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Anspruchsvolle Wanderungen und Bergtouren im Allgäu: Tipps einer Einheimischen (2)

29. April 2020 | Frieda Knorke

News Regionen: Allgäu

Der Weg zum Klettersteig Hohe Gänge ist anfangs noch breit und gemütlich

Der Weg zum Klettersteig Hohe Gänge ist anfangs noch breit und gemütlich

Copyright: Frieda Knorke

Bergtour 1: Vom Breitenberg zur Rotspitze („Hohe Gänge“)


Die Tour vom Breitenberg  über den Klettersteig „Hohe Gänge“ weiter zur Rotspitze steht häufig im Schatten des berühmten Hindelanger Klettersteigs. Offiziell zählen zwar diese zwei Eisenwege zusammen, in Wahrheit gehen aber die Wenigstens bis hier her. Gut für all jene, die diese etwas weniger bekannten Gipfel im Allgäu erklimmen möchten.

 

Abseits der Massen erwartet den Bergsteiger zunächst ein herrlicher, abwechslungsreicher Aufstieg zum Breitenberg. Vorbei am kuriosen Kutschenmuseum bei Hinterstein, geht es durch Wälder und später über ausgedehnte Kuhweiden bis zum Gipfelgrat. Das alte Gipfelkreuz hält dort inzwischen als Sitzbank her und gewährt eine gemütliche Rast, bevor es nun anspruchsvoller wird: Über einen Felsgrat, der an allen kritischen Stellen mit Drahtseilen entschärft wurde, führt unser Weg zur Heubatspitze, wo die größten Schwierigkeiten schon wieder vorbei sind. Erst nach der Rotspitze, dem dritten Aussichtsberg auf dieser Tour, wartet noch einmal ein felsiger Abstieg. In zahllosen winzigen Serpentinen führt der Weg hinab ins Häbelesgund und weiter in Richtung Hinterstein. Zugegeben, die letzten Kilometer ziehen sich, aber für solch eine Traumtour nimmt man das doch gerne in Kauf!

Quickfacts:

Ab wann möglich? Frühestens im Juni, wenn man keinen Schneefeldern mehr begegnen möchte.

Höhenmeter und Dauer: knapp 1.400 Höhenmeter, tagesfüllende Tour!

Schwierigkeit: Steiles Stück zum Breitenberg, teils etwas ausgesetzter Felsgrat (Klettersteig „Hohe Gänge“ A/B) zur Heubatspitze, steiler Abstieg von der Rotspitze. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich.

Talort: Hinterstein bei Bad Hindelang

Track und Karte

 

Entschenkopf  - © Frieda Knorke

Entschenkopf

Copyright: Frieda Knorke

 

Bergtour 2: Im Schatten des Rubihorns | Entschenkopf Überschreitung


Das Rubihorn fehlt in keinem Wanderführer, dementsprechend geht es auf dem Gipfel zu. Dass direkt gegenüber aber ein unscheinbarer Berg mit einer mindestens ebenso schönen Tour aufwartet, das wissen nur die Einheimischen. Der Entschenkopf ist natürlich nicht so imposant wie sein Nachbar, denn die dunkle Rubihorn-Nordwand ist einfach einmalig. Aber besteigt man seinen Nachbarn, hat man diese imposante Mauer dafür immer im Blick!

 

Unser Weg führt uns zunächst entlang des Gaisalpbaches bis zur gleichnamigen bewirtschafteten Alpe. Von nun an öffnet sich die Landschaft und man wandert zwischen Wäldern und Wiesen bis zur Senke zwischen Schnippen- und Entschenkopf. Wir halten uns rechts und gelangen steil durch Latschen bis zum felsigen Gipfelaufbau, der Konzentration und Trittsicherheit fordert. Ehe man sich versieht, steht man aber am Gipfelkreuz und kann die mächtige Bergwelt auf sich wirken lassen. Der Abstieg erfolgt anschließend über den Südgrat und wartet abermals mit der ein oder anderen kniffligen Stelle auf. Nachdem man einen letzten Felszapfen umgangen hat (Drahtseile), sind alle Schwierigkeiten vorüber und wir wandern entlang der beiden Gaisalpseen hinunter zur Gaisalpe, wo die Brotzeit nach solch einer Tour garantiert doppelt so gut schmeckt.

