Die richtige Bekleidung ist beim Skifahren und Snowboarden das A und O. In dem Dschungel aus verschiedenen Membranen, Laminaten, Beschichtungen, Wassersäulen und anderem Fachchinesisch (NeoShell, ProShell, Performance Shield, Wind Pro…) ist es aberinzwischen für den Ottonormalverbraucher kaum noch möglich, sich auf Anhieb zurechtzufinden. Hier hilft – wie immer – ein fachkundiger Berater. Wir geben euch mit Hilfe einiger Experten einen ersten groben Überblick über die wichtigsten Begriffe und helfen euch, die richtige Bekleidung für eure Winterausrüstung zu finden.

Grundbegriffe: Von Beschichtung, Membranen und mehr

Was ist eine Beschichtung?

Eine Beschichtung ist – wie der Name bereits andeutet – eine an Textilien aufgebrachte Schicht, die zum Beispiel aus Silikon besteht. Das Problem an Beschichtungen ist generell, dass sie nicht so robust und abriebfest sind wie Membrane, weshalb zum Beispiel Gore-Tex auf deren Verwendung komplett verzichtet. Für den Alltag reichen sie aber völlig aus, da dort die Belastung des Materials viel geringer ist als beim Einsatz im alpinen Gelände.

Was ist eine Membran? Und was ein Laminat?

„Unter einer Membran versteht man ein dünnes, leichtes und funktionales Hochleistungsgewebe“, so Michael Setzer, Verantwortlicher für das Retail Marketing bei Gore-Tex. „Membran besteht aus einer mikroporösen Struktur, die sich durch Wasserdichtigkeit, Winddichtigkeit und Dampfdurchlässigkeit auszeichnet.“

Membranen sind also robuster und länger wasserdicht als Beschichtungen, außerdem lassen sie besser den Wasserdampf hindurch, was zu einem angenehmeren Tragekomfort führt. Die Membran wird mit dem Oberstoff vereint (Laminat), wodurch eine Lage entsteht. Wenn die Fütterung an der Innenseite lose an den Nähten hängt, spricht man von zweilagigen Jacken. Sie sind weich und rascheln weniger. Bei dreilagigen Jacken werden Oberschicht, Membran und Füllung zu einer Ebene vereint. Dadurch wird das Material steifer, aber auch robuster.

Was bedeutet Wassersäule?

Dabei handelt es sich um eine genormte Messmethode, um bei Textilien oder Laminaten die Wasserdichtigkeit zu bestimmen. Dabei stellt man ein zylindrisches Gefäß mit einem (genormten) Durchmesser von zehn Zentimetern auf das zu testende Objekt. Anschließend wir gemessen, wie viel Wasser man in den Zylinder einfüllen kann, bis der zunehmende Druck das Wasser durch das Laminat/die Membran drückt. Also: Je höher die Wassersäule, desto wasserdichter das Material!

Was bedeutet Dampfdurchlässigkeit?

Dampfdurchlässigkeit wird in der Mediensprache auch mit Atmungsaktivität übersetzt. Darunter versteht man den Durchgang von Wasserdampfmolekülen durch ein Material. Sie wird mit RET gemessen, einer standardisierten Messmethode vom Hohenstein Institut.

Übrigens: Selbst die beste Jacke kann nur Dampf nach außen transportieren (sog. “Atmungsaktivität”), wenn die Außentemperatur geringer als die Innentemperatur ist. Je größer der Unterschied, desto besser - mit Einschränkungen natürlich. Wenn die Temperaturen unter null fallen, kann sich die Feuchtigkeit als dünne Eisschicht auf der Oberfläche sammeln und behindert somit den Abtransport. Ist die Außentemperatur höher als innen (schon ab 15°), funktioniert die “Atmungsaktivität” nur bedingt bis gar nicht. Der Dampf sammelt sich in der Jacke und es wird feucht, ganz gleich wie teuer die Jacke war. Hier lohnt sich dann eher eine Softshell, da diese atmungsaktiver ist. Grundsätzlich gilt: “Je wasserdichter, desto weniger atmungsaktiv.”

Pro Shell, Neo Shell, Active Shell…?

