Schnee steht für Winterfreude, Pulverschnee und unvergessliche Tage in den Bergen. Doch die weiße Pracht kann schnell zur ernsten Gefahr werden. Gerade in den Alpen ist die Lawinengefahr in vielen Wintern weiterhin hoch und stellt Skifahrer, Snowboarder und Tourengeher vor große Herausforderungen. Wer sich abseits gesicherter Pisten bewegt oder auch nur bei schwierigen Wetterlagen unterwegs ist, sollte die Risiken kennen. Denn Lawinenabgänge, schlechte Sicht oder extreme Wetterumschwünge gehören zu den größten Gefahren im alpinen Raum.

In diesem Artikel erklären wir, wie Lawinen entstehen, welche Lawinenarten es gibt und warum selbst erfahrene Wintersportler die Situation oft unterschätzen. Außerdem werfen wir einen Blick auf weitere Risiken wie Whiteout, Sturm und Kälte, die Schnee und Winterwetter mit sich bringen können.
Allgemeines zur Entstehung von Lawinen
Jeden Winter steigt mit zunehmender Schneemenge die Lawinengefahr an den Hängen der Berge an. Dahinter steckt ein einfaches, physikalisches Prinzip: Solange die Haftkraft innerhalb einer Schneedecke größer als die Zugkraft ist, passiert nichts. Die Haftkraft kann jedoch nicht beliebig anwachsen. Wenn sie maximal wird, fängt die Schneeschicht an zu gleiten. Wo und wann genau sich eine Lawine ablöst, ist aber schwer vorherzusagen. Das macht Lawinen so gefährlich. Oft werden diese auch durch zusätzliches Gewicht ausgelöst.
Als Lawine kann übrigens neben Schnee auch der Abgang von Eis oder Schlamm bezeichnet werden. Man kann zwei unterschiedliche Arten von Schneelawinen unterscheiden: die Schneebrettlawinen und Lockerschneelawinen. Generell kann man sagen, dass Lawinen an der windabgewandten Seite der Berge am häufigsten auftreten. Die Analyse der Lawinengefahr ist jedoch sehr komplex. Bei einem Ausflug ins schneebedecktes Hochgebirge ist es also unabdingbar, sich vorher genauestens über die Lawinengefahr zu informieren. Auch eigene Beobachtungen zum Aufbau bzw. zu Rissen in der Schneedecke und die Kenntnis über die Entwicklung der Wetterlage tragen zur Sicherheit bei.
Die Schneebrettlawine
Diese Lawinenart tritt meist bei einer Hangneigung zwischen 30 und 50° auf. Dabei löst sich eine Schneeschicht entlang einer Abrisskante quer zum Hang und gerät in Bewegung. Das kann zum Beispiel passieren, wenn Neuschnee auf eine hart gefrorene Altschneedecke fällt und wenig Halt findet. Aus einem abrutschendem Schneebrett kann sich auch eine Staublawine bilden.

Die Lockerschneelawine
Eine Lockerschneelawine entsteht, wenn sich oberflächlich liegender, ungebundener Schnee löst. Der Lawinenabgang beginnt meist punktförmig und breitet sich beim Abrutschen fächerförmig aus. Aus diesem Grund wird sie auch häufig als „Punktlawine“ bezeichnet. Sie tritt vor allem an steileren Hängen mit einer Neigung von etwa 40 bis 60 Grad auf und kommt überwiegend bei ungefestigtem Schnee vor.
Lockerschneelawinen entstehen häufig nach Neuschneefällen oder bei starker Sonneneinstrahlung, wenn der Schnee an der Oberfläche seine Stabilität verliert. In der Regel sind sie kleiner als Schneebrettlawinen, können aber in steilem Gelände dennoch sehr gefährlich sein, besonders für einzelne Personen, die mitgerissen werden oder über felsiges Gelände abstürzen können.
Die Staublawine
Eine Staublawine ist eine besonders gefährliche und spektakuläre Form der Lawine. Sie entsteht meist aus einer großen Schneebrettlawine und entwickelt sich bei sehr trockenem, lockerem Schnee. Durch die enorme Geschwindigkeit, oft über 100 km/h, wird der Schnee fein zerstäubt und bildet eine gewaltige Staubwolke, die sich wie eine Druckwelle talwärts bewegt.
Das Gefährliche an Staublawinen ist nicht nur die Schneemasse selbst, sondern vor allem der starke Luftdruck. Dieser kann Menschen mitreißen, Bäume umknicken und Gebäude beschädigen. Zudem wird die Sicht komplett genommen, was eine Orientierung unmöglich macht. Staublawinen treten meist an sehr steilen Hängen und bei kalten Temperaturen auf.
Das Phänomen Whiteout
Eine weitere Gefahr für Skifahrer stellen schlechte Sichtbedingungen bei der Abfahrt dar. Die Kombination aus Schneefall und Nebel kann zum sogenannten Whiteout führen. Hier sind die Lichtverhältnisse besonders diffus und es werden keine Helligkeitsunterschiede und auch der Horizont nicht mehr wahrgenommen. Das kann zur Desorientierung und Gleichgewichtsverlust führen. Bei solchen Bedingungen sollte man sich vorher ausreichend über den Routenverlauf informieren, um ein Abgleiten in lawinengefährdete Gebiete zu vermeiden.

