Kletterspots in Hamburg: Outdoor-Klettern in der Hafenstadt

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Im Norden Deutschlands gibt es keine Berge, trotzdem kommen Fans der Alpinsportarten Bouldern und Klettern ganz auf ihre Kosten. Skiinfo stellt euch einige Kletterspots in Hamburg vor und hat aus diesem Grune die SAWELA-Athleten Michi Wärthl und Markus Bock durch eine Klettertour in der Hafenstadt begleitet. 

 

 

Die SAWELA-Athleten

„Bei diesen Bedingungen ist der Alpinist klar im Vorteil.“ Markus Bock zieht sich die Kapuze seiner Hybrid-Jacke über und den Reißverschluss zu. Es regnet in Strömen, der Wind weht mit 24 Knoten, die Außentemperatur ist gefühlt nahe Null. „Schietwetter nennt man das hier wohl.“ Der Bamberger gehört zu den aktivsten Erstbegehern im Frankenjura und stärksten Sportkletterern weltweit.

Die berüchtigte Kilimanschanzo

Michi Wärthl an Kilimanschanzo: Schulterblatt-Lippmannstraße.
Michi Wärthl an Kilimanschanzo: Schulterblatt-Lippmannstraße. | ©SALEWA/flohagena.com

 

In Hamburg ist der 41-Jährige bisher noch nicht geklettert. Jetzt steht er am späten Abend am Fuße des Kilimanschanzo mitten im Schanzenviertel und sichert Michi Wärthl, der sich an einer nassen 8a versucht. Michi Wärthl ist ein Alpinist, wie er im Buche steht: In seiner bemerkenswerten Karriere gelangen dem Münchner schwierige Erstbegehungen wie die Route „Vogelfrei“ an der Schüsselkar Südwand (13 SL, 10/10+). 1994 war er mit 24 Jahren der jüngste Bergsteiger auf dem 8.611 Meter hohen K2 – ohne künstlichen Sauerstoff! 2012 führte er als erster Bergführer einen Gast auf den legendären Cerro Torre, einen der herausforderndsten Gipfel der Welt. Dem Extrembergsteiger scheint das Hamburger Wetter tatsächlich nichts auszumachen. Spielerisch steigt er durch den Überhang. In etwa 20 Metern Höhe ein kurzes: „Zu und ab!“ – und Markus lässt seinen Bergkamerad sanft zu Boden gleiten.

Nacht-Bouldern und Fischeintopf

Markus Bock und Michi Wärthl haben sich auf den Weg nach Hamburg gemacht, um der hiesigen Kletterszene auf den Zahn zu fühlen und die spannendsten Kletterspots auszutesten. Drei Bayern im hohen Norden quasi. Der vom Kilimanschanzo e.V. betriebene „Kletterberg“ ist die erste Station. Der bunte Klettergarten an einem alten Betonbunker bietet rund 70 Routen zwischen 4 und 7c (französische Skala). Zum Aufwärmen, Ausklettern und auf ein Feierabendbier geht es weiter in den nahegelegenen Salon du Bloc, Hamburgs erster Boulder„halle“ – und Herz der lebendigen hanseatischen Kletterszene. Hier erwartet die Seilschaft 400 Quadratmeter Kletterfläche in bis zu 4,5 Metern Höhe. Außerdem ein lässiges Café, eine beeindruckende Whiskykarte und im Keller eine Sauna. Bevor das Nachtbiwak aufgeschlagen wird, lassen sich Michi und Markus noch in Sankt Pauli eine Fischcataplana im La Sepia schmecken – und planen die Route für den nächsten Tag.

Geduldete und legale Plätze

Am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen. Schließlich wollen Michi und Markus die T.R.U.D.E. (Tief runter unter die Elbe) erklimmen. Klettern an dem Schneidrad, das zwischen Oktober 1997 und März 2000 die 2.560 Meter lange vierte Röhre des Elbtunnels gegraben hat, ist zwar offiziell nicht erlaubt, wird jedoch bei entsprechender Absicherung geduldet. Also machen sich die beiden noch vor Sonnenaufgang mit einem 50-Meter-Seil, mindestens sechs Bandschlingen und ebenso vielen Expressen an dem 14,2 Meter hohen Koloss zu schaffen. Pünktlich zum Sonnenaufgang sitzt Michi als Erster auf der T.R.U.D.E. Was für ein Start in einen Traumtag in Hamburg!

