Eine Studie des Prescott Colleges und der Alaska Pacific University lässt Wintersportler aufhorchen. Die untersuchte Frage: In welchem Maße werden Lawinenverschütteten-Suchgeräte (LVS) von elektronischen Störquellen wie Handys, Kameras oder ähnlichem tatsächlich beeinflusst? Kein absolut neues Thema, schon 2009 gab es Fälle von sich ausschaltenden LVS-Geräten, wenn sich Funkgeräte in unmittelbarer Nähe befanden. Anschließende Untersuchungen dazu führten zu einer Lehrmeinung, nach der Handys auf Tour auszuschalten seien. Doch wie ist es mit anderen Geräten? Die Forscher aus den USA empfehlen, bei der Suche eines Verschütteten alle Geräte auszuschalten oder mindestens 40 Zentimeter vom eigenen LVS-Gerät entfernt zu bewahren – sonst könnte die Suche negativ beeinflusst werden. Wir haben die in Deutschland, Österreich und der Schweiz führenden Hersteller von Lawinenverschüttetensuchgeräten - Mammut, Pieps und Ortovox – gefragt, was sie von der Studie halten und welche Empfehlungen sie den Nutzern der lebensrettenden Geräte geben können.

Jedes Gerät stört unterschiedlich

„Ortovox führt im Zuge der laufenden Entwicklungsarbeit Labor- und Praxistests in Bezug auf Einflüsse durch gängige elektronische Geräte von Tourengehen und Freeridern durch“, sagt Dieter Kotlaba, Product Manager Avalanche Transceivers & Safety System bei Ortovox. „Die Kernaussage dabei ist: Jedes "Störgerät" beeinflusst unterschiedlich. Ein und dasselbe LVS-Gerät kann somit zum Beispiel von einem GPS-Gerät kaum, von einem anderen GPS-Gerät stark gestört werden. Dieser Tatsache sind die LVS-Geräte aller Hersteller ausgesetzt.“  

Dass die LVS-Geräte Störungen unterliegen, bestätigt auch Michael Rust, UIAGM Mountain Guide und Mitglied der Marketing-Abteilung von Pieps. „Im Sendemodus kann es zu einer erheblichen Reduktion der Signalstärke kommen – als Folge reduziert sich die Empfangsreichweite zu diesem Sender. Im Suchmodus kann es zu falschen, verwirrenden Richtungspfeilen kommen."

Mindestabstand muss eingehalten werden

Rust verweist auf die Statements der  Kommissionen für Lawinenrettung und Bodenrettung aus dem Jahr 2009, in denen es unter anderem heißt: „Das beste Mittel, um EMV-Probleme (Anm.: EMV = Elektromagnetische Verträglichkeit) zu vermeiden, ist die Einhaltung von größtmöglichen Abständen zwischen den elektronischen Geräten.“ In einer Pieps-Erklärung aus dem gleichen Jahr zum Mindestabstand von elektronischen, magnetischen sowie metallische Einflussfaktoren wird empfohlen, das  LVS-Gerät im Sende-Modus mindestens 15 cm, im Empfangs-Modus: mindestens 1,5 Meter entfernt von möglichen Störquellen zu bewahren. Dazu Rust: „Die Empfehlung des 1,5m Abstandwertes im Empfangsmodus wird mit großer Wahrscheinlichkeit in einer neuen offiziellen Empfehlung verringert ausfallen.“

Auch Dieter Kotlaba von Ortovox gibt konkrete Tipps für Besitzer von LVS-Geräten: „Wir empfehlen unseren Kunden im Suchmodus, alle weiteren elektronischen Geräte auszuschalten beziehungsweise einen Mindestabstand von 0.5 Meter einzuhalten. Die Beeinflussung im Sendemodus ist glücklicherweise deutlich geringer als im Suchmodus. Hierbei sollte dennoch das Tragen von elektronischen Geräten in unmittelbarer Nähe, also wenige Zentimeter zum LVS-Geräte unbedingt vermieden werden. Die Ortovox Sicherheitsforschung möchte besonders auf jene problematische Situation hinweisen, wenn der Suchende eine aktive Action-Kamera wie GoPro, Countour oder ähnliches mittels Brustbefestigung trägt. Aufgrund der Trageweise der Kamera vor dem Oberkörper unmittelbar beim suchenden LVS-Gerät kann dieses starken Störeinflüssen ausgesetzt werden. Daher wird dringend empfohlen die Kamera bei der Suche auszuschalten.“

