Für den Österreicher Fritz Strobl ging in Salt Lake City 2002 ein Traum in Erfüllung. Wer sich im skiverrückten Österreich auskennt, der weiß, dass für Strobl unmittelbar nach dem Olympiasieg auf der Grizzly-Strecke in Snowbasin in der Heimat der rote Teppich schon ausgerollt wurde. Skiheld Strobl - das passt eigentlich gar nicht zu dem ruhigen und bescheidenen Mann aus Steinfeld. Doch an dem Trubel, der rund um einen Abfahrts-Olympiasieger in Austria entsteht, kommt auch ein Fritz Strobl nicht vorbei.

Jugend in Österreich
Sein Vater brachte ihm in Steinfeld im Drautal das Skifahren bei und legte damit den Grundstein für die Laufbahn des Skirennfahrers Fritz. Mit seinem Freund Werner Franz lieferte er sich in seiner Jugend 'harte' Wettkämpfe und probte schon mal den Ernstfall. Auf der Skihandelsschule in Schladming machte er seine Ausbildung, trat jedoch später in den Polizeidienst ein. Der Wettkampf-Ernstfall trat dann auch 1994 endgültig ein, bei seiner ersten Weltcup-Abfahrt in Val Gardena. Dort wurde er nur 54., doch ein Jahr später schon fuhr er in Kitzbühel mit dem 20. Platz seine ersten Weltcuppunkte ein. 1995/1996 gewann er den Super-G-Europacup.

Drei Weltcupsiege 1996/1997
Die Saison 1996/1997 zählte zu seinen erfolgreichsten: dreimal belegte er den ersten Platz, in den Abfahrten von Val d`Isere, Kitzbühel und Beaver Creek. In der Weltcup-Gesamtwertung lag er dann auch auf Platz 12, in der Abfahrtswertung sogar auf dem 3. Platz. 1999/2000 belegte er in der Gesamtwertung den 7. Platz und in der Super G-Wertung den 3. Rang. Ein Jahr später war Strobl im Gesamt-Weltcup nicht ganz so erfolgreich. Er beendete die Saison als 13., wurde aber immerhin Dritter in der Abfahrtswertung.

Zweifacher Kitzbühel-Sieger
Jedes Jahr stellt Kitzbühel einen absoluten Höhepunkt im alpinen Rennsport-Kalender dar. Wer dieses bedeutenste Abfahrtsrennen der Weltcup-Tour gewinnt, der macht sich in der Ski-Szene unsterblich. Strobl gewann schon zweimal das traditionelle Rennen. Er erinnert sich noch, wie lange er brauchte, um seinen ersten Sieg auf dem gefürchtetsten Kurs der Welt zu erringen: 1:51,58 Min. - ein neuer Rekord. 1999 war es noch kürzer, weil es notwendig war, den Start der Strecke wegen eines Schneesturmes niedriger zu legen.

Erfolgreiches Jahr 2001
Auch die Saison 2000/2001 verlief zu seiner vollsten Zufriedenheit. Der Sieg in Garmisch war zwar umstritten, doch "wenn du gewinnst, fragt keiner danach, ob das Rennen irregulär war", stellte der glückliche Österreicher nach der Abfahrt fest. "Was wir heute hatten, war pures Glück. Und perfektes Material", relativierte er seinen Erfolg. Glück gehabt unter anderem auch deshalb, weil der Favorit Hermann Maier nach einem Bindungsbruch ausgeschieden war.

Olympia-Gold in der Abfahrt
Die Saison 2001/2002 war nicht zuletzt aufgrund des Olympiasiegs die erfolgreichste in Strobls Karriere. Denn auch im Weltcup waren seine Platzierungen spitze. In der Gesamtwertung lag er auf dem 5. Platz, holte den 3. Rang im Super-G und wurde sogar Zweiter in der Abfahrt. Doch der alles überstrahlende Höhepunkt war das olympische Abfahrtsrennen in Snowbassin. In einem Wahnsinnslauf schlug Strobl den Norweger Lasse Kjus und Stephan Eberharter (AUT) und holte sich so seine erste Medaille bei einer Großveranstaltung.

Dreimal auf dem zweiten Rang
Im Weltcup-Winter 2003/2004 fuhr Strobl in der Abfahrt hervorragende Rennen, doch wollte ihm einfach kein Sieg gelingen. Gleich dreimal kam er auf den zweiten Rang. So auch beim Weltcupfinale 2004 in Sestriere, als er nur um zehn Hundertstel Sekunden von Daron Rahlves geschlagen wurde oder nur vier Tage zuvor in Kvitfjell, als Stephan Eberharter ganze 0,04 Sekunden schneller war als Strobl.

Konstant in den Top Ten
Zwischen Garmisch 2002 und Lake Louise 2005 konnte Strobl zwar kein Rennen gewinnen, doch in die Top Ten fuhr der Österreicher regelmäßig. So war es auch in der Saison 2004/2005, als er vier Mal Dritter wurde und weitere acht Mal unter den besten zehn zu finden war. Bei der WM in Bormio fuhr er als Vierter nur sehr knapp an einer Medaille vorbei. Ganze acht Hundertstel Sekunden fehlten am Ende zum ersten Edelmetall bei einer WM.

Früher inoffizieller Trainingsweltmeister
Zusammen mit seinem Teamkollegen Josef Strobl fuhr er im Laufe der Jahre in den Trainingsläufen häufig Bestzeiten. Wenn er diese auch nicht immer im Rennen wiederholen konnte, so waren diese Leistungen durchaus bemerkenswert und zogen die Aufmerksamkeit der Weltcup-Fans auf sich.

Starker Auftritt in Übersee
In der Saison 2005/2006 riss die Serie siegloser Rennen für Strobl: Bei den Überseerennen in Lake Louise und Beaver Creek landete er immer unter den besten zwölf und feierte in Kanada seinen ersten Sieg nach drei Jahren ausgiebig.

Steckbrief
Geboren: 24.08.1972
Nation: Österreich
Heimatverein: Ski Club Steinfeld
Größe: 187cm
Gewicht: 95kg
Hobbies: Skifahren, Radfahren, Bergwandern, Fischen
Web: www.fritzstrobl.com

Erfolge
Sein Debüt im Weltcup gab Strobl 1993 in Val Gardena, wo er einen 54. Rang in der Abfahrt erzielen konnte. Ein Jahr später errang er auf der Streif zum ersten Mal Weltcpupunkte, ehe er 1996 in Val d'Isere das erste Mal ganz oben auf dem Siegerpodest stand. Es folgt ein kurzer Blick in den Karrierespiegel. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
2002 in Salt Lake City (USA): DH (1), SG (4)
1998 in Nagano (JPN): DH (11)

Weltmeisterschaft:
2005 in Bormio (ITA): DH (4)
2003 in St. Moritz (SUI): DH (10)
2001 in St. Anton (AUT): DH (6)
1997 in Sestriere (ITA): DH (4)

Weltcup:
2. Platz Weltcup-Disziplinen-Wertung in der Abfahrt 2002
3. Platz Weltcup-Disziplinen-Wertung in der Abfahrt 1997 und 2001
3. Platz Weltcup-Disziplinen-Wertung Super-G 2000 und 2002
insgesamt acht Weltcupsiege