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Materialtipps beim Klettern und Bouldern: Kletterschuhe pflegen, Ausrüstung schützen

2. Juli 2009 | bergleben.de

Materialtipps beim Klettern und Bouldern: Kletterschuhe pflegen, Ausrüstung schützen- ©flickR_mugofevil

Kletterseil

Copyright: flickR_mugofevil
Für die zweite Folge unseres Themenspecials "Ausrüstungspflege" sprachen wir mit einem der besten Kletterer Deutschlands: Christian Bindhammer. Christian betreibt zusammen mit seinem Bruder Andreas den Klettershop www.masterrange.de, klettert schon zwei Jahrzehnte und hat viel Erfahrung mit Kletterequipment. Das komplette Interview mit Christian lest ihr im zweiten Teil dieser zweiten Folge unseres Themenspecials.

Die Kletterschuhe - schnell kaputt und schwer zu pflegen
"Der Abrieb meiner Kletterschuhe ist in der Regel recht hoch, stellenweise halten sie nur ein bis zwei Monate." So heftig wie Dauerkletterer Christian Bindhammer dürfte es den meisten Hobbysportlern zwar nicht ergehen, doch die Abnutzung ist eines der Hauptprobleme beim elementaren Kletterprodukt "Schuh". Der Abrieb lässt sich leider auch durch Pflege nicht verhindern. Doch zumindest dem recht ausgeprägten Geruch der Schuhe kann man entgegenwirken. Die meist barfuß getragenen Schuhe sitzen eng und haben im Normalfall auch keine Features, die eine gute Lüftung ermöglichen - Schweißfüße lassen sich kaum vermeiden. Deswegen hier ein paar Tipps zur Geruchsvorbeugung und -beseitigung:

1. Die Schuhe nach dem Gebrauch auslüften und gut trocknen lassen, gegebenenfalls mit Zeitung ausstopfen. Geruchserreger brauchen Feuchtigkeit.
2. Bei fiesem Geruch: Schuhe desinfizieren (bspw. mit Sagrotan) und anschließend auslüften lassen.
3. Regelmäßige Handwäsche mit Seife hilft vorübergehend.
4. Waschen in der Waschmaschine tötet zwar meist alle Bakterien und Keime und somit auch die Geruchsursache, jedoch leidet vor allem die Sohle durch den Waschvorgang und kann spröde werden, schlimmstenfalls hält der Kleber nicht und der Schuh fällt auseinander. Manche Schuhe trotzen Maschinenwäsche aber. Zudem sind Schnürsenkel nach einem Waschen meist nicht mehr in einwandfreiem Zustand.
5. Ein Chalk-Ball, den man nach dem Climb in die Schuhe legt, saugt zwar Feuchtigkeit auf, der Geruch wird aber nicht beseitigt und weiße Füße hat man anschließend auch.
6. Schuhe mit Kaiser Natron, bzw. Natriumhydrogencarbonat behandeln: Kaiser Natron ist ein Alleskönner und absorbiert Gerüche und neutralisiert sie.
7. Wenn es ganz schlimm ist: Schuhe einpudern mit Batrafen, einem Hefepilzmittel und Medikament gegen Fuß- und Nagelpilz, oder anderen Mitteln mit den Wirkstoffen Clotrimazol oder Bifonazol.

Kletterbekleidung eher Nebensache
Pflege der Kleidung spielt beim Klettern keine entscheidende Rolle. „Beim Sportklettern ist die Funktionalität der Kleidung eher vernachlässigbar, wenn‘s zu heiß ist, kann man ja einfach das T-Shirt ausziehen“, sagt Christian Bindhammer. Da man keine besondere Kleidung braucht, die atmungsaktiv und nässeabweisend ist und somit aus funktionellen Materialien hergestellt ist, muss die Bekleidung auch nicht besonders gepflegt werden. "Anders sieht es natürlich beim Alpinen Klettern aus: Dort hat die Funktionsbekleidung ganz klar die Nase vorne, hier gehört beispielsweise ein Windstopper Softshell oder eine superleichte Regenjacke immer zum Pflichtprogramm.Auch die erhöhte Atmungsaktivität der Bekleidung ist hier wichtig", so Bindhammer. Wie ihr Jacken und Hosen aus Funktionsmaterial am besten pflegt, lest ihr in der ersten Folge.

