Von Juan V. Portillo, Meteorologe, Skiinfo. Aktualisiert am 23. Oktober 2026. Nächste Aktualisierung am 12. November 2026.
In Österreich hat die Gletschersaison bereits begonnen. Ein Sturm brachte am 24. September auf dem Sonnblick in 3.100 Metern Höhe 22 Zentimeter Neuschnee, an der Rudolfshütte auf 2.300 Metern waren es 9 Zentimeter. Zwei Tage später, am 26. September, startete der Pitztaler Gletscher als erstes österreichisches Skigebiet in die Saison, am 2. Oktober folgte der Hintertuxer Gletscher.
Die ersten Schneeflocken waren sogar schon im September gefallen. Bereits am 10. September schneite es auf der Zugspitze, dem Sonnblick und in den hohen Lagen der Schweizer Alpen. Am Morgen des 5. Oktober gab es auf der Zugspitze erneut etwas Neuschnee.
Trotz dieser frühen Schneefälle war der September insgesamt außergewöhnlich warm. MeteoSchweiz stuft ihn als zweitwärmsten September in der Schweiz seit Beginn der Messreihe 1864 ein, während die österreichischen Bergstationen rund 3 °C über dem Durchschnitt lagen. Für die weitere Entwicklung und die Schneelage im kommenden Winter sind die ersten Flocken allerdings noch kein verlässlicher Hinweis.
Am 8. Oktober meldete das Climate Prediction Center der US-Wetterbehörde NOAA, dass El Niño im zentralen Pazifik bereits +2,1 °C erreicht hat und mit einer Wahrscheinlichkeit von über 83 % bis zum Ende des Winters stark bis sehr stark bleibt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es von Oktober bis Dezember sogar der stärkste El Niño seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1950 wird, beziffert die NOAA auf 83 %.
El Niño ist jedoch in erster Linie ein Klimaphänomen des Pazifiks, dessen Einfluss auf das Winterwetter in Europa vergleichsweise schwach ist. Auch unsere eigenen Analysen von El Niño und anderen Wettermustern der Vergangenheit zeigen keinen verlässlichen Zusammenhang, um daraus allein den Verlauf einer europäischen Skisaison vorherzusagen.
Deshalb stützen wir unsere Winterprognose für Europa auf die saisonale Vorhersage des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF). Sie basiert auf einem physikalischen Modell von Atmosphäre und Ozean und wurde speziell für die Bedingungen des kommenden Winters berechnet.
Wo stehen die Chancen auf Schnee in diesem Winter am besten?
Die besten Aussichten haben Südtirol und das Wallis. Laut der Oktober-Prognose des Europäischen Wetterzentrums wird es in den Alpen insgesamt nasser als üblich, von Zermatt bis Schladming und von Garmisch bis in die Dolomiten. Mehr Niederschlag bedeutet jedoch nicht automatisch mehr Schnee: Nur in wenigen Regionen dürfte der zusätzliche Niederschlag tatsächlich zu mehr Schneefall führen.



Der kommende Winter dürfte ähnlich mild ausfallen wie die vergangenen zehn Winter. Auch bei der Schneefallgrenze, also jener Höhe, ab der Niederschlag im Winter überwiegend als Schnee statt als Regen fällt, werden in den meisten Regionen keine größeren Veränderungen erwartet. In den Kitzbüheler Alpen, im Salzburger Land und in den Bayerischen Alpen liegt die Schneefallgrenze voraussichtlich bei rund 1.000 bis 1.100 Metern, am Arlberg und in Südtirol bei etwa 1.250 Metern, im Wallis bei 1.300 Metern und in den Dolomiten rund um Cortina bei etwa 1.430 Metern. Lediglich im Berner Oberland und in Graubünden wird ein Anstieg um rund 40 bis 60 Höhenmeter prognostiziert.
