„Wenn der Sommer nicht mehr weit ist…“ - Natürlich, ich wusste bisher immer schon, dass das meine Zeit sei. Aber meine Zeit irgendwo im Süden, am Meer, vorzugsweise am griechischen Meer. So hatte ich wenig Ahnung, was wirklich auf mich zukommen würde, als ich am Strand eines Dörfchens auf Chalkidike saß und mich mental darauf vorbereitete, Tirol von St. Johann im Osten bis nach St. Anton im Westen auf Bergwegen, Steigen und Pfaden zu durchqueren.
Natürlich ausschließlich auf Schusters Rappen.

Die Tirol Werbung hatte mich beauftragt, den Adlerweg Stück für Stück zu recherchieren, fotografieren und die Ergebnisse dann niederzuschreiben. Nicht nur niederschreiben, wie man von A nach B kommt, sondern alles, was diese Weitwanderroute interessant, schön und unvergleichlich macht, zu dokumentieren - Natur, Kultur, Geschichte. Ein Theaterwissenschaftler hatte dafür eigens ein dramaturgisches Konzept geschaffen. Rund 24.000 Höhenmeter, etwa 300 Entfernungskilometer lagen auf insgesamt 31 Tagesetappen vor mir, ein neuer, unvergleichlicher Weitwanderweg sollte entstehen.

Am Strand wusste ich freilich noch nicht, dass es nicht bei den 31 Etappen bleiben sollte. In drei Sommern durfte ich insgesamt 1.500 Kilometer und rund 90.000 Höhenmeter unterwegs sein, denn der Adlerweg fand eine kontinuierliche Erweiterung.

Heute bin ich sehr glücklich, für ein solch großartiges Projekt fast jeden Stein in Tirol „persönlich“ umgedreht zu haben. Und ein wenig Stolz - obwohl mir dieses Wort eigentlich zuwider ist - empfinde ich auch, dass die englische „Wander-Bibel“ Country Walking den Tiroler Adlerweg inzwischen unter die 50 großartigsten Wanderwege weltweit gewählt hat.

Ich war mehr als nur dabei beim Projekt „Adlerweg“, habe in drei Sommern mehr in den Tiroler Bergen gesehen und erlebt, als es anderen in einigen Leben möglich wäre. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit.

Ich möchte Euch hier die in meiner persönlichen Wahrnehmung schönsten Plätze und Etappen des Adlerwegs vorstellen, erzählen, was ich hier und da an Besonderem erleben konnte, Anekdoten erzählen, Euch teilhaben lassen an „meinem“ Adlerweg. Wetten, dass ihr dann auch startet auf den Schwingen des Adlers?

Dank der Wochen am Adlerweg wurde der Sommer auch in den Bergen meine Zeit. Und ich bin sehr froh, dass der jetzt wirklich nicht mehr weit ist.