Quickfacts:

Ab wann möglich? Frühestens im Juni, wenn man keinen Schneefeldern mehr begegnen möchte.

Höhenmeter und Dauer: knapp 1.300 Höhenmeter, tagesfüllende Tour!

Schwierigkeit: Ungesicherte Kraxelei zum Gipfel, ausgesetzte Stellen im Abstieg auf dem Grat.

Talort: Reichenbach bei Oberstdorf

Track und Karte

 

Die Höfats vom Großen Wilden aus gesehen  - © Frieda Knorke

Die Höfats vom Großen Wilden aus gesehen

Copyright: Frieda Knorke

 

Bergtour 3: Für echte Bergsteiger | Großer Wilder


Die mit Abstand anspruchsvollste Tour in dieser Aufzählung ist der Aufstieg zum Großen Wilden. Sie führt uns in das Herz der Allgäuer Alpen und gewährt freien Blick auf die berühmtesten aller Allgäuer Gipfel: Während des Aufstiegs begleitet uns der Schneck mit seiner beeindruckenden Ostwand, am Gipfel liegt die Höfats uns zu Füßen, ganz hinten ragen Trettach und Mädelegabel empor, auf der anderen Seite wartet der markante Hochvogel – wahrhaftig das „Who is Who“ der Allgäuer Berge. Diese Aussicht muss sich aber erst verdient werden, denn der Zustieg ist lang und die Kletterei im zweiten Schwierigkeitsgrad gefährlich. Gesichert ist nichts, nur spärliche Markierungen weisen den Weg. Orientierungssinn, Klettererfahrung und keinerlei Höhenangst sind zwingend erforderlich, denn wer einmal hoch gestiegen ist, muss auf dem gleichen Weg auch wieder herunter.

Am besten beginnt man diese Tour mit dem Fahrrad in Hinterstein. Auf geteerten Wegen geht es zunächst zum Giebelhaus und weiter zur Point-Hütte. Ab hier wandert man auf wunderschönen Bergpfaden bis zum Himmeleck, der Senke zwischen Schneck und Großem Wilden. Von nun geht es auf einer meist gut sichtbaren Pfadspur entlang des Grates in Richtung Gipfel. Hin und wieder findet man eine rote Wegmarkierung, aber Wachsamkeit und einer guter Routenspürsinn sind hilfreich. Die Schlüsselstelle bildet ein plattige II-er Stelle, die an sich nicht sonderlich schwer, aber mit so viel Luft unter den Sohlen doch unangenehm sein kann – immerhin muss man dort auch wieder hinunter. Hat man diesen Bereich hinter sich, geht es über gerölligen Fels bis zum Gifelkreuz, bei dem ruhig die Kinnlade herunterklappen darf, denn das Panorama sucht seinesgleichen. Der Abstieg erfolgt auf der Aufstiegsroute, ggf. besteigt man noch den Schneck, dessen Reitergrat zum Hauptgipfel an Ausgesetztheit kaum zu überbieten ist.

Quickfacts:

Ab wann möglich? Frühestens im Juni, wenn man keinen Schneefeldern mehr begegnen möchte.

Höhenmeter und Dauer: 1.300 Höhenmeter, tagesfüllende Tour!

Schwierigkeit: Völlig ungesicherte Kletterei (II) entlang des Grates bis zum Gipfel. Absturzgefahr!

Talort: Hinterstein bei Bad Hindelang

Track und Karte

 

Hier findet ihr alle Bilder zu den vorgeschlagen Touren!

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