Auch eine geeignete Skibrille mit großem Sichtfeld ist bei solch widrigen Bedingungen wichtig. Sie kann die Wahrnehmung von Kontrast verstärken, sodass Geländekanten und Skispuren besser zu sehen sind. Im Zweifelsfalle sollte man lieber eine Besserung der Wetterverhältnisse abwarten oder umkehren und sich anhand der eigenen Spuren auf bekannte Wege begeben.
Lawinenberichte
Vor jeder Tour solltest du dich über die Schnee Beschaffenheit sowie das Wetter informieren. Zur aktuellen Lawinengefährdung im Alpenraum könnt ihr euch unter lawinen.report bzw. bei den einzelnen Lawinenwarndiensten informieren.
Um dich vor Lawinen zu schützen, ist es wichtig, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Durch gute Planung, die Kombination dieser Maßnahmen kannst du das Risiko von Lawinenunfällen minimieren und deine Sicherheit abseits der Piste erhöhen. Hier sind einige Tipps:
- Lawinenkunde: Bildung ist der Schlüssel. Lerne, Lawinengefahren zu erkennen, indem du an Lawinenkursen teilnimmst und dich über die örtlichen Lawinenlageberichte informierst.
- Ausrüstung: Trage immer die richtige Sicherheitsausrüstung bei Touren abseits der gesicherten Pisten. Dazu gehören ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät), eine Sonde und eine Schaufel.
- Lawinenlageberichte: Überprüfe vor deiner Tour die aktuellen Lawinenlageberichte. Meide Gebiete mit erhöhtem Lawinenrisiko und passe deine Route entsprechend an.
- Gruppenplanung: Gehe nie alleine in lawinengefährdete Gebiete. Plane Touren mit erfahrenen Begleitern und informiere jemanden über deine geplante Route.
- Sicherheitsabstand: Halte ausreichend Abstand zu anderen Gruppenmitgliedern, um das Risiko einer Mehrfachverschüttung zu minimieren.
- Richtiges Verhalten im Gelände: Achte darauf, welche Hänge du befährst, und meide steile, lawinengefährdete Abhänge. Vermeide das Auslösen von Lawinen, indem du dich auf stabilen Hängen aufhältst.
- Notfalltraining: Übe regelmäßig den Umgang mit deinem LVS-Gerät, deiner Sonde und deiner Schaufel. Kenne die richtigen Schritte bei einer Lawinenrettung.
- Wetterbedingungen: Beachte die aktuellen Wetterbedingungen, insbesondere Temperaturänderungen und Neuschnee, da dies das Lawinenrisiko beeinflusst.
- Rettungsdienst informieren: Informiere Freunde, Familie oder Rettungsdienste über deine geplante Route und deine Rückkehrzeit.
- Selbstreflexion: Sei realistisch über deine Fähigkeiten und dein Wissen. Vermeide übermäßigen Leichtsinn und passe deine Pläne an die aktuellen Bedingungen an.
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