Whiteout: Das sind die schneereichsten Gebiete der Welt!

Magazine Reisen Whiteout: Das sind die schneereichsten Gebiete der Welt!

Für die Brüder Grimm war die Sache klar: Den Schnee machte Frau Holle und die wohnte auf dem Hohen Meißner. Heute kann man jedoch statt Märchenbüchern die Datenbanken der Wetterdienste wälzen, um den Orten auf die Spur zu kommen, die besonders viel Tiefschneefreuden, Schneehaubenidylle und Flockenwirbel verheißen. Skiinfo hat für euch einmal recherchiert, wo ihr die schneereichsten Gebiete auf der Welt findet. 

Die schneereichsten Gebiete der Welt

Deutschland

Der deutsche Schneepol ist die Zugspitze, mit 2962 Metern der höchste Berg der Republik. Den Schnee messen die Wetterwarte allerdings nicht auf dem sturmumtosten Felsgipfel sondern mitten im Skigebiet, am Zugspitzplatt in rund 2650 Meter Höhe. Dort türmte sich die Schneedecke am 2. April 1944 zum bisherigen Rekordwert von 8,30 Meter auf, vier bis fünf Meter sind die Regel. Eindrucksvoll sind auch die Summen der Neuschneemengen, die während eines Winters auf das einzige Gletscherskigebiet in Bayern niedergehen. In den letzten 25 Jahren waren das durchschnittlich 18,65 Meter, im Lawinenwinter 1998/99 waren es sogar 27,5 Meter! Weltweit gibt es nur wenige erschlossene Skigebiete mit so viel Schnee.

Balderschwang mit dem meisten Schnee

Am Fuß der Zugspitze in Garmisch-Partenkirchen sieht die Sache schon etwas anders aus. Der Austragungsort der alpinen Ski-WM 2011 notiert weniger als zwei Meter jährliche Neuschneesumme. Wer sich nach tiefverschneiter Dorfidylle sehnt und Winterspaziergänge durch vor Schneelast ächzende Wälder machen möchte, sollte eher nach Balderschwang reisen. Das Bergdorf profitiert von der Lage unweit des Bodensees im Nordstau der Allgäuer Alpen. Die Kombination aus See-Effekt und der Orografie vor dem Riedbergpass lässt hier allwinterlich rund sieben Meter Schnee vom Himmel fallen, 98/99 waren es über zwölf Meter.

Schneesicherste Gebiete
Balderschwang zählt zu den schneesichersten Gebieten in Deutschland. | ©Facebook-Balderschwang

Damit fällt im nur auf 1.044 Meter hoch gelegenen Balderschwang sogar mehr Schnee als auf den höchsten Gipfeln der deutschen Mittelgebirge. Deren Rangfolge führt der Brocken im Harz an, mit 530 Zentimeter jährlicher Neuschneesumme seit 1998. Auf Platz zwei folgt der Große Arber im Bayerischen Wald mit 496 Zentimetern. Bronze geht mit knapp über vier Meter an den Fichtelberg im Erzgebirge. Gemessen wird der gefallene Neuschnee übrigens nicht als Differenzbetrag zur Schneedecke am Vortag sondern auf einer am vorherigen Morgen vom Schnee befreiten Fläche. Ansonsten könnten Setzungsprozesse in der Schneedecke die Ergebnisse verfälschen.

Österreich

Schneereichstes Dorf Österreichs ist Damüls im Bregenzerwald. Dank seiner 930 Zentimeter jährlicher Neuschneesumme reichen die Schneemassen hier oft bis zur Dachkante. Das ebenfalls im Bregenzerwald gelegene Schröcken (1.263 Meter) notiert nach Angaben der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie (ZAMG) 916 Zentimeter. Schröckens Lifte starten indes erst am 1.676 Meter hohen Hochtannbergpass. Dort werden rund elf Meter Neuschnee pro Winter gemessen. Die österreichische Wetterstation mit der größten Schneemenge ist der 3.100 Meter hohe Sonnblick in den Hohen Tauern: 22,66 Meter im Mittel der Jahre 1971 bis 2000. Der Rekordwert beträgt 31,12 Meter und die höchste gemessene Schneedecke liegt bei 11,9 Metern. Das Skigebiet am Mölltaler Gletscher ist nur vier Kilometer entfernt.