Beim Schneefall zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Die besten Aussichten hat Südtirol (Gröden, Alta Badia, Kronplatz, Sulden). In allen acht untersuchten Skigebieten wird mehr Schneefall prognostiziert, während die Schneelage insgesamt nahe am Durchschnitt liegen dürfte. Auch das Wallis (Zermatt, Verbier, Saas-Fee) schneidet vergleichsweise gut ab. In drei von vier untersuchten Skigebieten wird mehr Schnee erwartet.
Ein gemischtes Bild zeigt sich dagegen am Arlberg und im westlichen Tirol, in Graubünden, im Berner Oberland, im Trentino, in den Dolomiten rund um Cortina und Arabba sowie in den südlichen Salzburger Skigebieten. Im übrigen Tirol und Salzburger Land (Mayrhofen, Kitzbühel, SkiWelt, Saalbach, Zell am See) sowie in den Bayerischen Alpen dürfte hingegen weniger Schnee als üblich fallen.
Insgesamt wird die Schneelage in den meisten Regionen unter dem langjährigen Durchschnitt des Europäischen Wetterzentrums erwartet. Das klingt zunächst widersprüchlich zu einem Winter, der ähnlich ausfallen soll wie die vergangenen zehn Jahre.
Für die deutschen Mittelgebirge (Schwarzwald, Sauerland, Harz, Erzgebirge, Fichtelgebirge, Bayerischer Wald, Thüringer Wald, Rhön) zeichnet die Prognose ein einheitlicheres Bild. Es dürfte insgesamt nasser werden, mehr Schnee wird jedoch in keinem der untersuchten Skigebiete erwartet.
Im Schwarzwald und Thüringer Wald verschiebt sich die Schneefallgrenze gegenüber den vergangenen Wintern voraussichtlich um 60 bis 80 Höhenmeter nach oben. Schon in einem typischen Winter der vergangenen Jahre fiel in den meisten dieser Skigebiete weniger als die Hälfte des Niederschlags als Schnee. Laut Prognose dürfte dieser Anteil nun um einige weitere Prozentpunkte sinken.
Bei der Interpretation dieser Werte ist allerdings eine Einschränkung wichtig. Das Rechengitter des Wettermodells liegt in diesen Regionen etwa 200 bis 350 Höhenmeter unterhalb der Skilifte. Die Prognose kann deshalb nicht zuverlässig abbilden, wie viel Schnee tatsächlich auf den höher gelegenen Pisten liegen bleibt. Die prognostizierten Veränderungen der Schneefallgrenze bleiben insgesamt jedoch gering und betragen weniger als die Hälfte der Schwankungen, die üblicherweise von einem Winter zum nächsten auftreten.
Was hat sich seit September geändert?
Das Europäische Wetterzentrum aktualisiert seine saisonale Prognose jeden Monat und die Oktober-Prognose fällt etwas milder aus als noch im September. Besonders deutlich zeigt sich das bei der Schneefallgrenze. Nach der aktuellen Berechnung geht Regen im Durchschnitt erst rund 90 Höhenmeter weiter oben in Schnee über, als es die September-Prognose erwarten ließ. Für die tieferen Bereiche der Skigebiete bedeutet das, dass Regen etwas wahrscheinlicher wird. Im westlichen Tirol und am Arlberg beispielsweise liegt die prognostizierte Schneefallgrenze nun etwa auf dem Niveau der vergangenen Winter. Im September wurde sie noch rund 80 Meter tiefer erwartet. Auch beim Schneefall fällt die Oktober-Prognose zurückhaltender aus. Nur noch 2 der 9 Regionen bekommen demnach mehr Schnee als üblich und im September waren es noch 8 von 9. Ähnlich hat sich die Einschätzung der Schneelage verändert. In 7 der 9 Regionen, für die das Modell eine ausreichend genaue Prognose liefert, wird die Schneelage nun unter dem Durchschnitt erwartet. Im September traf das lediglich auf 2 Regionen zu. Diese Veränderungen sollten jedoch nicht überbewertet werden. Der Unterschied zwischen zwei monatlichen Prognoseläufen ist klein im Vergleich zu den üblichen Schwankungen von einem Winter zum nächsten. Entscheidend wird deshalb sein, ob die kommenden Aktualisierungen diesen Trend bestätigen.
