Gut durch’s Saisonende: Richtige Skitechnik auf Bruchharsch

Magazine Tipps & Tricks Gut durch’s Saisonende: Richtige Skitechnik auf Bruchharsch

Den letzten Teil unseres Specials „Skitechnik – richtig Skifahren“ bilden unsere Tipps zum Fahren auf Bruchharsch und Sulzschnee. Die Schwierigkeiten, sich hier fortzubewegen, kennt wahrscheinlich jeder Skifahrer zur Genüge.

Was ist Harsch und was ist Sulz?

Unter Harsch versteht der gemeine Schneeexperte alten Schnee, der durch Antauen und wieder Einfrieren sehr kompakt wird und teilweise an der Oberfläche Krusten bildet (Bruchharsch). Als Sulz bezeichnet man schweren und nassen Schnee, der stark zusammenklebt. Er kommt bei warmen Temperaturen über null Grad und erwartet den Skiurlauber meist in den Nachmittagsstunden.

Fahren auf Harsch

Im Grunde unterscheidet sich das Fahren auf Harsch-Schnee technisch nicht besonders von anderen Geländefahrten. Es gibt aber grundlegende Tipps und Tricks, die einem die Fortbewegung hier erleichtern: Neben dem richtigen Material (mehr hierzu könnt dem vorangegangenen Artikel über das Fahren im Tiefschnee entnehmen) ist vor allem die richtige Körperposition entscheidend.

Bruchharsch
Bruchharsch ist bei Skifahrern und Snowboarder die meist gehasste Form von Schnee. | ©Øyvind Holmstad

Harsch bedeutet, dass man auf einer harten, meist eisigen Oberfläche fährt, die normalerweise starkes Aufkanten und damit umfangreiche Kantenbewegungen erfordern würde. Allerdings kommt es auch vor, dass die Oberfläche den Skifahrer nicht trägt und er die „Kruste“ durchbricht. Die Ski kommen daher in den tiefen Schnee und werden stark abgebremst. Auf diese unvorhersehbaren Situationen muss man als Skifahrer möglichst gut vorbereitet sein. Wichtig ist, sehr aufmerksam zu sein und gefühlvoll zu fahren. Vor allem auf harten Oberflächen so gut es geht auf starkes Aufkanten oder heftige Hoch-Tief-Bewegungen zu verzichten.

Tiefer Schwerpunkt bringt Sicherheit

Die Position auf dem Ski gilt es so zu steuern, dass man bei einem plötzlichen Wechsel der Unterlage nicht zu Sturz kommt. Das erreicht man am besten, wenn man die Grundposition (schulterbreite, parallele Skiführung, beidbeinige Belastung, zentral über dem Ski, Arme in lockerer Vorhalte) ganz leicht nach hinten verschiebt, ohne dabei in die typische Rückenlage abzudriften. Zudem wichtig: Kompakt bleiben, möglichst einen tiefen Körperschwerpunkt erreichen und die Ski lieber enger zusammennehmen als weit auseinander zu haben. Eine Lockerheit in den Knie- und Fußgelenken bei gleichzeitiger, großer Körperspannung kann ebenso hilfreich sein.

Bruchharsch erfordert Einsatz

Im Bruchharsch (nur leicht angefrorene Schneeoberfläche, die den Skifahrer nicht trägt), muss der Skifahrer die sogenannte Blockbildung noch weiter verstärken und durch starke Hoch- und Tiefbewegungen dafür sorgen, dass die Oberfläche durchbrochen wird. Man versucht, durch impulsives Hochgehen die Ski zu entlasten und so gut es geht in die neue Richtung zu drehen. Es folgt die aktive Belastung der Ski, damit man die Bruchharschdecke durchbrechen kann. Mit einem aktiven Stockeinsatz kann hier nicht nur der Rhythmus, sondern auch die Entlastung unterstützt werden.

Fahren im Sulz oder Nassschnee

Sulz oder Nassschnee ist vor allem eines: kräfteraubend! Der Schnee ist feucht und schwer, bei jedem Schwung muss man mit seinen Skiern viel Gewicht bewegen und zur Seite schieben. Daher sollte beachtet werden: Fahrt lieber langgezogene Schwünge und verzichtet auf zu viele kurze Turns. Eure Oberschenkel werden es euch danken. Da der Schnee ohnehin stark bremst, können richtig gute Skifahrer dank perfekter Position und wippenden Knien viele Pisten fast ohne Schwünge in der Schussfahrt herunterfahren.