Bouldern an der Elbe

Findling "Alter Schwede".
Findling „Alter Schwede“. Athlet: Markus Bock | ©SALEWA/flohagena.com

 

Nicht unter der Elbe, dafür aber in der Elbe befand sich vor nicht allzu langer Zeit noch der nächste Kletterspot der beiden Bajuwaren: Der Alte Schwede. Der älteste Findling Deutschlands, der seinen Weg aus dem elstereiszeitlichen Vereisungsraum in Südschweden bis nach Hamburg gefunden hat. Im Jahr 1999 wurde er dann aus etwa 15 Metern Tiefe aus der Elbe-Fahrrinne gehoben. Seit dem 6. Juni 2000 liegt der Findling nun am Elbstrand bei Oevelgönne. Stattliche 217 Tonnen Granit, 4,5 Meter hoch, rund 20 Meter Umfang, fünf Boulder zwischen 5b und 7a – und Hamburgs wohl einzige „natürliche“ Kletter-Location. Hier läuft Markus zu Hochform auf – und fügt den fünf bekannten Routen noch die ein oder andere vielleicht „Erstbesteigung“ hinzu. Zur Belohnung gibt es einen Kaffee in der bekannten Strandperle, einem geradezu magischen Ort am Hamburger Elbstrand. Hier treffen sich Bootsbesitzer, Lotsen, Rentner, Familien und Hamburger Hipster.

Landungsbrücken und Speicherstadt

Eine außergewöhnliche Location bietet Michi und Markus einen Traumblick über den Hamburger Hafen. Auf dem Museumsschiff Cap San Diego befindet sich Deutschlands erster und einziger schwimmender Hochseilgarten. 30 Meter über der Elbe können auch ausgesprochene Flachlandtiroler ohne Vorkenntnisse Teamgeist beweisen. Hierbei können Kletter-Fans ihren „eigenen Kilimandscharo“ bezwingen – sprich: die eigene Komfortzone verlassen und neue Grenzen ausloten. Markus entdeckt an Deck des ehemaligen Bananendampfers zudem noch eine alte Schiffschraube, die zum Bouldern einlädt.

Bouldern an den Magellan-Terassen

Klettern in der Speicherstadt.
Klettern in der Speicherstadt. | © SALEWA/flohagena.com

 

Ebenfalls eine schöne Spielwiese für erste Boulderversuche bzw. ungefährliches Urban Bouldering finden Michi und Markus in der Speicherstadt: die Magellan-Terrassen. Neben den dreidimensionalen Mosaik-Wänden gibt es in dem weltweit größten zusammenhängenden Komplex von Lagerhallen etliche Locations, die zum Bouldern und Kraxeln einladen. So auch der krönende Abschluss des Hamburg-Trips der beiden Profi-Kletterer aus dem Süden der Republik: Eine kletterbare Backsteinwand unterhalb des Wasserschlosses auf einer Halbinsel zwischen zwei Fleeten. In der blauen Stunde entsteht hier ein lohnendes Erinnerungsfoto, auf das Michi und Markus noch eine Tasse Tee mit Kandis und einem Schuss Sahne im Teekontor im Wasserschloss heben.

Die beiden SALEWA-Athleten sind sich einig: Hamburg ist auch für Kletterer mehr als eine Reise wert.