Bilder & Videos

Kletterseil - © flickR_mugofevil
Christian Bindhammer - Hades 9a - © cpfanzelt.de
Trekkingschuhe - © flickr_david.nikonvscanon
Kletter- und Bergsteigerausrüstung - © European Outdoor

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Das Seil - im Vorstieg so wichtig wie nichts anderes
Für Sportkletterer ist das Seil das wichtigste Equipment. Vor allem draußen am Fels werden Seile stark beansprucht. Für die Aufbewahrung empfiehlt Christian Bindhammer zunächst, "auf alle Fälle einen Seilsack zu verwenden. Schmutz und Nässe setzen dem Seil am meisten zu." Seiltaschen (Ropebags) findet ihr in unserem Shop schon ab zehn Euro.

Zudem gibt es Seilbürsten, die sich an die Dicke des jeweiligen Seiles anpassen und es problemlos von Dreck und getrocknetem Schlamm befreien. Wenn das Seil richtig dreckig ist, kann ein spezielles Seilwaschmittel benutzt werden, das findet ihr zum Beispiel hier . Eine einfache Seifenlauge mit viel Wasser tut´s aber meistens auch. Wenn ihr in der Maschine waschen wollt: Seil in einen Bett- oder Kissenbezug einwickeln, maximal 30 Grad einstellen und auf Waschmittel verzichten. Vorsicht: Hochdruckreiniger haben bei der Seilpflege nichts zu suchen, es können Staub und Partikel eindringen und die Fasern beschädigen. Verschiedene Firmen haben spezielle Imprägnierungsmittel für Seile entwickelt, die ihr Nutzen solltet, wenn ihr vor allem outdoor klettert. In Schnee und Eis werden Seile nicht nur schwerer, sondern sie verlieren ihre dynamischen Eigenschaften. Imprägnierte Seile nehmen zudem weniger Schmutz auf.

Allgemein solltet ihr darauf achten, dass der Lagerplatz eurer Kletterausrüstung keinen extremen Temperaturschwankungen unterliegt, gut belüftet ist und keine aggressiven Stoffe (wie zum Beispiel Lacke oder Farben) in der Nähe lagern. "Eine trockene, abgedunkelte Räumlichkeit ist der beste Lagerraum", weiß auch Christian Bindhammer.

Wie umgehen mit Stahl- und Aluminiumausrüstung?
Christian Bindhammer kennt sich auch mit Karabinern und Co. aus: "Keile, Karabiner, Friends und Co. sind eigentlich alles recht haltbare Ausrüstungsgegenstände. Während Edelstahl so gut wie „unkaputtbar“ ist, sollte bei der Aluminiumausrüstung der erhöhte Verschleiß beachtet werden. Insbesondere bei Abseilachter oder Karabiner kann ein „Einschleifen“ dazu führen, dass scharfe Kanten entstehen. Das bedeutet zwar nicht automatisch gleich Lebensgefahr, aber scharfe Kanten beanspruchen natürlich das Seil umso mehr." Vor allem Karabinern aus Edelstahl dürftet ihr eigentlich kaum etwas anhaben können. Kommt es dennoch zu "Rost", sind dies meist Fremdstoffe, die sich abgelagert haben. Bei ordentlicher Behandlung und Pflege - Friends und Karabiner könnt ihr mit einer leichten Seifenlösung und Zahnbürste reinigen und ab und zu einen Tropfen Öl für die Achsen/Scharniere benutzen - hat eure Ausrüstung eine lange Lebenserwartung. Eine regelmäßige Sichtprüfung ist dennoch unerlässlich: Haben sich Riefen gebildet? Gibt es scharfe Stellen? Hat sich der Karabiner verbogen? Diese Fragen solltet ihr alle mit "Nein" beantworten, bevor ihr diesen Gegenständen euer Leben anvertraut.

Christian Bindhammer hat zum Abschluss noch einen Tipp parat: "Beinschlaufen beim Einbindebereich des Klettergurts unterliegen einem erhöhten Verschleiß. Hier sollte man immer prüfen und einen zu alten Gurt lieber mal etwas früher aussortieren."

In diesem Sinne: climb on. In der dritten Folge unseres Specials lest ihr noch mehr zur Ausrüstungspflege, bleibt dran!

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