Herkömmlicher Ski-Tourismus belastet auf Dauer die Natur. Das ist kein Geheimnis. Dabei wäre es doch garantiert im Sinne der Wintersportbegeisterten, die einzigartige und faszinierende Bergwelt mit ihrer wohltuenden und gesunden Luft zu erhalten. Damit dies gelingt oder die zum Teil schon angeschlagene Natur sich wieder erholt, haben immer mehr Skigebiete in den letzten Jahren damit begonnen, sich intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Klimaschutz und Wintersport schließen sich also nicht mehr aus.  Auch jeder Einzelne kann mit etwas Planung und Umsicht viel zum Schutz der Alpen beitragen und trotzdem seinen Winterurlaub in vollen Zügen genießen. Skiinfo hat für euch die wichtigsten Tipps für den umweltbewussten Urlaub im Schnee zusammengestellt.

Planung

Nachhaltiger Winterurlaub beginnt schon mit der Wahl des richtigen Skigebietes. Hier lohnt es sich, die einzelnen Orte genauer unter die Lupe zu nehmen. Besonders in Österreich und in der Schweiz haben sich einige Destinationen Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben. Internetportale, wie beispielsweise www.alpine-pearls.com informieren über Regionen im Alpenraum, die aktiv ökologischen Tourismus fördern. „Skigebiete, die planen, weiter zu expandieren, sollte man meiden“, rät Jörg Ruckriegel, Ressortleiter im Bereich Natur- und Umweltschutz des Deutschen Alpenvereins. „Die Zeiten sind vorbei, in der neue Gebiete erschlossen werden müssen, da es keinen Zuwachs an Skifahrern mehr gibt.“ Auch müsse man sich überlegen, ob man wirklich ein Gebiet mit mehr als 250 Pistenkilometern braucht. „Meist sind es die kleinen und familienfreundlichen Skigebiete, die landschaftsverträglich integriert sind.“ Eine gute Wahl sind auch Alpenregionen, die Sommer- und Wintertourismus betreiben. Monostrukturelle Wintersportgebiete sind in der warmen Jahreszeit kein schöner Anblick, sie zeigen nach der Schneeschmelze vielmehr, welche zerstörerischen Auswirkungen der Massentourismus haben kann.

Anreise

Die meisten Urlauber reisen mit dem Auto in ihr Skigebiet. Das ist bequem und auch die sperrige Skiausrüstung lässt sich so besser transportieren. Doch auch hier ist es wieder die Masse, die es macht. „Was die CO2-Bilanz betrifft, sind es nur etwa 13 bis 25 Prozent, die auf die Bergbahnen zurückfallen“, weiß Dr. Alexandra Jiricka vom Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung der Universität für Bodenkultur in Wien. „Der größte Teil geht auf die An- und Abreise der Touristen“. Bei einer Anreise von durchschnittlich 200 Kilometern werden fast 40 Kilogramm CO2 in die Atmosphäre abgegeben. Da kommt bei den ca. 100 Millionen Touristen, die jährlich in die Berge fahren, einiges zusammen. Mit der Bahn sind es für die gleiche Strecke nur knapp drei Kilogramm CO2. Deshalb haben viele Wintersportorte ihre öffentliche Infrastruktur ausgebaut, sodass die Anreise mit der Bahn keinen großen Aufwand mehr darstellt. Auch ist es viel unkomplizierter den Skibus zu nutzen, wenn es vom Hotel aus auf die Piste gehen soll. Einzelne Skiorte, wie beispielsweise die Gemeinde Werfenweng in Österreich, sind sogar komplett autofrei. Darüber hinaus hat sich das Angebot des Wintersportexpresses der Deutschen Bahn in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Es lohnt sich also, hier nach Angeboten zu suchen, bevor man sich doch für das eigene Auto entscheidet.

Unterkunft

Ökohotels liegen im Trend. Dort herrscht nicht nur eine angenehme Atmosphäre, sondern es kommen auch viele regionale Produkte und biologische Erzeugnisse auf den Tisch. Das unterstützt wiederum die lokale Landwirtschaft und damit den Erhalt der Region. Auch kann man sicher sein,  dass der genutzte Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen wird und nur biologisch abbaubare Reinigungs- und Waschmittel verwendet werden. Viele dieser Hotels verfügen über eine eigene Solaranlage und sparen durch ihren Betrieb zusätzlich CO2 ein. Das kommt dem Erhalt der gesunden Bergluft zugute. Mittlerweile gibt es für Hotels und Gaststättenbetriebe mehr als 50 Umweltzertifikate. Eines davon ist beispielsweise „Die Blaue Schwalbe“, ein Siegel, das ökologisch nachhaltige Unterkünfte auszeichnet. Internetportale, wie unter anderem www.biohotels.info helfen bei der Suche nach einem geeigneten Hotel.

Ausrüstung

Kein Wintersportler braucht jede Saison eine komplett neue Ausrüstung. Am nachhaltigsten ist es also, seine alte zu verwenden, bis sie tatsächlich droht, auseinanderzufallen. Möchte man sich dann doch irgendwann mal neu ausstatten, kann man beim Kauf einer neuen Skiausrüstung auf Hersteller zurückgreifen, die auch hier auf Umweltbewusstsein setzen. Viele Firmen produzieren nachhaltige Outdoorkleidung, die aus klimaschonendem Material hergestellt worden sind. Eine davon ist beispielsweise die deutsche Bergsportmarke Vaude, die mit Umweltorganisationen zusammenarbeitet und sich bei der Herstellung an ökologische Kriterien hält. Auch Skier und Snowboards werden vermehrt ökologisch gefertigt. Zum Beispiel produziert Fischer seine Ski mit Hilfe erneuerbaren Energien, die Firma Indigo aus Deutschland stellt Skier und Snowboards mit Bestandteilen aus schnell nachwachsendem Bambus her. Wer seine Skier für die neue Saison wachsen möchte, kann auch hier nachhaltig sein und auf erdölfreie Produkte wie das Bio-Snowboard-Wachs von Purl zurückgreifen.

Aufenthalt

Natürlich soll der Spaß auf der Piste nicht zu kurz kommen. Und doch kann etwas umsichtiges Verhalten dafür sorgen, dass die Abfahrt im nächsten Jahr noch genauso schön ist, wie im Jahr zuvor. „Gesperrte Bereiche sollten nicht befahren werden“, rät Jörg Ruckriegel vom Deutschen Alpenverein. „Generell gilt es, einfach alle Hinweise zu beachten, die an und abseits der Pisten angebracht sind. Und dass kein Müll in der freien Natur hinterlassen werden sollte, ist selbstverständlich.“ Wer genau hinsieht, erkennt, dass in der Nähe von Liften der Boden durch die starke Nutzung oft so  beschädigt ist, dass er sich auch während des Sommers nicht mehr erholt. Deshalb sollte man Skipisten möglichst nur bei ausreichender Schneedecke befahren und bei milder Witterung sich die Talabfahrt für den Schluss aufheben oder ganz darauf verzichten. Auch kann es eine tolle Abwechslung sein, die Skier mal für einen Tag im Keller zu lassen, sagt Ruckriegel. „Schneeschuhwandern ist zum Beispiel eine schöne Alternative und wird fast überall angeboten.“ Doch auch hier gilt: Auf Bereichen, die aus Naturschutzgründen gesperrt sind, haben auch Schneeschuhwanderer nichts zu suchen.