 

Weitere Kletter-Möglichkeiten in Hamburg

Bouldern in Eimsbüttel

Das DAV Kletterzentrum in Hamburg.
Das DAV Kletterzentrum in Hamburg. | ©Deutscher Alpenverein, Sektion Hamburg und Niederelbe

 

In Lokstedt, etwas nördlich gelegenvon Eimsbüttel, kann man im DAV Kletterzentrum hoch hinaus. Das Kletterzentrum ist die größte Kletteranlage Norddeutschlands, bietet sehenswerte Boulderbereiche für alle Schwierigkeitsstufen. Darüber hinaus können in den Bereichen jede Menge Boulderprobleme gelöst werden können. In den insgesamt drei großen Hallen gibt es außerdem 500 Kletterrouten.  Kletter-Neulinge finden unzählige Kletterkurse und Angebote.  Im DAV-Kletterzentrum finden zudem auch Wettkämpfe statt, bei denen jeder mitklettern oder mitfiebern kann. Ein großer Außenbereich rundet das Gesamtangebot des DAV ab. Bei gutem und schlechtem Wetter kann hier an seine Grenzen gegangen werden. Für Mitglieder des Alpenvereins ist der Eintrittspreis reduziert.

FLASHH in Altona

Der beliebte Boulderspot in Bahrenfeld bietet ein sportliches, helles Ambiente sowie jede Menge Routen. Neben den klassischen Wänden hat sich die FLASHH Boulderhalle einige Besonderheiten einfallen lassen. Die sich fortlaufend um sich selbst drehenden Boulder-Diamanten sorgen für ein besonderes Boulder-Erlebnis, versprechen spannendes Klettern.  Zudem werden im FLASHH auch beim Yoga entspannen.  Des Weiteren werden viele Workshops, Massagen und Shiatsu angeboten, die das gesamte Sporterlebnis abrunden. Im FLASHH kann sich auch der Kletter-Nachwuchs ordentlich austoben. Denn neben dem Sportbereich gibt es ein abgetrenntes Kinderland mit viel Raum, sowie extra weichen Matten und bunten Griffen.

Aktueller Hinweis: Sport ist kontaktfrei unter freiem Himmel mit bis zu 20 Personen und im Innenbereich mit bis zu 10 Personen gestattet.

Klettern und Bouldern in der HT16

Klettern und Bouldern in der HT16
Die HT16 Kletterhalle hat 500m² Grundfläche und Deckenhöhen von 9-14m, und ist mit einem speziellen Fallschutzboden ausgestattet. | ©© 2021 Hamburger Turnerschaft von 1816

 

Die HT16 ist die drittgrößte Halle in Hamburg und die erste Kletterhalle im Rahmen eines Sportzentrums. Unter einem Dach findet ihr ein Fitness- & Gesundheitszentrum für jung und alt sowie einer Vielzahl weiterer Sportarten. Das Kletterangebot richtet sich sowohl an Sport-und Freizeitkletterer, als auch an Kinder, Jugendliche und Familien. Das Klettern und Bouldern, sowie andere Sportarten können im Sportzentrum kombiniert und ausprobiert werden. Schnupper- und Anfängerkurse, bieten einen idealen Einstieg Klettereinsteiger und Interessierte. Kletter-Fans können zudem an regelmäßigen Trainingsgruppen zur Verbesserung ihrer Technik mit Gleichgesinnten teilnehmen. Von großem Vorteil ist vor allem, dass die Nutzung der Kletterhalle und die Teilnahme an Kursen und Trainingsgruppen mit und ohne Vereinsmitgliedschaft möglich ist.

Bouldern im Urban Apes

Das Boulderquartier der Urban Apes in Hamburg ist in einer alten Fabriketage. Das Quartier beheimatet und verbindet auf einzigartige Weise einen rustikalen Charme mit einer heimischen Wohnzimmeratmosphäre. In den zwei weitläufigen und lichtdurchfluteten Etagen des Boulderquartier, von 1.500 qm, finden KLetter-Fans modernste Boulderwände vor. Wer nach dem anstrengenden Klettern so richtig entspannen will, der setzt sich mit einer Brause oder einem leckeren Bier in die stilvolle Lounge vor Ort. Um die Muskulatur zu lockern und etwas fürs Herz-Kreislaufsystem zu tun, stehen Mitgliedern ein vergünstigter Tarif im MerdianSpa zur Verfügung.

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