Eine Spanierin beim alpinen Skisport wirkt auch heutzutage noch ein wenig wie ein fremd. Bei Spanien denkt man doch an Sonne, Strand und Meer und nun wirklich nicht an Berge und Skifahren. Doch Marie Jose Rienda-Contreras bewegt sich nun schon seit 1994 im Weltcup und kann durchaus mit den großen Alpennationen mithalten.

Wir zeigen euch hier den Karriereverlauf bis zur Saison 2005/2006. Danach ist dieses Porträt nicht weiter aktualisiert worden

Erster Weltcup-Auftritt in Sierra Nevada
Die am 29.06.1975 geborene Spanierin zeigte sich der Skiwelt das erste Mal in ihrem Heimatland 1994. Dort fuhr sie zwar noch hinterher, aber schon bei ihrem dritten Start bei den Profis fuhr sie unter die Top 30 der Welt. Und das schaffte sie ausgerechnet bei den Olympischen Spielen in Lillehammer, wo sie einen 29. und 21. Platz im Super G und Riesenslalom belegte. Die Skiwelt horchte auf, denn gleich drei Spanierinnen fuhren im Super G unter die besten 30 Rennläuferinnen der Welt.
Auch wenn Marie Jose im Weltcup keine großen Sprünge nach vorn machen konnte, war sie auch beim Großereigniss des folgenden Jahres, der WM im eigenen Land, wieder erfreulich aufgefallen. Die Ergebnisse waren die Plätze 21. und 18., die die Spanierin durchaus zufrieden stellen konnten.

Die Frau für wichtige Rennen
Im Winter 1996/97 das gleiche Bild. Obwohl sie einen Teil der Saison verletzungsbedingt aussetzen musste, fuhr sie mit der spanischen Mannschaft nach Sestriere zur Weltmeisterschaft. Und triumphierte mit einem von niemandem erwarteten neunten Platz im Riesenslalom, ihrem bis dahin besten Ergebnis überhaupt bei den Profis. Selbst die deutschen Skistars Ertl und Gerg ließ sie in diesem Rennen weit hinter sich, bei den wichtigsten Saisonrennen war sie also stets topfit.
Eine weitere Wiederholung folgte im nächsten Jahr: Mittelmäßige Saison, einige Ausfälle, kaum Platzierungen unter den ersten 30, aber bei Olympia in Nagano war Rienda-Contreras wieder voll motiviert und gut in Form. Sie ließ wieder die Hälfte der Weltspitze hinter sich und belegte die Ränge 12. und 14. im Riesenslalom und Slalom. Eine unglaubliche Geschichte.

Bessere Platzierungen auch im Weltcup
In den kommenden Wintern konnte die Spanierin ihre Ergebnisse im Weltcup stetig verbessern. Doch fehlte ihr lange Zeit das Leistungsvermögen, um mal auf das Treppchen zu fahren. Einige Top Ten-Platzierungen erfuhr sie 1998-2002, und wieder bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City gelang es ihr mit dem sechsten Rang, ihr Potential optimal auszuschöpfen. Die Südländerin hat einfach die mentale Stärke, im Rennen keine Nerven zu zeigen. Und das bewies sie endlich in der letzten Saison auch einmal im Weltcup. Gleich drei Mal schaffte sie es unter die ersten Drei zu fahren, nachdem sie es ein Jahrzehnt vergeblich versucht hatte. Zunächst in Sölden, wo sie nach dem ersten Lauf sogar sensationell in Führung gelegen hatte. Doch dort musste sie letztendlich die starken Ertl und Pärson noch vorbeiziehen lassen, was den Riesenerfolg jedoch kaum trüben konnte. In Maribor wurde sie wieder Dritte und verwies die deutsche Nachwuchshoffnung Maria Riesch auf den undakbaren vierten Platz. Und schließlich durfte sie sich in Are auch mal rechts neben die Siegerin stellen, als sie hinter Anja Pärson Zweite wurde.

Zwei Weltcupsiege
Marie Jose Rienda-Contreras hat sich in den letzten Jahren zu einer der besten Riesenslalom-Fahrerinnen der Welt entwickelt. In der Saison 2004/2005 bestätigte sie dies mit ihren ersten Weltcupsiegen. Sowohl in Are, als sie zum ersten Mal ganz oben auf dem Treppchen stand, als auch beim Weltcupfinale in Lenzerheide konnte die Spanierin über Siege jubeln. Am Ende des Winters war sie zum zweiten Mal hintereinander Dritte im Riesenslalom-Weltcup.

Dominanz im Riesenslalom
Mit drei Siegen im Riesenslalom in der Saison 2005/2006 zählte Maria José Rienda-Contreras gewiss zum engen Favoritenkreis für Sestriere, aber leider gelang es ihr nicht, die Topleistungen in ihrer Vorzeigedisziplin auch bei den Olympischen Spielen zu zeigen. Nichtsdestotrotz erreichte die Spanierin den zweiten Platz im Riesenslalom Weltcup.

Steckbrief
Geboren: 29.06.1975 in Granada
Nation: Spanien
Größe: 167 cm
Gewicht: 63 kg
Sprachen: Spanisch, Italienisch, Englisch
Hobbies: Volleyball, Windsurfen, Campen, mit Freunden weggehen

Erfolge
Es folgt ein kurzer Blick in den Karrierespiegel der spanischen Ausnahme-Skifahrerin. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
2006 in Turin (ITA): GS (13)
2002 in Salt Lake City (USA): GS (6), SL (15)
1998 in Nagano (JPN): GS (12), SL (14)
1994 in Lillehammer (NOR): SG (29), GS (21)

Weltmeisterschaft:
2005 in Bormio (ITA): GS (9), SL (DNF)
2003 in St. Moritz (SUI): GS (DNF), SL (DNF)
2001 in St. Anton (AUT): SG (30), GS (10), SL (DNF)
1999 in Vail/Beaver Creek (USA): GS (13), SL (26)
1997 in Sestriere (ITA): GS (9)
1996 in Sierra Nevada (SPA): GS (21), SL (18)

Weltcup:
2. Platz Weltcup-Disziplinen-Wertung Riesenslalom 2006
3. Platz Weltcup-Disziplinen-Wertung Riesenslalom 2004, 2005
sechs Weltcup-Siege