Marrakesch – einst Oase am Rande des Hohen Atlas, dann Königsstadt der Almohadensultane, gesäumt von Palmenhainen, umringt von jahrhundertealten Mauern und gekrönt vom Minarett der Koutoubia-Moschee. Die Souks ein Meer von Düften, Farben und Klängen. 25.000 Geschäfte, dichtgedrängt im Kern der Medina. Enge Gassen erfüllt vom Hämmern der Schmiede, die Luft geschwängert vom Duft der Gewürze, des Leders und des Zedernholzes. Am Rand der Souks der Djemma el Fna, der Platz der Geköpften, den Schlangenbeschwörer, Gaukler und Märchenerzähler in eine Welt aus Tausendundeiner Nacht verwandeln. Marrakesch – für mich Station auf dem Weg nach Oukaimeden, dem größten Skigebiet Afrikas.

Auf der Route 513 geht es zwischen überladenen Zweirädern und buntbemalten, turmhoch bepackten Lastern, vorbei an Bauern, die auf ihren Maultieren zum Markt reiten und in bunte Gewänder gehüllten Berberfrauen Richtung Gebirge. Die Bergstraße klettert durch lichte Arganienwälder: Ich passiere kühn angelegte Terrassen und Berberdörfer, die sich wie Schwalbennester an die Felsen klammern und farblich mit der karger werdenden Landschaft verschmelzen. Ziegen, Schafe und Esel zwingen zu Bremsmanövern. Kinder am Straßenrand verkaufen Walnüsse und Lorbeerblätter. Höher und höher steigt die Straße. Eine letzte Biegung und er liegt vor mir: Der Jbel Oukaimeden, Afrikas einziger Skiberg von Rang. Ein wuchtiger, kompakter Felskörper, emporragend aus einer kleinen, fast völlig vegetationslosen Hochebene, die etwas von einer Mondlandschaft hat. Zahlreiche Grate und Rinnen durchziehen die steile, verschneite Nordflanke. Die Südhänge sind schneefrei. Das Dorf Oukaimeden ist eine trostlose Ansammlung von teilweise unvollendeten Hotels und Ferienhäusern. Am Ortsrand bedienen fünf Tellerlifte sanfte Pisten – wenn genug Schnee liegt. Da dies nicht der Fall ist, fahre ich bis zum Talschluss, wo Afrikas höchster Sessellift startet. Am Parkplatz sorgt mein Erscheinen für Aufregung. Sofort stürzen sich die Händler auf mich, bieten Schmuck, Fossilien und Mineralien feil. Im Staub am Straßenrand sind Ski aufgereiht, in den Bindungen stecken Skischuhe – der örtliche Skiverleih. Ich engagiere einen moniteur du ski, eigentlich völlig überflüssig, aber Ahmads Ausrüstung sieht aus, als könne er die 220 Dirham, die wir für drei Stunden aushandeln, ganz gut gebrauchen.

Die Skistation wurde 1942 gegründet. Der langsame Doppel-Sessel scheint kaum jüngeren Datums zu sein (wurde aber inzwischen ersetzt). An der 3273 m hohen Bergstation bläst ein eisiger Wind vom Jbel Toubkal (mit 4165 Meter der höchste Berg Nordafrikas) herüber. Also erst Mal in die Berghütte um sich mit einem Maroc Whiskey aufzuwärmen, Tee aus frischen Minzblättern – Marokkos natürlich alkoholfreies Nationalgetränk. Dann die ersten Schwünge im afrikanischen Schnee. Die Unterlage ist ruppig, eisig, windgepresst, doch der prächtige Blick auf die unter uns liegende Wüste entschädigt dafür. Wir lassen den kurzen Schlepper am Gipfelhang links liegen und stürzen uns in La Comb, die schneesicherste und populärste Abfahrt des Gebietes: Gut geneigte Mulden und verbuckelte Couloirs über 650 Höhenmeter. Die Höhe und der harte schwierige Schnee machen sie zur echten Herausforderung. Ahmad klärt mich auf, dass bei ausreichend Schnee serienweise anspruchsvolle Strecken in die Nordflanke kippen und bei den Liften am Dorfrand auskommen. Auch auf der linken Seite der Sesselbahn locken wahre Paradehänge.

„Mit dem Schnee ist das so eine Sache“, räumt Jean Paul, der Manager des Hotel Chez Juju ein, „aber ein paar Lifte laufen immer. In der Hochsasion haben wir hier Skiläufer aus Nordafrika, Frankreich und England.“ Mit am Tisch sitzen Roger und Mat, zwei Briten, soeben mit einer Skigruppe aus Gibraltar eingetroffen. Sie sorgen sich, wo sie ihre Anfängerkurse abhalten sollen. Doch während wir noch lamentieren, verdunkelt sich der Himmel und es beginnt es zu schneien. Erst am Morgen des übernächsten Tages reißt die Wolkendecke wieder auf und das tiefverschneite Oukaimeden funkelt in der afrikanischen Sonne.

Skigebiet: 2610-3273 m, 7 Lifte, 20 km Pisten

Unterkunft: Hotel Chez Juju, Übernachtung im Doppelzimmer ab 450 Dirham (ca. 40 Euro) pro Person, Tel. +212 (0) 524 31 90 05, www.hotelchezjuju.com

Restaurant-Tipp: Von der Terrasse der Bar des Chez Juju hat man einen herrlichen Blick auf das Skigebiet, auf den Tisch kommen savoyardische Spezialitäten wie Tartiflette und Reblochon.

Guides: Hier kommen die Guides von selbst auf einen zu…

Verleih: Man sollte eigenes Material mitzubringen.

Info: Das Skigebiet hat keine Webseite, Infos am besten über das Chez Juju.