Ilari Dammert, Product Manager Electronics der Mammut AG, hält sich mit Aussagen zum Thema zurück. Der Experte weiß zwar, dass insbesondere das IPhone sich als besonders starke Störquelle entpuppt hat, möchte aber ohne weitere Untersuchungen kein offizielles Statement abgeben: „Das Thema ist nicht ganz so eindimensional und wird aktuell an vielen Stellen mit unterschiedlicher Gütestufe in Bezug auf die qualitativen Erkenntnisse und gemessenen Daten diskutiert. Wir haben uns entschieden, uns in einem ersten Schritt einen qualitativen Überblick zur aktuellen Situation durch eigene Testreihen zu erarbeiten – ich denke, dass diese Messungen bis Mitte März 2013 abgeschlossen sein sollten. Ohne diese qualitativen Daten wollen wir uns nicht an der allgemeinen Diskussion mit voreiligen Statements beteiligen.“

Antennenswitch bei neuen Geräten

Dass die Hersteller bei der Forschung und Entwicklung der lebensrettenden Geräte nicht untätig sind und sich der Problematik bewusst sind, betonen Kotlaba und Rust explizit. Rust verweist auf die neue Sende-Antennen-Umschaltung bei Pieps: „Der vermehrt auftretenden, praxisrelevanten Beeinflussung elektromagnetischer Störquellen, z.B. durch Smartphones, rechnet Pieps bereits seit mehreren Jahren große Bedeutung zu. Bei der Entwicklung neuer Geräte wurde auf diese Problematik reagiert: Alle neuen Pieps LVS-Geräte sind mit dem Smart Transmitter System ausgestattet – eine der drei Funktionen dieses Systems ist die automatische Sende-Antennen-Umschaltung (Auto Antenna Switch) bei externer Störung bzw. internem Defekt: Es sendet immer die Antenne, deren Signalstärke nicht beeinträchtigt ist. So kann es auch nicht zu einer reduzierten Empfangsreichweite zu diesem Gerät kommen.“ Auch Ortovox-Geräte sind schon seit einiger Zeit mit einer Smart-Antenna ausgestattet, die eine Umschaltung der Sende-Antenna bei vertikaler Geräte-Lage ermöglicht, erklärt Dieter Kotlaba von Ortovox. „Das führt in der Praxis dazu, dass eine deutlich größere Chance besteht, rechtzeitig gefunden zu werden. Eine Störungs-Immunität für LVS-Geräte, vor allem im Suchmodus, wird es - auch hinsichtlich der wachsenden Menge und Intensität der Störquellen - jedoch wohl nie geben.“

Fazit für LVS-Geräte-Besitzer

Um absolut sicher zu sein, dass das eigene LVS-Gerät auf Tour voll funktionsfähig bleibt, sollte man andere elektrische Geräte am Körper ausschalten. Sollte ein Gerät unbedingt an sein müssen, dann ist dies möglichst weit vom LVS-Gerät entfernt aufzubewahren (mind. 40 Zentimeter) und dafür zu sorgen, dass bei einem Lawinenunglück keine Chance besteht, dass Störsender und LVS-Gerät direkt aufeinanderliegen können.

Die Studie

Die Forscher aus den USA wählten folgenden Versuchsaufbau für ihre Studie: Sieben unterschiedliche elektrische Geräte wurden während der Testreihen in angeschaltetem Zustand 0, 10, 20, 30 und 40 Zentimeter vom suchenden LVS-Gerät entfernt fixiert und die Auswirkungen auf die Suchergebnisse festgestellt. Zunächst wurde auch versucht Beeinflussungen vom sendenden LVS-Gerät zu untersuchen, dies wurde aber aufgrund kaum messbarer Daten aufgegeben, heißt es in dem Untersuchungsbericht. Die Ergebnisse zeigen: Fast alle elektrischen Quellen haben messbaren Einfluss auf das Suchergebnis, vor allem IPod, Digitalkamera, GPS-Gerät, SPOT Geo-Locator und Mobiltelefon können den empfindlichen GPS-Sensor der Geräte stören. Dabei spielt die Entfernung, in der man das potentiell störende Gerät vom LVS-Gerät aufbewahrt, eine entscheidende Rolle. Die Empfehlung der Studienleiter: Alle elektronischen Produkte sollten ausgeschaltet werden, wenn man ein LVS-Gerät in einem Lawinenbereich suchen will. Wenn bestimmte elektronischen Geräte während einer Suche anbleiben müssen, dann sollten sie mindestens 40 Zentimeter vom eigenen LVS-Gerät aufbewahrt werden.