USA

Trotzdem gibt es noch schneereichere Dörfer als Damüls. Zum Beispiel Alta im US-Bundesstaat Utah mit seinen 12,9 Meter Neuschneesumme, gemessen über einen Zeitraum von 110 Jahren (in den letzten Jahren waren es durchschnittlich 13,3 Meter und im Rekordwinter 1982/83 sogar 23 Meter). Auch die Qualität stimmt hier: Nur etwas mehr als acht Prozent Wasser enthält der frisch gefallene Schnee. Noch trockener ist der Stoff freilich in Big Sky in Montana. Dort nennt man ihn Cold Smoke (kalten Rauch). Ein Kubikmeter frisch gefallener Schnee wiegt nur 41 Kilogramm. Zum Vergleich: Ein Kubikmeter Wasser wiegt 1.000 Kilogramm. Die Schneedecke besteht in Big Sky also zu fast 96 Prozent aus Luft!

schneereichste Gebiete
Big Sky Resort in Montana. | ©Glenniss Indreland

Wegen des Pazifik ist der Schnee an der Westküste des amerikanischen Kontinents zwar viel feuchter, dafür fällt er aus demselben Grund in Massen: Rekordhalter für die größte Neuschneesumme in einer Saison ist der Mount Baker im Staat Washington. Im Winter 1998/99 fielen dort 28,96 Meter Schnee – laut Guinness-Buch der Rekorde Weltrekord für eine Skistation! Im Mittel sind es immerhin noch mehr als 18 Meter und die Schneedecke erreicht in einem normalen Winter 4,75 Meter Mächtigkeit! Auch anderswo entlang der amerikanischen Pazifikküste fällt viel Schnee. An der Bergstation von Alyeska in Alaska waren es in den letzten 15 Jahren 18,26 Meter (2011/12 sogar 24,8 Meter), im kalifornischen Squaw Valley rund zwölf Meter.

Schweiz

Schneereichstes Dorf der Schweiz ist Braunwald mit kumulierten 876 Zentimetern. Arosa schneidet mit 723 Zentimetern auch nicht schlecht ab. Fährt man in alpinen Skigebieten höher hinauf, nehmen die Schneefallmengen weiter zu. Am 2.472 Meter hohen Großen St. Bernard in der Schweiz wurden zwischen 1961 und 1990 durchschnittlich 1653 Zentimeter Neuschnee pro Jahr gemessen. Das dortige Skigebiet war wegen der schneebedingten Straßensperre erst ab Juni zugänglich. Das verkürzte die Saison so sehr, dass das kleine Skigebiet schon vor langer Zeit seine Pforten schließen musste.

Schneesicherste Gebiete
Braunwald zählt zu einen der schneesichersten Gebiete in der Schweiz.

Seit Ende der achtziger Jahre sind die Schneefallmengen in der Schweiz jedoch deutlich zurückgegangen. In Zermatt, Adelboden und San Bernadino im Zeitraum 1981 bis 2010 gegenüber 1961 bis 1990 jeweils um knapp 20 Prozent. Statt 646 Zentimetern fielen in San Bernadino nur noch 522, in Adelboden ging es absolut gesehen von 524 auf 422 Zentimeter runter. Fast gleich blieb die Schneefallmenge mit rund acht Metern nur am Berninapass. Die dortigen Skiberge Lagalb und Diavolezza sind also nach wie vor für viele Tage mit frischem Schnee gut und dementsprechend beliebt bei Freeridern.

Höchste Wetterstation Europas

Das Sphinx-Observatorium ist eine Forschungs- und Wetterstation, die sich auf dem Jungfraujoch in der Schweiz befindet. Die Station steht auf der Felsenkuppe „Sphinx“ und ist mit einer Höhe von 3.571 Meter, die höchstgelegene Wetterstation Europas. Das mit einem 111,4 Meter langen Lift erschlossene Gebäude dient aber nicht nur Meteorologen, Strahlungsforschern und Astronomen für ihre Forschungszwecke. Die Aussichtsplattform bietet Besuchern bei schönem Wetter einen Ausblick bis in die Nachbarländer Frankreich, Deutschland und Italien. Die höchste Wetterstation der Welt liegt auf dem Mount Everest. Die Klimaforscher Baker Perry und Tom Matthews stellten gemeinsam mit einem Team von Sherpas eine Wetterstation auf dem Balcony des Mount Everest, in rund 8.400 Meter über dem Meeresspiegel auf.

Übrigens, der tiefste jemals gemessene Schnee in Europa wurde im Jahr 1999 in Santis in der Schweiz gemessen und war 8,2 Meter tief.

Norwegen

Außerhalb der Alpen gilt vor allem Fjordnorwegen als sichere Bank für reichlich Schnee. Am rund 1300 Meter hohen Ålfotbreen wurden bis zu 49 Meter Schneefall pro Jahr registriert. Rund 20 bis 30 Meter werden auch den Sommerskigebieten von Stryn und Folgefonna zugeschrieben, allerdings sind das inoffizielle Werte. Als ‚schneereichsten Ort Europas‘ bezeichnet das norwegische Patentamt daher den Ort Røldal, mit seinen 12 Meter Schneefall pro Jahr. Allerdings wird der Niederschlag hier nicht im Dorf sondern im einige hundert Meter höher gelegenen Skigebiet gemessen.