Andere Regionen
Falls Sie eine Reise in andere Skigebiete planen: So sieht es in anderen Regionen der Welt aus.





Was könnte diese Prognose noch ändern?
Auch wenn die aktuelle Winterprognose bereits eine erste Einschätzung liefert, können sich die Aussichten im Laufe der Saison noch verändern. Insgesamt betrachten wir dafür zehn wichtige Kennzahlen: Drei davon stehen für die gesamte Saison bereits fest, während sich sieben weitere von Woche zu Woche verändern können. Die Übersicht unten zeigt, wo diese Kennzahlen aktuell stehen und welchen Einfluss sie auf den Schnee in Europa haben können. Wir aktualisieren die Werte während der gesamten Saison regelmäßig. Vier der Anzeigen liefern ab November konkrete Werte, sobald wir sie täglich verfolgen können.

Wann wissen wir mehr?
Die NOAA hat ihre El-Niño-Einschätzung am 8. Oktober aktualisiert, am 10. Oktober folgte die saisonale Prognose von Copernicus. Die nächsten Aktualisierungen erscheinen am 12. November bei der NOAA und um den 10. November bei Copernicus. Beide können weitere Hinweise darauf liefern, wie sich die Aussichten für die kommende Saison entwickeln. Ein weiterer wichtiger Faktor könnte sich erst im Laufe der Saison durch eine plötzliche Stratosphärenerwärmung zeigen. Dabei steigen die Temperaturen in der Stratosphäre über der Arktis innerhalb kurzer Zeit stark an, was die großräumigen Luftströmungen beeinflussen und kalte Luft weiter nach Süden bringen kann. Tritt ein solches Ereignis zwischen Dezember und Februar auf, könnte es ein bis drei Wochen später eine besonders kalte Phase des Winters begünstigen.
Wie plane ich meinen Skiurlaub?
Wer seinen Skiurlaub frühzeitig plant, kann in einem voraussichtlich milden Winter vor allem die Höhenlage des Skigebiets berücksichtigen. Gletscher und hoch gelegene Skigebiete bieten bessere Voraussetzungen, ihren Schnee auch dann zu halten, wenn Niederschlag in tieferen Lagen als Regen fällt. Nach der aktuellen Prognose bieten Südtirol und das Wallis besonders gute Aussichten. In den Mittelgebirgen und den Bayerischen Voralpen lohnt sich dagegen ein genauerer Blick auf die aktuelle Wetter- und Schneelage. Skigebiete mit Beschneiungsmöglichkeiten können hier zusätzliche Planungssicherheit bieten. Da sich die tatsächlichen Bedingungen im Laufe des Winters kurzfristig verändern können, lohnt es sich, regelmäßig die aktuellen Schneeberichte und unsere Wochenprognose im Blick zu behalten.
Skigebiete in Europa, Nordamerika und der südlichen Hemisphäre
Quellen
- Jahreszeitenprognose des ECMWF SEAS5, Lauf vom Oktober 2026 (veröffentlicht am 5. Oktober 2026), über die Seasonal Forecast API von Open-Meteo (Lizenz: CC BY 4.0).
- Jahreszeitenprognosen des Copernicus-Klimawandeldienstes, Text vom 10. Oktober 2026. Copernicus ersetzt die Seite jeden Monat.
- ENSO-Diagnose der NOAA, veröffentlicht am 8. Oktober 2026. Die NOAA ersetzt die Seite jeden Monat.
- ERA5-Reanalyse des Copernicus-Klimawandeldienstes über Open-Meteo, Lizenz CC BY 4.0.
- NCEP/NCAR-Reanalyse 1 des NOAA PSL, Luftdruck auf Meereshöhe.
- Index der Nordatlantischen Oszillation des NOAA CPC, Monatswerte seit 1950.
- Index der Arktischen Oszillation des NOAA CPC, Monatswerte seit 1950.