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Interview mit Ines Papert

17. August 2009 | bergleben.de

Ines Papert am Gipfel des Kwandge Shar

Ines Papert am Gipfel des Kwandge Shar

Copyright: © winterinnepal.blogspot.com/Cory Richard
Die vierfache Eiskletter-Weltmeisterin, Expeditionsbergsteigerin und Mutter Ines Papert ist eine der bekanntesten Bergsportlerin der Welt. Die 35-Jährige kennt sich aus im Klettersport, seit dem Jahr 2001 ist sie Profi und als Expertin mehr als anerkannt. bergleben.de stellte Papert, die in dieser Woche von einem langen Kanada-Aufenthalt zurückkehrt, im Rahmen unseres Themenspecials "Ausrüstungspflege" einige Fragen zum Thema Equipment.

bergleben.de: Grüß dich, Ines! Welche Rolle spielt für dich Ausrüstung auf deinen Touren und Expeditionen?
Ines Papert: Wenn du meine Gear-Listen sehen würdest, die ich vor jeder Expedition aufstelle... Natürlich ist die Ausrüstung Teil meiner Unternehmungen. Immer wichtiger wird ein geringes Gewicht, da wir oft weite Zustiege haben und das Material durch eine Wand ziehen müssen, ist das sehr kraftaufwendig. Dann muss ich mich natürlich darauf verlassen können, auf 100%ige Funktionalität. Wasserdichte und Atmungsaktivität ist da ein großes Thema.

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Am Gipfel - © © winterinnepal.blogspot.com/Cory Richard
Ines Papert - © Vigleik Sexe
Ines Papert - © Ines Papert
Ines Papert - © V. Sexe und K. Fengler

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bergleben.de: Beim Eisklettern und Felsklettern hängt dein Leben von der Sicherheit der Ausrüstung ab. Machst du dir dies oft bewusst und bist sehr gewissenhaft oder gehst du eher mit der Einstellung zu Werke, das du dem Material vertrausen kannst?
Ines Papert: Beides, ich bin sehr gewissenhaft, aber auch vertrauensvoll. Vorher wird das Material aber natürlich auf die Funktion hin getestet.

bergleben.de: Welche Ausrüstungsgegenstände unterliegen bei dir dem höchsten Verschleiß und gibt es für dich Möglichkeiten, dem entgegenzusteuern?
Ines Papert: Fotokameras (lacht...). Irgendwie ist das mit der Erdanziehung so eine Sache, die Dinger fallen gern die ganze Wand nach unten. Nein, im Ernst, hohen Verschleiß habe ich bei keinem meiner Dinge, außer eben Verlust. Mein Rucksack ist extrem belastbar und auch die Goretex-Bekleidung wird immer robuster bei geringerem Gewicht und besserer Funktion. Das erstaunt mich immer wieder. Okay, Haken habe ich einige in Kanada "verschlissen" beziehungsweise in unserer neuen route platziert. Aber die bleiben dort, damit andere Seilschaften auch raufkommen, falls sich jemand hineintraut, in die "Power of Silence".

bergleben.de: Hast du irgendwelche Hausmittel, beziehungsweise Insidertipps für die Pflege von Schuhen, Eisgeräten, Skitourenfellen oder allgemeiner Outdoor-Ausrüstung?
Ines Papert: Schuhe tu ich gern wachsen, mit einem biologischen Wachs, das macht sie langfristig wasserabweisend. Außerdem müssen sie immer schön austrocknen. Goretex-Sachen wasche ich von Zeit zu Zeit, das erhöht die Atmungsaktivität - viele Leute meinen, diese sachen nie zu waschen zu müssen, aber die Poren setzen sich voll mit Schmutz und die Funktion wird dadurch schlechter. Ich wasche die Sachen mit einem speziellen Waschmittel, dann in den Trockner und wieder rein in die funtionierende Klamotte. Eisgeraete sprühe ich mit WD 40 nach dem winter ein, und im Herbst feile ich fleissig die Hauen, damit sie gut "beissen".

bergleben.de: Welche Tipps zur Ausrüstung kannst du einem Kletterer geben, der sich gerne mal beim Eisklettern versuchen möchte?
Ines Papert: Hm, es braucht ein paar notwendige Dinge... Eisgeräte sollte man von Beginn an ohne Handschlaufen wählen, besser ist der haken am unteren Ende des Gerätes. Wenn du einmal mit Schlaufen anfängst, kommst schwer weg davon. Und letztendlich ist es sicherer und einfacher ohne. Zudem braucht man Halbseile, etwa zehn Eisschrauben unterschiedlicher Länge, einen Helm natürlich auch.

bergleben.de: Ausrüstung wird immer leichter und widerstandsfähiger, mittlerweile gibt es alles zu kaufen, was ein Outdoor-Sportler jemals benötigen könnte. Siehst du überhaupt noch großartiges Entwicklungspotenzial für die Hersteller oder wird in Zukunft hauptsächlich das Design der Produkte im Vordergrund stehen? 
Ines Papert: Ich komme gerade von einem Produktmeeting von Arcteryx in Vancouver. Die Jungs sind vielen Firmen weit voraus, aber es gibt auf jeden Fall noch Potenzial, die Produkte zu optimieren. Deshalb ist es auch sehr von Vorteil, wenn die Materialien von Profis unter extremen Bedingungen auf Haltbarkeit und Funktion getestet werden.

bergleben.de: Vielen Dank, Ines! Wir sind gespannt auf deinen Bericht über die Kanada-Tour.

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