Auf Listen der schneereichsten Skigebiete der Welt tauchen häufig Namen wie Alta in Utah oder Valdez in Alaska auf. Aber selbst wenn man die Schneefallmengen dieser Legenden übereinandertürmen würde, reichten sie nicht heran an die phantastischen Massen Schnee, die allwinterlich im yukiguni, zu deutsch Schneeland, niedergehen. Das Schneeland, dem Yasunari Kawabata in seinem gleichnamigen, nobelpreisgekrönten Werk ein literarisches Denkmal setzte, liegt an der Westseite der japanischen Hauptinsel Honshu.

Hier kommen alle Parameter zusammen, die enorme Schneefälle begünstigen: Die kalte Luft aus dem nahe gelegenen Sibirien, die über das Wasser der japanischen See heranrauscht und dabei extrem viel Feuchtigkeit aufnimmt, sowie die steil aufragende Kette der über 3000 Meter hohen japanischen Alpen mit ihren nach Nordwesten ausgerichteten Tälern deren Ortografie auch noch die letzte Schneeflocke aus den mit weißer Fracht überladenen Wolken auspresst. Das Ergebnis: sagenhafte 30 bis 38 Meter Neuschnee pro Winter. Sagenhaft auch deshalb, weil in den schneereichsten Regionen keine offiziellen Wetterstationen stehen – sie sind schlichtweg unbewohnbar. Die Station mit der höchsten Schneefallmenge steht im in nur 890 m Höhe gelegenen Badeort Sukayu Onsen im Norden von Honshu. Hier kommen allwinterlich immerhin 1764 cm Neuschnee zusammen. Kein Wunder, dass in Japan auch die weltweit höchste jemals gemessene Schneedecke in Japan registriert wurde, am Ibuki san in der Provinz Shiga: 11,82 m.

Für den Betrieb eines Skigebietes ist das zu viel und so finden sich in den schneereichsten Zonen des yukiguni auch keine Skigebiete – mit einer Ausnahme: Gassan. Dieser 1984 m hohe Gipfel in der Provinz Yamagata beherbergt Japans einziges Sommerskigebiet. Erst im April ist es überhaupt möglich, an den Berg zu gelangen. Eine Sesselbahn führt bis auf 1500 m. Von der Bergstation geht es mit Raupenfahrzeugen noch ein Stück weiter hoch. An einem 1670 m hohen Vorgipfel des Gassan warten dann zwei mobile Schleppseile auf nimmermüde Schneesportler. Fest installierte Lifte wären zum Start der Skisaison Mitte April noch unter den Schneemassen begraben. Trotz der gewaltigen Schneemengen läuft der Skibetrieb nur bis Ende Juli, die große Hitze und die heftigen Regengüsse des japanischen Sommers verhindern, dass am Gassan der Schnee des alten den des neuen Winters erwartet.

Skigebiet: 1237-1670 m, 3 Lift, 5 km Pisten

Unterkunft: Unweit der Talstation der Sesselbahn steht die Ubasawa Hütte, Übernachtung im DZ mit Halbpension ab 7800 Yen, im Mehrbettzimmer ab 6500 Yen, Tel. 0237 (75) 2121

Restaurant-Tipp: In der Ubasawa Hütte gibt es japanische (Ramen, Curry) und internationale Küche (Hamburger, Spaghetti) ab 300 Yen.

Guides: Yudonosan Ideha ist Backcountry Tour Guide am Gassan, man erreicht ihn unter 090-7067-0667 oder 0237 (75) 2308

Verleih: Da es in japanischen Skigebieten keine Skistiefel in der Größe normaler mitteleuropäischer (Männer-)Füße gibt, bringt man seine Ausrüstung am besten gleich selbst mit.

Weitere sehr schneereiche Skiregionen:

Alaska: Alyeska Resort, 1885 cm Schneefall, 81-839 m, 9 Lifte, www.alyeskaresort.com

Washington: Mount Baker, 1906 cm Schneefall, 1097-1551 m, 10 Lifte, www.mtbakerskiarea.com

Utah: Alta, 1561 cm Schneefall, 2603-3212 m, 12 Lifte, www.alta.com

Kalifornien: Squaw Valley, 1339 cm, 1886-2664 m, 30 Lifte, www.squaw.com

Hohe Tauern: Mölltaler Gletscher, 2208 cm Schneefall, 2108-3089 m, 9 Lifte, www.gletscher.co.at

Norwegen: Strynfjellet, ca. 20-30 m Schneefall, 1060-1590 m, 2 Lifte (ab Mai), www.stryn.no