Schweden

Wenn es um die schneereichsten Gebiete geht, darf der Zungenbrecher Funäsdalsfjällen nicht fehlen. Hierbei handelt es sich um Schwedens schneesicherste Wintersportregion und besteht aus den folgenden Teilgebieten: FunäsdalenRamundbergetTänndalenBruksvallarnaLjusnedalMesslingen (Mittådalen), Tännäs and Fjällnäs. Laut Angaben des schwedischen meteorologischen und hydrologischen Instituts (SMHI) zählt das Gebiet um Funäsdalsfjällen zum schneesichersten Wintersportregion des Landes. Jedes Jahr ab November, verwandelt sich die idyllische Bergregion in eine gigantisches Wintersportareal. Die Region Funäsdalsfjällen liegt auf einigen Huntert Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Auf Grund des ständigen Schneefalls müssen die Pisten nur in den seltensten Fällen künstlich beschneit werden. Der ständig frische und griffige Pulverschnee gewährleistet eine durchgängig hohe Qualität der Skipisten.

Åre

Åre
Die Schneemassen in Åre. | ©Maria GG

Das bringt uns zum größten Skigebiet in Schweden: Åre. Das Skigebiet ist Schwedens und Nordeuropas größtes, modernstes und abwechslungsreichstes Wintersportgebiet. Die Region befindet sich rund um Åre in Mittelschweden, in der Provinz Jämtland an der Grenze zu Norwegen. Ein breites Angebot zum Skifahren oder andere Wintersportarten, bieten Aktivitäten auf hohem Niveau. Satte 91 km an Pisten stehen Skifahrern und Snowboardern zur Verfügung. Das gesamte Wintersportgebiet liegt auf einer Höhe von 380 bis 1.274 m.

Japan

Die Schnee­mau­er von Toyama
Die Schnee­mau­er von Toyama. | ©Jayson-Photography

Aber all das reicht nicht heran an die phantastischen Schneemassen, die allwinterlich im ‚yukiguni‘, zu Deutsch Schneeland, niedergehen. Das liegt an der Westseite der japanischen Hauptinsel Honshu. Kalte Luft, die aus dem nahe gelegenen Sibirien über das Wasser der japanischen See heranrauscht und dabei extrem viel Feuchtigkeit aufnimmt, trifft hier auf die steil aufragende Kette der über 3000 Meter hohen japanischen Alpen. Die quetschen auch noch die letzte Schneeflocke aus den mit weißer Fracht überladenen Wolken.

Schneereichste Region der Welt

Das Ergebnis: sagenhafte 30 bis 38 Meter Neuschnee pro Winter. Dadurch zählen die japanischen Alpen zur schneereichsten Region auf der Welt. Sagenhaft auch deshalb, weil in den schneereichsten Regionen keine offiziellen Wetterstationen stehen – die Gegend ist schlichtweg unbewohnbar. Die Station mit der höchsten Schneefallmenge steht im nur 890 Meter hoch gelegenen Badeort Sukayu Onsen im Norden von Honshu. Hier kommen allwinterlich immerhin 1764 Zentimeter Neuschnee zusammen.

Höchste Schneedecke der Welt

Der extrem tiefe Schnee wie hier in Toyama dient gleichzeitig als Touristenattraktion und zieht das ganze Jahr über Touristen in die Winterlandschaft. Die beeindruckenden Schneedecke an den geräumten Straßen können locker eine Höhe von 15 Metern erreichen. Der tiefste natürliche Schnee der hier jemals gemessen wurde und gleichzeitig der tiefste Schnee der Welt war 11,82 Meter tief auf Mount Ibuki in der Provinz Shiga, ebenfalls in Honshu.

Neuseeland

Auf den Gletscher geht es nur mit dem Hubschrauber
Auf den Gletscher geht es nur mit dem Hubschrauber. | ©Blue Planet Studio

Auch in anderen Weltgegenden sind es die Westküsten, die den Schnee wie magisch anziehen. In den neuseeländischen Alpen, die unvermittelt fast 4000 Meter aus dem Pazifik aufragen, verzeichnen die Gletscherfelder des Mount Tasman geschätzte 100 Meter Neuschnee im Jahr. Zum Start der Skiabfahrt über den 25 Kilometer langen Tasmangletscher gelangt man nur per Hubschrauber, Lifte würden in den Schneemassen untergehen.

Mehr Informationen zum Wetter findet ihr zum Beispiel bei folgenden Wetterdiensten:

www.dwd.de 

www.zamg.at 

www.meteoschweiz.ch 

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