Mit der Entscheidung, ob die Jacke zwei- oder dreilagig sein soll, ist der Kaufprozess jedoch noch nicht abgeschlossen. Es steht dann noch die Frage im Raum, wie wasser- oder winddicht die Jacke sein soll, wie atmungsaktiv und wie viel Bewegungsfreiheit sie gewähren soll.  Jede Marke hat ihre ganz eigenen Bezeichnungen für die hauseigenen Materialien. Dass man dabei schnell den Überblick verlieren kann, ist bei dem häufig angewendeten Fachchinesisch kein Wunder. Die meisten populären Marken verwenden inzwischen vorwiegend Materialien von Gore-Tex, Polartec oder Pertex, weshalb wir hier nun die wichtigsten 3rd Layer Bezeichnungen aus deren Produktionshallen vorstellen:

Für alle extremen Bergsportler, die kompromisslos die absolute Robustheit, dauerhafte Wasser- und Winddichtigkeit und Abriebfestigkeit benötigen, empfehlen sich Pro Shell-Jacken von Gore-Tex. Diese sind entweder als Zwei- oder Dreilagenkonstruktion erhältlich. Erstere ist weich und geräuscharm, letztere hingegen strapazierfähiger, raschelt dafür aber auch mehr. Drei Lagen sind immer dann empfehlenswert, wenn man häufiger mit (schwerem) Rucksack im Gelände unterwegs ist. Einerseits ist das Material dann robuster, andererseits gelangt gerade auch an neuralgischen Punkten wie den Schultern auch bei größerer Belastung durch die Träger kein Wasser durch die Jacke. Grundsätzlich sind diese Jacken für den wirklich extremen Einsatz bestimmt – also gerade beim ambitionierten Freeriden und Tourengehen.

Die Gore-Tex Active Shell besticht vor allem durch minimales Gewicht. Das Material ist 100% wasser- und winddicht und gerade für Ausdauersportarten gut geeignet. Wer also beispielsweise in Richtung Skirennlauf oder Skaten gehen möchte, ist mit einer Active Shell gut bedient.

Die Performance Shell von Gore-Tex ist der Allrounder unter den verschiedenen Materialkombinationen. Auch hier gibt es wieder zwei- und dreilagige Konstruktionen (zweilagig ist weicher, dreilagig ist strapazierfähiger). Die Performance Shell ist vielseitig einsetzbar und auf der Piste genauso zu Hause wie im Tiefschnee oder im Sommer auf der Bergtour. 

Auch Polartec besitzt einige Materialien, die inzwischen häufig eingesetzt werden. Das Powershield Pro ist beispielsweise der Ferrari unter den Softshells: Es ist abriebfest, windabweisend und wasserdicht (3.000 mm Wassersäule). Das Produkt kam 2010 auf den Markt und konnte seitdem zahlreiche Auszeichnungen für sich verbuchen. Es ist sowohl für den Einsatz auf der Piste als auch für sonnige Skitouren geeignet.

Die Neo Shell von Polartec ist eine Mischung aus Soft- und Hardshelljacke. Zwar besitzt die Jacke eine hohe Atmungsaktivität, ist dehnbar und weich, besticht aber dennoch mit einer Wassersäule von 10.000 Millimetern.

Zudem gibt es noch zwei Produkte, die sich der Winddichtigkeit verschrieben haben: Polartecs Wind Pro ist extrem atmungsaktiv und viermal so windabweisend wie ein gewöhnliches Fleece. Gerade bei Schneeschuhtouren oder beim Aufstieg auf Skitouren ist so etwas genau das Richtige. Das ambitioniertere Windbloc richtet sich an rauere Einsätze wie rassige Skitouren, Hochtouren oder auch Kletterei, bei denen es auf maximale Bewegungsfreiheit ankommt. Es ist 100% windabweisend, weich, dehnbar und wasserabweisend (nicht wasserdicht!). X

Wer beim Kauf auf die Bezeichnung Pertex Shield stößt, kann mit maximaler Atmungsaktivität und einer Wassersäule von 20.000 mm rechnen. Das Material ist universell und vom Einsatzbereich vergleichbar mit Polartecs Powershield Pro (hat aber die höhere Wassersäule) und Active Shell von Gore-Tex.

Neben Polartec und Gore-Tex gibt es natürlich noch viele weitere Membranen, viele Hersteller wie zum Beispiel Jack Wolfskin (Texapore) oder Mountain Hardward (Dry Q) verwenden eigene Membranen, auch Sympatex und Dermizax sind gängige Membranen für Outdoor-Bekleidung.

Welche Materialien für welchen Skifahrer?

Für Skifahrer, die vorwiegend auf der Piste unterwegs sind, empfiehlt sich je nach Wetterbedingung eine zwei- oder dreilagen-Jacke. Diese sorgt für dauerhaften Schutz aber auch für das nötige Maß an Komfort, gerade bei wechselnden Wetterbedingungen.

