Möchte man mit Peter Bauer telefonieren, versucht man es am Morgen vergebens. Bei ausreichender Schneelage steht der Snowboarder der ersten Stunde bis Mittags auf dem Brett. Erst am Nachmittag widmet sich der Fischbachauer seiner Snowboard- und Ski-Firma auf dem Hammerer Hof. Seit 2004 entwickelt Peter Bauer zusammen mit seinem Gründerkollegen Anian Thrainer innovative Bretter für anspruchsvolle Freeskier und Snowboarder unter dem Namen Amplid. Viele Projekte hat der Snowboard-Pionier seit dem Ende seiner Profikarriere zum Erfolg geführt, mit der Herstellung seiner eigenen Snowboards kann der leidenschaftliche Grafik Designer nun seine vielen Erfahrungen auf einen Punkt konzentrieren.

 

Servus Peter, die Ispo 2013 liegt gerade hinter uns. Die wievielte Sportmesse hier in München ist das schon für Dich und ist man nach all den Jahren abgeklärter oder immer noch so nervös?

Wir versuchen’s heuer mal anders: Statt eines Messestandes haben wir einen Showroom, ca. 25 Minuten von der ISPO entfernt. Weniger Lärm, mehr Ruhe für die Händler, Quality-Time für alle Beteiligten. Shuttleservice direkt zur Weißwurscht !

 

Vergangenes Jahr hast Du mit deiner eigenen Snowboard und Freeski Marke den Ispo Eco Award für das das Amplid Green Light Project erhalten. Das erklärte Ziel ist neue und ökologisch sinnvolle Materialien und Techniken in den Herstellungsprozess zu integrieren. Wie hat sich das Projekt in den letzten 12 Monaten weiterentwickelt und welches Highlight präsentierst Ihr uns diesmal? 

Gleich mal vorweg: Die Menschheit ist sehr scheinheilig – Jeder will die Welt retten, aber es darf nichts kosten. Es gab z.B. unser GREEN LIGHT BOARD für 549.- €, und das selbe Board in einer herkömmlichen Bauweise für 499.- €. Das Günstigere war der Renner, bis auf eine Länge alles ausverkauft. Die Eco-Version ging eher schleppend. Wir haben sehr viel gelernt aus diesem Projekt, viele Dinge fließen mittlerweile in die normale Produktlinie ein. Einige Verfahren und Ingredients haben wir wieder in die Schublade gesteckt, weil der Konsument nicht willig, ist dafür zu bezahlen. Für 2013/14 haben wir einige coole Innovationen: Das MORNING SPLIT – das leichteste Splitboard der Welt. Den EGO TRIP, ein 111mm breiter und superleichter Backcountryski mit Honeycombkernund vieles mehr ….

 

Ich denk man darf das ruhig sagen, Du bist etwa Mitte vierzig und stehst seit über 30 Jahren auf dem Snowboard. Das ist verdammt lange und doch kommt es einem vor als war es erst gestern. Wie ist das, wenn Du so zurückblickst?

Ich schaue eigentlich sehr selten zurück, nur wenn ich mal alte Spezl trifft, dann wärmt man gemeinsame Geschichten auf. Man muss im JETZT leben, und natürlich nach vorne schauen. Fakt ist, ich bin so motiviert zum Shredden wie am ersten Tag. Neues Material zu testen, neue Hänge zu fahren, es gibt so viel Neues!

 

Du hast von Beginn an das Snowboarden in Europa mitgeprägt. Hast über ein Jahrzehnt erfolgreich Snowboard Contests bestritten, zahlreiche Weltcup Siege, Europa- und Weltmeister Titel eingefahren. Hättest du damals jemals daran gedacht, dass alpine Snowboards eine aussterbende Art sind?

Am Anfang ist ganz einfach jeder jede Disziplin gefahren: Craig Kelly, Terje Haakonsen, Terry Kidwell – alle fuhren Slalom und GS. Und wir alle fuhren Park. Immer wenn die Leistungsdichte extremer wird, dann kommen Spezialisten. Die einen fuhren nur noch Freestyle, andere konzentrierten sich aufs Carven. Snowboarding in Softboots hatte mittelfristig einfach mehr Berechtigung. Es ist näher am Surfen und Skaten und hatte somit auch mehr „wichtigen“ Abstand zum Skirennsport. Die Freeride/Freestyleseite vom Snowboarding konnte sich auch besser weiterentwickeln. Racing ist stehengeblieben und war immer mehr Skirennfahren. Sicherlich auch aufgrund des Skiverbandes. Momentan wird es vom Verband noch künstlich beatmet, aber es existiert weder in der Industrie, noch in den Fachmedien. Ob das gut ist oder schlecht, sei wertungsfrei dahingestellt. Aber es ist Fakt.

