Wie wird der Winter 2021/2022? Das sagen Meteorologen, Modelle & Institute

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Es ist Herbst geworden und der Winter steht vor der Tür. Wie wird der Winter in diesem Jahr? Wann fällt der erste Schnee? Ein eisiger Winter mit Schneemassen oder ein verregneter Mildwinter? Ist eine Wettervorhersage überhaupt möglich? Wir von Skiinfo klären euch auf und werfen einen Blick auf die Fakten.

 

Jedes Jahr bekommen Meteorologen die gleiche Frage nach dem kommenden Winter gestellt. Einige lassen sich zu einer Aussage hinreißen. Aber eine Verifikation dieser „Winterprognosen“ findet sich selten in den Medien. Wahrscheinlich weil die Trefferquote ziemlich gering ist und hier auch das Zufallsprinzip greifen könnte. Es gibt jedoch in diesem Jahr einige Anomalien, auf die es sich lohnt, einen Blick zu werfen.

Wetter ist chaotisch

Das Wetter für einige Tage im Voraus einigermaßen verlässlich vorherzusagen ist heutzutage kein Problem. Dabei wächst jedoch mit jedem weiteren Tag der Unsicherheitsbereich. Außerdem kommt es auf die Wetterlage an. Ein stabiles Hoch lässt sich auch mal eine Woche im Voraus, ein Sturmtief manchmal erst wenige Tage oder sogar Stunden im Voraus prognostizieren. Bei einer WETTERvorhersage über mehrere Wochen oder gar Monate läuft die Trefferwahrscheinlichkeit also gegen 0. Wenn die Vorhersage tatsächlich doch mal stimmt, ist das dem Zufall und nicht der korrekten Berechnung geschuldet. Die Wettermodelle können den Zustand der Atmosphäre nämlich immer nur annähernd und nie exakt berechnen.

Somit ist eine Wettervorhersage für den Winter immer mit einem sehr großen Unsicherheitsbereich verbunden. Daher schaut man sich am besten das gemittelte Wetter über einen Monat an. Hieraus kann man am ehesten noch einen Trend ableiten, da Wetterlagen z.B. häufig dazu neigen, sich innerhalb kurzer Zeit zu wiederholen. Das hat sich zum Beispiel im Dürre-Sommer 2018 oder im extrem schneereichen Januar 2019 bewahrheitet.

Was sagen die Modelle?

Beginnen wir mit dem europäischen Wettermodell. Dieses sagt einen durchschnittlichen bis leicht zu kühlen Dezember und Januar voraus. Für den Februar berechnet es dagegen eine positive Abweichung zwischen 0,5 und 1 Grad. Beim Niederschlag soll der Dezember in Deutschland und im Alpenraum aber zu trocken ausfallen. Im Januar und Februar sollen durchschnittlich viele Niederschläge fallen. Daraus könnte man also schließen, dass schneetechnisch der Januar die beste Wahl ist. Die Prognose stammt allerdings schon vom 1. Oktober, das heißt, die Daten der letzten Wochen sind hier noch nicht mit in die Prognose eingeflossen.

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Das europäische Wettermodell EZMWF berechnet für Deutschland und den Alpenraum im Dezember durchschnittliche bis leicht zu kalte Temperaturen. (Quelle: EFFIS )

 

Amerikanisches CFS

Das amerikanische Wettermodell CFS der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) wird hingegen häufiger neu berechnet. Hier wurde die Berechnung mit Daten bis zum 23. Oktober gefüttert. Das Ergebnis: Auch hier wird der Dezember nur mit durchschnittlichen Temperaturen berechnet. Am wärmsten wäre hier der Januar mit einer positiven Abweichung zwischen 1 und 3 Grad. Niederschlag wird im Alpenraum in allen Wintermonaten (Dezember, Januar, Februar) überdurchschnittlich berechnet. Das könnte also für viel Schnee zumindest in höheren Lagen sprechen.

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Das amerikanische Langfristmodell berechnet im Dezember durchschnittliche Temperaturen in Mitteleuropa und positive Anomalien in Osteuropa. (Quelle: NOAA)

 

Welchen Einfluss hat der Polarwirbel?

Der Polarwirbel ist im Bereich der Stratosphäre in 10 bis 50 Kilometern Höhe über den Polen zu finden. Es ist ein Gebiet sehr kalter Luft, welches von extrem starken Winden umschlossen wird. Es kann jedoch vorkommen, dass der Polarwirbel gestört wird, wenn zum Beispiel warme Luft aus dem Pazifik bis in die Polarregionen vordringt. In Extremfällen kann es auch zu einer Teilung, dem so genannten Polarwirbelsplit kommen. Das hat in Mitteleuropa zur Folge, dass die Wahrscheinlichkeit für Kaltlufteinbrüche zunimmt. Die normalerweise starke Westwinddrift kommt größtenteils zum Erliegen. Eine Garantie für Winterwetter ist der Polarwirbelsplit aber nicht, denn wenn kalte Luft nach Süden strömt, strömt nicht weit entfernt warme Luft nach Norden. Je nachdem, in welcher „Ausbeulung“ des Jetstreams wir uns befinden, heißt es eben Vollwinter oder Milddüse.