Skitourengeher hingegen sind meist leicht und schnell unterwegs, häufig auch mit Rucksack. Sie müssen aber dennoch optimal geschützt sein. Daher sollten hier vor allem leichte, und möglichst atmungsaktive Dreilagen-Jacken zum Einsatz kommen.

Last but not least gibt es die Gruppe der Freerider. Sie bewegen sich häufig in extremen Bedingungen und sollten daher auf Robustheit achten. Eine Dreilagen-Jacke ist dabei obligatorisch.

Worauf beim Kauf achten?

Grundsätzlich können zum Kauf von Jacken ein paar Grundregeln genannt werden: Wer häufig mit einem schweren Rucksack unterwegs ist, sollte unbedingt eine dreilagige Jacke kaufen. Hier kann es sogar hilfreich sein, wenn sie an den Schultern zusätzlich verstärkt ist. Gerade bei sportlichen Aktivitäten, bei denen die Wetterverhältnisse sich häufig ändern (Skitouren, Freeride, Alpinski) sollte darauf geachtet werden, dass die Jacken Belüftungsreißverschlüsse unter den Armen haben. Wer öfter auch mit Gurt unterwegs ist (zum Beispiel am Gletscher), dem kann ein Zwei-Wege-Reißverschluss außerdem nützlich sein. So kann man die Jacke auch von unten einige Zentimeter öffnen, wodurch sich Jacke und Seil nicht mehr in die Quere kommen. Obligatorisch für Wintersportler ist auch die Kapuze: Sie sollte nach Möglichkeit vor dem Kauf anprobiert werden, und zwar mit Helm. Denn der Schnitt der Kapuzen variiert stark, eine passende Kapuze aber sorgt bei wirklich schlechtem Wetter für einen perfekten Schutz vor Wind und Niederschlägen.

Ansonsten sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Ärmel ausreichend lang sind und die Jacke bis über die Hüfte reicht. Wer zudem häufig im Tiefschnee unterwegs ist, dem empfiehlt es sich, eine Kombination zu kaufen. Bei diesen Jacke-Hose-Sets kann man häufig die zwei Elemente per Reißverschluss miteinander verbinden. Das ist effizienter gegen Schnee als ein gewöhnlicher Schneefang, aber viel flexibler als der – zugegebenermaßen häufig wenig ästhetische – Skianzug. Jacken, mit denen man sich häufiger in den Schnee begibt, sollten jedoch zumindest einen Schneefang besitzen – also ein eingearbeitetes, elastisches Stoffband, das mit Druckknöpfen eng um die Hüfte fixiert wird. So gelangt auch bei einem Sturz kein Schnee unter die äußerste Schicht.

Die richtige Pflege

Früher galt, dass man Jacken lieber selten waschen solle. Dies stimmt nicht mehr, sie sollten besser zwei bis dreimal im Jahr in die Waschmaschine wandern, zusammen mit etwas Flüssigwaschmittel – aber ohne Weichspüler. 30 bis 40° im Schongang und die Jacke oder Hose ist wieder wie neu. Auch der Trockner macht hier nichts, im Gegenteil: Beim ersten Waschen wird dadurch sogar die Imprägnierung des Herstellers reaktiviert.

Die passenden Flüssigwaschmittel gibt es in jedem Sportladen. Allerdings enthalten viele der angebotenen Spezialmittel umwelt- und gesundheitsschädigendes Fluorkarbon – so genanntes PFC (Perfluorierte Chemikalien), welches sich wiederum in gesundheitsschädliche Perfluoroctansäure (PFOA) abbauen kann. Das Kürzel PFC war im Winter 2012/13 in die Schlagzeilen geraten, nachdem Greenpeace mit einer Studie zeigte, dass perfluorierte Chemikalien verantwortlich für Gesundheitsschäden (verminderte Fruchtbarkeit, Krebs, Schwächung des Immunsystems bei Kindern) sein können – ganz abgesehen von der Umweltschädlichkeit. Diese Chemikalien sind bei vielen Herstellern jedoch bereits bei der Produktion im Einsatz – eine dezidierte Nachfrage beim Fachhändler lohnt sich also bereits beim Kauf der Bekleidung.

Zur Pflege der Wetterschichten haben sich die Produkte von Nikwax bewährt, da sich dieses Unternehmen schon immer der Nachhaltigkeit verschrieben hat und man neben den versprochenen Reinigungs- und Imprägnierungseigenschaften noch eine weitere völlig gratis dazu bekommt: Beispielsweise sind speziell die Jacken von Haglöfs dafür berüchtigt, hakende Reißverschlüsse zu verarbeiten. Ist die Jacke einmal gewaschen, laufen die Reißverschlüsse plötzlich wie geölt.