Dafür verlegen sie meist das Gewicht etwas auf die Ferse, um mit den Ski nicht vorne in einem Nassschneehügel hängen zu bleiben. Der „normale“ Skifahrer wird auf ein paar Schwünge nicht verzichten können. Hier empfiehlt sich, vor dem ersten Richtungswechsel eine hohe Geschwindigkeit aufzubauen. So fällt es leichter, die notwendige Kraft auf die Ski zu übertragen, um den schweren Schnee verdrängen zu können. In den Kurven solltet ihr versuchen, zu Beginn den Ski durch leichtes Hochgehen zu entlasten und das Gewicht etwas auf die Ferse zu verlagern. Nachdem ihr die Falllinie überfahren habt, schiebt ihr das Gewicht wieder auf die Zehen.

Wissenswertes: Während trockener Pulverschnee gerade einmal eine Masse von 30 bis 50 Kilogramm pro Kubikmeter auf die Waage bringt, kann feuchter Neuschnee bis zu 200 Kilogramm pro Kubikmeter schwer sein.

Bruchharsch mit dem Snowboard

Snowboarder haben es auf diesem Schnee noch ein wenig einfacher, wobei es auch für sie kein Vergnügen ist im Bruchharsch zu fahren. Denn mit dem Snowboard auf Bruchharsch unterwegs zu sein ist besser zu bewältigen, als wie mit den Skiern. Das Snowboard verfügt über mehr Auftrieb und schwimmt dadurch besser auf der Oberflächen. Dadurch bricht es den Harsch gleichmäßiger was die Balance erleichtert.

Weitere Schneezustände auf die es zu achten gilt:

Windgangeln (Sastrugi)

Als Windgangeln werden stromlinienförmige Erhebungen oder Rillen im Schnee bezeichnet. Diese Rillen können bis zu 30 Zentimeter hoch werden. Im Gegensatz zu Wellen im Wasser und die den nötigen Spaß garantieren ist das bei Sastrugi anders. Diese kleinen, schmalen, steinharten Schneerücken sind ein Produkt des Windes. Die ‚Kanten‘ dieser Wellen stehen immer in Richtung vom Wind. Die Windgangeln sind nicht gefährlich, aber äußerst schlecht zu befahren. Wer sich näher mit dem Wetter der vergangenen Tage beschäftigen möchte, findet anhand der Rillen einen sehr guten Indikator um die Windrichtung zu bestimmen.  Dadurch gelingt es leichter herauszufinden, wo der Triebschnee liegt. Die Sastrugi sollten allerdings nicht mit Schneedünen. verwechselt werden. Diese bestehen vorwiegend aus verfrachtetem Schnee.

Bruchharsch
Sastrugi im ostnorwegischen Gebirge Dovrefjell. | ©Havardtl

 

Firn

​Firn kommt vor allem im Frühjahr vor. Im Englischen bezeichnet man Firn als Corn Snow oder auch. Spring Snow. Corn Snow entsteht meistens in der Zeit wenn der Schnee schmilzt und zu Wasser wird oder vereist. Aus diesem Grund ist Firn meist in Gletscher-Skigebieten vorhanden. Schaut man einmal genauer hin, ist Firn immer mindestens ein Jahr alt.  Denn das besondere am Firn ist, dass er die Balance zwischen Schnee und Gletschereis hält. Durch diesen Prozess von Schmelzen und Gefrieren wird der Schnee sehr kompakt. Firnschnee ist perfekt zum Skifahren. Denn am Morgen ist er noch gefroren, durch die Sonne erwärmt sich der Schnee dann langsam und wird gut weich. Das richtige Timing bei Skifahren auf Corn Snow ist wichtige. Denn wer zu früh auf die Piste geht, kann die oberste Schnee noch nicht weich genug sein. Zu spät auf der Piste, dann kann sich der perfekte Schnee schnell in Sulz- oder Pappschnee verwandeln. Dadurch kann das Risiko auf Nassschneelawinen steigen.

Hier erfahrt ihr mehr zur Skitechnik:

Was es beim Carving zu beachten gilt

Richtiges fahren im Tiefschnee

Gewusst wie: Typische Fehler beim Carven

Copyright © 1995-2021  Mountain News Corporation.  All rights reserved.