 

Ende der Neunziger hast Du dein erstes Buch heraus gebracht, fast schon eine Biographie, in der Du intensiv über deine Leidenschaft des Snowboardens schreibst. Wenn du als alter Hase im Bizz zurückblickst als du noch selbst Contest gefahren bist, was hat sich in deinen Augen seither verändert? Was bedeutet heute Snowboard-Kultur?

Einer der Hauptunterschiede im Business ist, dass alles sehr Marketing-getrieben ist. Die Kunden kaufen keine Boards, sondern Poster. Die Graphics und der Brand sind wichtig, die Qualität der Boards scheint scheinbar sekundär. Leute – geht’s testen, abseits vom Marketinglärm! Hört euch, welchen Shape ihr wirklich braucht, geht auf Testivals und Demos, leiht euch Boards, tauscht euch mit euren Freunden aus – nur mit dem richtigen Board kommt man wirklich weiter!

 

Nach einigen auch erfolgreichen Projekten, wie Powderhausen, hast du vor sieben Jahren zusammen mit Anian Thrainer die Brettlschmiede Amplid gegründet. Wie kam es denn zu der Idee, selbst Bretter zu entwickeln und was macht Amplid besonders?

Wir produzieren alle Boards und Ski in der EU: „ Proudly manufactured in the Alps“ – Wir glauben an den Wirtschaftspatriotismus. Wir produzieren dort, wo wir auch testen und wo unser Kernmarkt liegt. Ich kann nicht in Afrika oder Asien effektiv und Eco-Responsible produzieren, Prototypen und Materialien quer durch die Welt schicken, und mich dann wundern, dass unser Geld nix mehr wert ist. Zudem sind wir nach wie vor die einzige Marke, die vom Tag I weg Ski und Boards produziert hat.

 

Du bist selbst lange Ski gefahren und hast mit 20 Jahren dann das Snowboard entdeckt. In einem Interview, einige Jahre später hast du dann gemeint, das Skifahren verlorene Jahre waren. Wie kam es dennoch dazu, dass du heute neben hochwertigen Snowboards sogar Ski baust?

Verlorene Jahre waren das sicher nicht. Ich habe eine Menge Technik aus meiner Ski-Aera mitbekommen, die für Snowboarding sehr hilfreich war. Übrigens baue ich nicht Snowboards und Ski, für den Bereich Freeski ist komplett mein Gründerkollege und Freeskier Anian Thrainer verantwortlich, ich für die Snowboards. Das haben wir seit der Gründung von Amplid konsequent beibehalten und können beide sehr viel voneinander lernen.

 

Snowboarden definiert sich heute ausschließlich über Freestyle und Freeride sowie Backcountry. Du bist 16 Jahre für Burton gefahren und hast deine Erfahrungen in neue Ideen, Technologien und Graphics einfliesen lassen. Bist Du heute mehr Schreibtischtäter oder hast Du nach wie vor die Möglichkeit dich auf Snowboard Abenteuer einzulassen?

Jeder schlechte Tag im Schnee ist ein besserer als am Schreibtisch. Ich bin jeden Tag um 8:30 am Lift, selbst wenn es nur mittelmäßigen Powder hat, denn es gibt einfach immer etwas Neues auszuprobieren. Viel unterwegs bin ich auch immer um zu Boarden. Erst letzte Woche war ich in Courmayeur und fliege am Dienstag für 2 Wochen zum Mt. Baker. Das ist genügend Abenteuer

 

Was ist Dein bevorzugtes Freeride Gebiet?

Die Beiden auf jeden Fall, in Europa Courmayeur und Valgrisenche und in Nordamerika Mt. Baker und Atlin. In Südamerika fahre ich nach wie vor gern Las Lenas und Ushuaia.

 

Danke Dir!