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Vom amerikanischen Wettermodell GFS wird in den nächsten zwei Wochen kein Polarwirbelsplit gezeigt. (Quelle: Wetterzentrale)

Amerikanisches GFS Modell

Aktuell reicht die Vorhersage des amerikanischen Modell GFS bis zum 13. November. Bis dahin macht der Polarwirbel einen gesunden Eindruck. Es ist kein Split zu erkennen. Sollte sich im Laufe des Winters dennoch ein Split vollziehen, dauert es meist einige Wochen, bis sich die Änderung in die tiefer gelegene Troposphäre durchsetzt. Dem extrem kalten und schneereichen Dezember 2010 sowie dem eisigen März 2013 war ein Polarwirbelsplit vorausgegangen. Es lohnt sich also, die Entwicklung des Polarwirbels im Laufe des Winters gut zu beobachten.

 

Hat La Niña Auswirkungen auf unser Winterwetter?

La Niña bezeichnet eine Zirkulationsanomalie im tropischen Ostpazifik. Dabei wird das warme Oberflächenwasser durch einen verstärkten Passatwind nach Südostasien getrieben, während kaltes Wasser aus der Tiefe von der Küste Südamerikas nachströmt. Das hat weltweite Auswirkungen. Über Australien und Ozeanien gibt es zum Teil extreme Regenfälle, im Süden der USA ist es trocken und warm. Das Phänomen hat auch Auswirkungen auf das Wetter in Europa. Allerdings sind die Zusammenhänge komplex und daher die Folgen nicht eindeutig. Bereits im letzten Jahr gab es eine La Niña Anomalie – der folgende Winter war in nahezu ganz Europa teils deutlich zu warm und regional sehr feucht. Allerdings wurde das Phänomen auch vor dem kalten Winter 2010/11 beobachtet. Das zeigt, dass es also mit den Auswirkungen auf unser Winterwetter nicht so einfach ist.

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Die Grafik der Meerestemperatur-Abweichungen vom 22. Oktober zeigt die Kaltwasseranomalie „La Niña“ im Ostpazifik. (Quelle: NOAA)

 

Wie sieht die Statistik der letzten Jahre aus?

In Deutschland ist 2021 derzeit auf dem Kurs das kälteste Jahr seit 2013 zu werden. Besonders von den letzten drei Jahren hebt sich 2021 ab. 2018, 2019 und 2020 waren allesamt zu trocken und mit 2 Grad über dem Mittel von 1961 bis 1990 deutlich zu warm. 2021 ist aktuell nur 0,8 Grad wärmer als das Mittel und selbst ohne November und Dezember örtlich regenreicher als die Vorjahre. Setzt sich diese Anomalie fort, könnten wir einen kalten oder vielleicht sogar schneereichen Winter bekommen. Die letzten zu kalten Winter (gemessen am Klimamittel) gab es 2008/09, 2009/10 und 2010/11. Vor allem der extrem kalte und schneereiche Dezember 2010 ist sicher vielen noch in Erinnerung.

Das Wetter hält sich jedoch an keine statistischen Regelmäßigkeiten, weshalb wir auch aus dieser Rubrik keine eindeutige Winterprognose ableiten können.

 

Wann können wir mit dem ersten Schnee rechnen?

Kehren wir jedoch in den Bereich der möglichen Wettervohersage zurück, lässt sich durchaus eine Aussage treffen. Der Oktober war bisher häufig durch milde Luftmassen und hohen Luftdruck geprägt. Schnee gab es kaum. Doch das könnte sich zum November durchaus ändern: Die Strömung kippt von Südwest auf Nordwest. Damit gelangen anstatt milder Luftmassen deutlich kältere, polare Luftmassen in den Alpenraum.

Vorerst viel Regen

Somit deutet sich ab Montag eine nasskalte Episode an, bei der zunächst Regen fällt, die Schneefallgrenze aber im Verlauf der Woche bis auf etwa 1000 Meter absinken kann. In den Bergen könnte es bis zum Ende der nächsten Woche durchaus einiges an Neuschnee geben! Die genaue Entwicklung muss allerdings noch abgewartet werden. Ob es für Schnee bis in die Tallagen reicht ist unsicher. Eventuell ist die Luftmasse noch nicht kalt genug. Im weiteren Verlauf des Novembers stehen die Zeichen auf Hochdruck und eher auf trockenes und mildes Wetter. Das würde zu den Langfristprognosen passen, diese deuten nämlich einen milden November an.

Lappland kann sich schon freuen – wir müssen geduldig bleiben

Eine interessante Entwicklung gibt es aktuell im hohen Norden. In Lappland liegt teils schon über ein halber Meter Schnee. Für Finnland ist das sogar ein neuer Oktoberrekord. Auch große Teile Sibiriens sind schon schneebedeckt. Für unseren Winterverlauf ist das durchaus von Bedeutung. Über einer Schneedecke und den langen Nächten kann sich die Luft sehr stark abkühlen. Bei einer Ost- oder Nordwetterlage erreicht uns dann diese eisige Luft.

Aber wie man es auch dreht und wendet, alles was über ein bis zwei Wochen hinausgeht, bleibt reine Spekulation. In Mitteleuropa ist die Interaktion verschiedener Faktoren zu komplex, um eine langfristige Prognose ableiten zu können. Daher ist es wie in jedem Jahr: Wir müssen abwarten und das Winterwetter so nehmen, wie es kommt.

Wetterbericht von Skiinfo-Meteorologe Niklas Weise

Weitere Informationen zu Niklas findet Ihr hier.

 

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