stück nervös war. Ich habe zwar alles um mich herum wahrgenommen aber nur gedämpft. Als ich auf dem Seil stand, war ich wie in Trance. Ich habe nichts um mich herum gehört oder gesehen außer meinem Fixpunkt. Erst als ich die Hose anhatte waren meine Sinne auch wieder bei allem um mich herum. Richtig realisiert, was da gerade abgegangen ist, dass ich gerade meine Wette bei "Wetten dass..?" gewonnen hatte wurde mir erst in dem Moment bewusst, als ich hinter die Bühne kam. Dort viel alles von mir ab und ich erlebte einen der besten Momente meines Lebens, ich hatte es geschafft.

Mountains2b.com: Was fasziniert dich an der Sportart Slackline?
Michael Siegmund: Die Herausforderung! Wenn man zum ersten Mal auf der Line steht, denkt man, dass es unmöglich ist auf diesem Ding zu stehen. Und wenn man das kann, dann denkt man es sein unmöglich irgendwelche Sachen auf der Line zu machen, bis man es irgendwann kann. Und so meistert man eine Unmöglichkeit nach der anderen und man kommt irgendwann dazu, dass man denkt: Nichts ist unmöglich. Wenn man nur will und bereit ist zu üben, kann man auch Dinge schaffen die man für unmöglich hält.
Dazu kommt der Aspekt der vollkommenen Konzentration auf eine Sache. Denn nur so kann man Herausforderungen auf der Line meistern. Ich hatte bei "Wetten dass..?" auf der Line das, was der Sportwissenschaftler ein Flow-Erlebnis nennt. Das vollkommende Zusammenspiel von Körper und Geist. Ich bin diesem Sport treu geblieben und inzwischen ist diese Nummer mit dem Anziehen, was mir damals als eine fast unlösbare Aufgabe erschien, recht einfach für mich. An der Deutschen Sporthochschule in Köln habe ich jetzt schon sein drei Semestern ein AG mit stetig wachsender Teilnehmerzahl. Es zeigt sich bei allen eine unglaubliche Faszination. Obwohl, oder gerade weil, beim ersten Mal keiner auch nur einen Schritt auf der Line machen kann, weckt es in allen den Ehrgeiz und sie kommen wieder und wieder und wollen es einfach können.

Mountains2b.com: Vielen Dank für das Gespräch!